Minensuchhund (Mine Detection Dogs, MDD)
Von Jutta Steffens-Carter, England
Nach Beendigung eines Krieges machen diese Landminen-Felder das Leben der Zivilbevölkerung schwierig bis lebensbedrohlich. Das Auffinden von Minen durch Hunde ist inzwischen eine der Hauptarten der Minenbeseitigung. Hunde können extrem niedrige Konzentrationen vieler Substanzen aufspüren, oftmals niedrigere Konzentrationen, als dies die besten technologischen "Schnüffler" können. Ausserdem sind Hunde schnell, gründlich und kostengünstig.
MDDs werden meistens kombiniert mit manueller und mechanischer Minenräumung: Wo der Verdacht auf ein Minenfeld besteht, werden Hunde eingesetzt, um die äusseren Grenzen dieses Minenfeldes zu definieren. Dann können Sicherheitszonen eingerichtet werden und das Feld geräumt werden. Nachdem eine minenverseuchte Gegend manuell oder mechanisch geräumt wurde (etwa durch Auffinden der Minen mit Hilfe von Metalldetektoren und anschliessendem Entschärfen oder aber dem Hervorrufen von Explosionen durch das Befahren des Areals mit speziellen, gepanzerten Vehikeln), suchen Hunde das gesamte Areal nochmals ab. Dadurch wird sichergestellt, dass keine Mine ausgelassen wurde und das Gebiet als sicher erklärt werden kann. Die Hunde suchen Strassen und Strassenränder ab, bei denen Verdacht auf Landminen-Verseuchung herrscht.Wie bei allen professionellen Hunden hängen Erfolg und Arbeitsfähigkeit von gutem Futter, gutem Training und guter, artgerechter Behandlung ab. Wo Minen-Spürhunde eingesetzt werden, werden hohe Ansprüche an deren Pflege, Ausbildung und Sicherheit gestellt.
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Die Erfolgsquote hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel von der Menge der Explosivstoffe, Windstärke, Temperatur, Regen und anderen Klimaeinflüsse sowie die Länge der Zeit, die das Objekt versteckt war. Denn es kann sich dabei um Jahre handeln - noch vor kurzem wurden in Berlin und in Manchester explosionsfähige Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.
Nur in dichter und hoher Vegetation werden MDDs meist nicht eingesetzt, da dies die Kontrolle des Hundeführer erschwert. Ausserdem kann solch schwieriges Terrain zu nicht gefunden Minen führen, die Gegend könnte also nicht guten Gewissens als "sicher" erklärt werden.
Geeignete Hunde Prinzipiell kann jeder Hund für diese Arbeit ausgebildet werden. Von grösster Wichtigkeit sind Gesundheit, ein sehr stark ausgebildeter sowie konsistenter Spieltrieb (mit Spielzeug), Verlässlichkeit und gutes Temperament/Wesen.
Wegen der Art der Vegetation in vielen Landminen-verseuchten Gegenden werden vielfach mittelgrosse Hunde eingesetzt, die daher auch leichter zu führen sind. Deutsche Schäferhunde, Malinois, Labradors sowie Englische Springer Spaniel werden vielfach eingesetzt, dies sind aber beileibe nicht die einzigen Rassen (auch Mischlinge werden eingesetzt). Ausserdem sollte der Hund auch starke Temperaturschwankungen und unterschiedliche klimatische Bedingungen bewältigen können.
Im allgemeinen sollte der auszubildende Hund mutig und selbstbewusst in wechselnder Umgebung sein (ein Hund, der Angst vor zum Beispiel Strassenverkehr oder lauten Geräuschen wie Explosionen hat, ist nicht geeignet). Der Hund sollte Lob lieben (am besten durch Stimme und Spiel), wobei dies auch durch die Ausbildung hervorgerufen werden kann. Natürlich muss der Hund sehr lernwillig sein, da unbedingter Gehorsam aus Sicherheitsgründen unerlässlich ist. Dies kann jedem Hund beigebracht werden, aber das könnte bei manchen Hunden zu viel zu langen Ausbildungszeiten führen
Der Hund wird Quadrat für Quadrat eingesetzt. Er hat entweder die Fläche zu durchstöbern oder in Linien entweder von oben nach unten oder von rechts nach links abzuspüren. Die Suchrichtung ergibt sich aus der Windrichtung. Das Wichtigste ist, dass der Hund jedes kleinste Stückchen dieses Gebiets durchsucht. Aus Sicherheitsgründen ("zwei Nasen sind besser als eine"), sucht danach ein anderer Hund das Gebiet nochmals ab, sobald der erste Hund seine Suche im Planquadrat beendet hat, ob er ein Objekt gefunden hat oder nicht.
