• Rettungshund

    Bevor sich Hundehalter entschliessen, Rettungshundeführer zu werden, beziehungsweise den Hund zum Rettungshund auszubilden, sollte man sich als Hundehalter darüber im Klaren sein, dass Rettungshundearbeit mehr als ein Hobby ist. Auf die Hunde kommt viel Spass zu, auf die Halter ein hoher Zeit- und Kostenaufwand und Verantwortung. denn aktive Mitglieder einer Rettungshundestaffel stellen ihre Dienste ehrenamtlich zur Verfügung.

    Geeignet ist fast jeder Hund, er sollte gesund und leistungsfähig sein, nicht zu klein und nicht zu gross. Eine Gratwanderung. Wir haben hier sogar einen Jack Russel Terrier, der dazu geeignet ist. Es kommt nie auf die Rasse, immer auf den individuellen Typ an. Bei den grossen Rassen ist es das Problem, dass sie sehr schwer und daher auch sehr schwerfällig sind. Besonders auf Leitern und Stegen. Das kann regelrecht gefährlich für die Hunde werden.

    Die Ausbildung kann als Welpe begonnen werden, Höchstalter bei Ausbildungsbeginn ist ca. fünf Jahre. Die Ausbildung bis zur erste Prüfung dauert rund zwei Jahre bei zweimal wöchentlichem Training. Voraussetzung für eine Rettungshundeprüfung ist die Begleithundeprüfung. Die Hundeführer sind für den Grundgehorsam und die Absolvierung der Begleithundeprüfung selbst zuständig, das Gehorsamstraining findet zusätzlich zum RH- Training statt.

    Die Rettungshundeprüfungen müssen jährlich absolviert werden. Ausgebildet wird in der Flächen-, Trümmer-, Wasser- und Lawinensuche. Die Hunde sollten menschenfreundlich und sozial verträglich sein.

    Gebrüll und Drill gibt es in der Rettungshundearbeit nicht, die Hunde sollen freudig, engagiert und selbstständig "arbeiten". Ein Ausbildungsteil ist die Flächensuche, der Hund lernt in den verschiedensten Gebieten mit verschiedenster Vegetation Menschengeruch aufzunehmen und zeigt den gefundenen Menschen durch anhaltendes Bellen an. Es wird dem Hund nicht, wie oft angenommen, vorher ein Kleidungsstück der Person gegeben.

    Der Hund lernt auf das Hörzeichen "Such- und Hilf" Menschengeruch zu erstöbern. Stöbern bedeutet, der Hund sucht mit "hoher" Nase und nicht auf der Fährte. Von tagelang vermissten Menschen existiert keine Fährte mehr. Existiert jedoch eine Fährte, ist es nicht falsch, diese zu nutzen. Ist aber eine Fährte vorhanden, kann man sie natürlich nicht daran hindern, sie aufzunehmen. Der Hund darf nur nicht das Hörzeichen "Such und Hilf" mit dem Fährten verwechseln. Die Hunde sollen durch Stöbern den Menschengeruch finden.

    Oberstes Gebot ist das Finden der vermissten Person. Befinden sich im Suchgebiet weitere Personen, wird der ausgebildete Hund auch diese anzeigen. Er sucht den menschlichen Geruch.

    Im Training wird dem Hund gelehrt, dass es das Tollste auf der Welt ist, Menschen zu finden. Die gefundenen Personen belohnen mit Spiel und Leckerchen, der Hund wird dadurch gerne suchen und baut "Opferbindung" auf. Diese ist wichtig, denn - egal was passiert, ob die Person ängstlich, aggressiv oder leblos ist - der Hund muss so lange bei dem gefundenen Menschen bellend verweilen, bis der Hundeführer beziehungsweise das Suchgruppenteam vor Ort ist. Da die Hunde oft weit weg vom Hundeführer sind, müssen sie lernen, langanhaltend zu bellen.

    Das langanhaltende Bellen "Anzeige" lernt der Hund in so genannten Anzeigeübungen. Zur Motivation werden diese immer wieder als gezogene und ungezogene Anzeigen trainiert. Für gezogene Anzeigen läuft eine Person, für den Hund sichtbar weg, der Hund wird hinterhergeschickt und zeigt die Person an. Bei ungezogenen Anzeigen befindet die Person sich schon an einem Ort, wo der Hund hingeschickt wird um sie anzuzeigen.

    Das Verhalten der Personen variiert von Gehend, Stehend, liegend, sitzend, usw. Auch der eigene Hundeführer "spielt" immer wieder Opfer, denn was sucht ein Hund am liebsten: seinen Menschen! Das Training sollte immer positiv und erfolgreich gestaltet werden.

    Ein weiterer Teil der Ausbildung ist die "Gerätearbeit", die für die Geschicklichkeit und für die ganze Rettungshundearbeit sinnvoll ist. Der Hund lernt mit den verschiedensten Untergründen umzugehen, mit denen er als Rettungshund konfrontiert werden kann. Es werden Rosten, Schotter, Metall etc. genutzt. Er lernt, Leitern und Wippen zu begehen.

    Der ausgebildete Hund ist per Sicht- und Lautzeichen über sämtliche Geräte wie Stege, Wippen, Fassbrücken aus Distanz zu lenken. Dass er aus Distanz "lenkbar" ist, ist wichtig für alle Teile der Rettungshundeausbildung, denn nicht immer kann auch der Hundeführer Trümmer oder Flächen begehen. Ausserdem sind wir Menschen viel zu langsam, wenn Menschen in Lebensgefahr sind, zählt jede Sekunde, der Hund sucht oft in grosser Distanz zum Hundeführer.