Wenn keiner der Hunde etwas findet, wird dieses Gebiet als "sicher" erklärt. Wenn einer oder beide Hunde ein Objekt anzeigen, wartet der Hund dort, bis die Stelle markiert ist, dann wird der MDD entweder vom Hundeführer abgeholt oder zurückgerufen. Wieder zurück im sicheren Gebiet, wird der Hund durch Spielen belohnt.
Einsatzfähigkeit
Die Arbeit wird in "Schichten" aufgeteilt. Ein Hundeführer-Hund-Team arbeitet ca. 20 bis 30 Minuten lang, dann das andere Team, während das erste ausruht. 20 bis 30 Minuten lang gründlich per Nase alles durchsuchen, ist harte Arbeit und der Hund muss danach ausruhen.
Vor Erlangung der Lizenz als "Mine Detection Dog" sowie alle sechs Monate werden die Hunde offiziell geprüft und, wenn erfolgreich, lizenziert. Die Hunde, die die Prüfung nicht schaffen, kommen wieder in die Ausbildung und werden nach einer gewissen Zeit wieder offiziell geprüft.
Ausbildung Während des Trainings sowie der "ernsthaften" Arbeiten, sollten weder der Hundeführer noch andere begleitende Personen After Shave oder Parfum tragen. Auch Rauchen ist in der Nähe des Hundes nicht erlaubt. Diese Gerüche könnten zu stark sein für die Nase des Hundes und die zu suchenden Gerüche überlagern. MDDs werden für besondere und unter Umständen sehr gefährliche Arbeit ausgebildet. Um sie "bei der Stange" zu halten und völlige Konzentration zu ermöglichen, sollten sie für keinerlei andere Arbeiten ausgebildet oder eingesetzt werden.
Hund und Hundeführer müssen "passen" im Sinne von Persönlichkeit und Wesen. Die künftige Arbeit ist zu gefährlich für unharmonische Teams. Der Hundeführer muss seinen Hund ausgesprochen gut kennenlernen, um in der Lage zu sein, das Verhalten des Hundes/dessen Körpersprache korrekt zu bestimmen. Das Erkennen kleinster Änderungen im Verhalten oder etwa Verlust der Konzentration kann das Leben des Hundes und des Hundeführers retten!Positive Verstärkung und gute Spieleinlagen sind extrem wichtig, um den Spass des Hundes an der Arbeit zu erhalten und seine Verlässlichkeit zu fördern. Alle gewollten Verhaltensweisen müssen vom Hund freiwillig angeboten und dann verstärkt werden. Hunde, die unter Druck gesetzt werden, machen Fehler - und bei dieser Arbeit sind Fehler tödlich! Ausserdem kann eine falsche Hundeführer-Reaktion die Ausbildung um Wochen zurückwerfen.
Der Hund muss folgendes gründlich und freudig lernen, um so verlässlich zu werden, wie diese gefährliche Arbeit es verdient.
Während der gesamten, speziellen Ausbildung wie unten beschrieben wird auch "normales" Training abgehalten. Es ist besonders wichtig, dass der Hund extrem verlässlich ist mit "Komm, Sitz-Bleib, Platz-Bleib und Steh-Bleib. Bleiben bis zu 20 Minuten, mit dem Hundführer im Blickfeld des Hundes und ausserhalb des Blickfeldes.
Für die Zielgeruch (Explosivstoff) Ausbildung, wird normalerweise ein Spielzeug benutzt, das innen hohl ist und an den Seiten verschlossen werden kann. Wenn der Hund damit zurecht kommt, wird einfach eine schmale Hartplastik-Röhre verwendet. Die Einführung dieses Spielzeugs findet statt durch viel Spiel, so aufregend und spannend für den Hund gestaltet wie möglich. Auch der "Besitztrieb" wird hier gefördert.
Wenn der Hund sein neues Spielzeug wirklich toll findet, wird es mit Watte und etwas Zielgeruch gefüllt. Dieser Zielgeruch ist entweder der Geruch von Explosivstoffen (ist wirklich im Spezialhandel erhältlich!) oder aber winzige Mengen zum Beispiel von TNT. Wird eine Röhre benutzt, werden in diese kleinste Löcher gebohrt, um den Zielgeruch ausströmen zu lassen, und die Seiten verschlossen.
Mit diesem präparierten Spielzeug wird weiterhin wild gespielt.
Wenn der Hund es leicht findet, auch wenn es in hohes Gras und andere etwas schwierige Stellen geworfen wurde, wird in einem "obstacle course" gespielt. Dieser besteht zum Beispiel aus Paletten, Kartons, Laubhaufen, Haufen aus Zweigen etc. Zuerst wartet der Hund, während der Hundeführer in seinem Blickfeld das Spielzeug versteckt. Dann wird der Hund suchen geschickt. Die Signalwörter sind von Trainer zu Trainer unterschiedlich, daher gehe ich hier nicht darauf ein. Für jede erfolgreiche Suche wird der Hund gelobt und mit einem Spiel mit dem Spielzeug belohnt.