    In den Trümmern lernt der Hund nur lebende Personen anzuzeigen. Dort ist es wichtig, dass der Hund lernt punktgenau durch Bellen und Scharren anzuzeigen. Es nützt nichts, wenn der Hund auf einem Trümmerkegel steht und in die Luft bellt, weil er menschliche Witterung aufgenommen hat. Wo soll das Bergungsteam dann ansetzen? Er muss also das so genannte Eindringverhalten an der richtigen Stelle anzeigen. Er muss lernen, mit Dunkelheit, herumliegenden Nahrungsmitteln etc. umzugehen, seine Motivation muss eben das Suchen von Menschengeruch und das Anzeigen sein.

    Wie in jeder Hundeausbildung ist das Ziel, dass das Tun an sich schon zur Bestätigung wird. Der Hund muss Spass an der Sache haben. Hund und Mensch, Rettungshund und Rettungshundeführer müssen ein Team werden. Der Hundeführer muss seinen Hund lesen können.

    In anderen Hundeausbildungen ist jeder nur für seinen Hund und dessen Ausbildung verantwortlich, das ist in der Rettungshundearbeit anders. Jedes aktive Mitglied ist für jeden Hund verantwortlich. Teamarbeit ist gefragt und Vertrauen.

    Wenn ein Mensch als Helfer für einen anderen Hund als Opfer geht, muss sich der Hundeführer sicher sein, dass dieser vor Ort das richtige im richtigen Augenblick tut. Belohnt der Helfer zum Beispiel das Belästigen, zum Beispiel Kratzen am Opfer oder ähnliches, wird der Hund diese Handlung für richtig halten und wiederholen.

    Ebenso wichtig ist, dass zwischen den Menschen kommuniziert wird, der Hundeführer muss wissen, wie sein Hund sich am "Opfer" verhält um entsprechende Ausbildungsschritte einzuleiten. Helferschulungen sind unerlässlich. Jedes aktive Mitglied muss über das Lernverhalten, Hundeverhalten, Kenntnisse besitzen.

    Es ist nicht so, dass man als Hundeführer in eine Rettungshundestaffel geht und dort der Hund ausgebildet wird. Beide müssen gemeinsam und viel lernen. Der Hundeführer muss sich in das Team einfügen. Für viele Menschen ist es oft befremdend und ungewohnt, dass man nicht immer mit dem eigenen Hund arbeitet, sondern auch mit den anderen Hunden. Der eigene Hund wartet währenddessen im Auto. Er muss lernen sich dort auszuruhen.

    Zum Training mit Hund kommt dann noch die Theorie. Die Hundeführer, die noch keinen geprüften Hund oder einen derzeit nicht einsatzfähigen Hund haben, agieren als Suchgruppenhelfer. Diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen.

    Im Einsatz geht immer ein Team gemeinsam, es besteht aus dem Rettungshundeführer, dem Rettungshund und dem Suchgruppenhelfer, der für alles ausserhalb des Hundes zuständig ist. Die Aufgaben bestehen aus dem Bewältigen des BOS-Funk mit der Einsatzleitung (BOS heisst: Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufträgen), dem Lesen der Karte, der Orientierung mit Karte und Kompass, dem Tragen des Gepäcks wie Wasser für den Hund, Erste Hilfe Mensch / Hund, Bekleidung, etc. Allein mit der Orientierung und dem dauernden Funkkontakt hat der Suchgruppenhelfer alle Hände voll zu tun.

    Damit eine Rettunghundestaffel einsatzfähig ist, bedarf es mancher Theoriestunde ausserhalb des praktischen Trainings. Die Hundeführer und Suchgruppenhelfer bekommen Unterricht in Erster Hilfe für Mensch und Hund, Einsatztaktik Fläche und Trümmer, Orientierung wie Umgang mit Karte, Kompass, GPS-Geräten, BOS-Sprechfunk, Knoten und Stiche, taktische Zeichen, Trümmerkunde und anderes mehr.

    Da nicht in jeder Stadt eine Rettungshundestaffel ist, kommen auf die meisten Mitglieder Fahrtzeiten und -Kosten zu. Auch Einsatzorte sind oft weit entfernt. Mit dem Arbeitgeber muss man absprechen, ob man im Falle eines Einsatzes freigestellt wird.

    Viele Rettungshundestaffeln bieten mehrwöchige Schnupperkurse an, in dem Lehrgang bekommen die Hundeführer einen umfangreichen Einblick in die Rettungshundearbeit. Am Ende eines Kurses können sich beide Parteien, Hundeführer und Staffel entscheiden, ob sie weitermachen wollen. Schnupperkurse sind für Interessierte sehr empfehlenswert. In der Zeit des Lehrganges merkt man, ob Hund und Mensch Spass an der Sache haben.

    Rettungshundeführer müssen auch zu Hause sehr viel üben; es reicht nicht, nur zum Training zu fahren. Er wird dort natürlich die Anleitung erfahren, was er alles üben kann und was er falsch macht. Hinter der Rettungshunde-Ausbildung muss bei diesem Aufwand die ganze Familie stehen, also alle, die mit dem Hund leben.

    In einer Rettungshundestaffel sind auch Menschen ohne Hund willkommen, die aktiv als Helfer agieren.

    © bei der Autorin. 5/ 2001