Wenn der künftige MDD das Spielzeug auf diese Weise verlässlich findet, wird die Röhre in seiner Abwesenheit versteckt und dann wird der Hund suchen geschickt. Am Anfang, um die Freude an der Suche des Hundes zu erhalten, darf der Hund seinen Fund anzeigen, wie er will. Im Laufe der Ausbildung wird aber die formelle Art des Zeigens eingeführt (ein ruhiges Sitzen vor dem Fundort, zwischen Fund und Hundeführer). Dies geschieht je nach Verhalten des Hundes. Das Geschirr und die lange Leine werden schon recht früh in der Ausbildung eingeführt, da der Hund sich ja daran gewöhnen muss. Schon die oben beschriebenen Spiele werden teilweise mit dem Hund in Geschirr und an der langen Leine gespielt, teilweise ohne Leine.
Wenn das Spielzeug mit Zielgeruch so versteckt ist, dass der Hund kaum daran kommen kann (einschl. Vergraben in den Boden), ist das der richtige Zeitpunkt, um das stille, ruhige Sitz zum Anzeigen einzuführen. Denn hier kann der Hund ja sowieso nur Anzeigen, nicht selbst erreichen und apportieren. Also, statt auf das wilde Bellen oder Kratzen zu reagieren, kann der Hundeführer nun das Spielzeug erst ausgeben, wenn der Hund ruhig ist und/oder nicht kratzt/gräbt. Sobald dies verlässlich klappt, wird der nächste Schritt in Richtung "Korrektes Anzeigen" angesteuert und nur noch dieser wird belohnt. Diese kleinen Schritte sind bei jedem Hund ja nach Veranlagung anders. Jedenfalls geht es so weiter mit positiver Verstärkung und Ignorieren des nicht gewünschten Verhaltens, bis der Hund still und geduldig vor seinem Fund sitzt, zwischen Hundeführer und Fund.
Natürlich wird der Hund für jede erfolgreiche Suche und jedes gute Anzeigen gelobt und belohnt. Dann wird so versteckt, wie Landminen gewöhnlich versteckt sind. Auch wird jetzt weniger nach dem Spielzeug gesucht, sondern mehr nach anderen Zielgeruch-Objekten sowie echte, entschärfte Landminen. Diese werden nicht mehr vom Hundeführer angefasst, möglichst von keiner Person mehr, sondern mit Zangen. Der Hund soll ja nicht auf den Geruch von Menschen finden, sondern sich ganz auf den Zielgeruch konzentrieren.
Dann werden diese Objekte/Zielgerüche vorab versteckt - 12 Stunden vor der Suche, dann 24 Stunden, Wochen vor der Suche und sogar Monate vor der Suche. Da die Ausbildung des Hundes so lange nun auch nicht dauert, haben viele Ausbildungsstätten vorgefertigte "Minenfelder". Zum einen, weil wirkliche Minen teilweise schon seit Jahren vergraben liegen, zum anderen, um die wirkliche Suche richtig üben zu können.
So lernt der Hund, weniger und weniger Spuren des Zielgeruchs wahrzunehmen und anzuzeigen. Denn solche Gerüche verflüchtigen sich immer mehr im Laufe der Zeit durch klimatische Einflüsse, mögliche Feuersbrünste etc. in "der wirklichen Welt". Am Ende der Ausbildung sollte der Hund in der Lage sein, auch noch schwächste Spuren des Zielgeruchs wahrzunehmen.
Während der Ausbildung lernt der Hund sowohl das Stöbern als auch in Linien entweder von oben nach unten oder von rechts nach links abzuspüren. Die Suchrichtung ergibt sich aus der Windrichtung. Bei beiden Sucharten bleibt der HF auf der vorher festgelegten safe-lane, Lob und Spiel können nur hier stattfinden. Auch dies muss der Hund während der Ausbildung lernen - Lob und Spiel können nicht zeitnah stattfinden, sondern erst, wenn der Fund des Hundes markiert ist und der Hund vom Hundeführer abgeholt oder zurückgerufen wurde. Dies kann natürlich für den Hund am Anfang verwirrend sein, aber mit Geduld und Ausdauer lernen alle Hunde, dass Lob und Spiel genauso toll sind, wenn sie etwas später erfolgen.
Besonderer Dank an Joe Lokey von Menschen gegen Minen Demining Network für all die nützlichen Adressen und die Fotos (http://www.mgm.org/), Havard Bach, Geneva International Center for Humanitarian Demining, Genf, für die Informationen zum Minenproblem und zur Minensuche mit Hunden (http://www.gichd.ch/), Martin Weitkamp von M-DETECT, Ascheberg, (Ausbilder von MDDs sowie Polizei- und Bundeswehr-Hunden) für die Angaben zum Einsatz und zur Ausbildung dieser Hunde sowie für die Fotos.© bei der Autorin. 7/ 2001


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