Jede Skifahrsaison dasselbe Leid und Leiden: Menschen geraten bei ihrem Wintersport in Not. Oft aus eigenem Verschulden. Dann treten Rettungscrews in Aktion. In Berggebieten haben diese Retter dazu auch Lawinensuchhunde ausgebildet. Die Nasenleistungen von Hunden sind dazu immer noch unersetzlich. Der Spezialisierung auf Suche im Schnee geht eine normale Fährten- und dann Rettungsausbildung voraus. Die Berg- und Rettungsführer (und eine Anwärterin) aus Südtirol führen neben den allseits bekannten Deutschen Schäferhunden auch so interessante Hunde wie Bayrischer Gebirgsschweisshund, Magyar Viszla, Berner Sennenhund und - Bloodhound!
Von Hans Berger (Josef Bachmann), Lawinensuchhundeführer Pustertal
Die Lawinenschule ist keine sportliche Betätigung, sondern eine Berufsschulung zum Zwecke der alpinen Winterrettung. Mensch und Hund müssen durch ihr Auftreten während des Einsatzes jene Zielsicherheit und Zuversicht ausstrahlen, die alle hoffnungsfroh aushalten lässt, bis die Aufgabe erfüllt ist. Diese Aufgabe lautet: Menschen dem weißen Tod entreissen.
Der Lawinenhundeeinsatz erfordert unbedingt die "Zweieinigkeit" - Führer - Hund (Verstand - Nase). Wäre jeder auf sich allein gestellt, ist er auf verlorenem Posten. Der Führer darf nie ein Hundeführer schlechthin, er muss ein alpiner Hundeführer sein. Daraus geht hervor, dass der Lawinenhundeführer unbedingt alpine Fähigkeiten und Kenntnisse besitzen muss, die er, gleich seinem Hund, das ganze Jahr über zu vervollkommnen versucht.
Die Anfänger-Ausbildung (A)
Die Grundschule für den Anfängerhund ist das Erlernen des Suchens von Menschen unter dem Schnee. Der Hund, seine Sinnesorgane und Triebe werden wie folgt dem Menschen nutzbar gemacht:
Die oder der Hundeführer/in verlässt das Meutentier und verschwindet im Schnee. Damit wird der Meutentrieb des Hundes auf höchste Alarmstufe gebracht. Der Hund verliert seinen Menschen, den er über alles liebt. Er beginnt vor Aufregung zu zittern und zu jaulen, er versucht sich loszureißen, um möglichst bald seinem Menschen folgen zu können. Das Suchfieber, das einmalige Interesse für die Aufgabe ist somit entfacht. Dem Hund ist die schönste Aufgabe gestellt worden, die es für ihn geben kann, er darf seinen Menschen suchen.
Der Hund wird endlich losgelassen, er stürmt in Richtung Menschen davon, wobei sich der fein ausgeprägte Geruchssinn der hundlichen Nase in Tätigkeit setzt. Eine wohltuende Witterung, die er unter Tausenden herauskennt.
Diese Witterung ist an einem Platz konzentriert, doch ist der Mensch noch immer außer Reichweite, da er unter einer Schneedecke liegt. Fast jeder Hund ist von Natur aus ein leidenschaftlicher Gräber: Knochen aus und ein, Mäusen nach. Der saftigste Knochen verblasst neben der geliebten Menschenwitterung, die da wolkenweise aus dem Schnee strömt. Also lustige Grabarbeit zum Menschen. Wiedersehensfreude, verbunden mit zusätzlichem Lob, Kraulen, Leckerbissen. Hundeseele, was willst du noch mehr?
Nach den Erziehungsgrundsätzen reagiert der Hund nur auf schmerzliche oder wohltuende, schlechte oder gute Empfindungen und darauf stellt er sein Handeln ein. Da nun der Hund bei jedem Sucherfolg auf der Übungslawine einen Leckerbissen vorfindet und stürmisches Lob erntet, betrachtet er die Suche unter dem Schnee bald als seine liebste Tätigkeit, die er stets als wohltuende Empfindung in hundlicher Erinnerung hat.
Wenn der Hund soweit gebracht wurde, dass er vor jedem unmittelbaren Sucheinsatz vor Eifer und Suchfieber zittert und mit frohem "Geläute" wegstürmt, dann ist er richtig zur Lawinenarbeit erzogen worden.
Diese Phasen gelingen nur, wenn zwischen Hund und Führer eine gute und enge Verbindung besteht. Zu allen Phasen muss der Hund Freude haben. Überforderung bremst jedes gute Ergebnis.
A-Übung
Zuerst wird ein Lawinenfeld in der Größe von ca. 80 x 80 m so vorbereitet, dass es auch ohne Ski gut begehbar ist. Auf der Grundlinie wird ein Startplatz getreten. Unweit von diesem sollte eine Versteckmöglichkeit (V) für Führer und Hund sein. Im Feld werden vier Löcher (L1 bis L4) so angelegt, dass die kürzeste Verbindung einer systematischen Quersuche gleicht.
L1 soll nur ein ca. 50 cm tiefer Graben sein, in welchem sich zwei Personen verstecken können. L2 und L4 sollen zuschüttbare Löcher für je eine Person und L3 ein solches für zwei Personen sein (Freiraum für Hund ist einzuberechnen). Genügend Zuschüttmaterial und gute Wege müssen vorhanden sein, damit die Übung ohne größere Unterbrechung abgehalten werden kann.
Die B-Ausbildung:
Bei der B-Ausbildung liegt somit das Schwergewicht auch auf der Schulung des Hundeführers.
Die C-Ausbildung:
Verhalten während des Einsatzes als Lawinenhundeführer:
Im Anflug: Erste Lagebeurteilung beim Überfliegen des Einsatzgebietes. Eigene Sicherheit beurteilen. Erster Landeplatz in Absprache mit dem Piloten bestimmen. Wind beachten. Nach der Landung: Beurteilung der Lage Sofortmaßnahmen Zeugenbefragung Vorhandenen Spuren beachten Helfer sinnvoll einsetzen (LVS-Suche, Oberflächensuche) Lawinenwarnposten Einsatz des Hundes im primären Suchbereich unter Berücksichtigung der Windverhältnisse, LVS-Gerät auf Empfang, sofern dies die Lawinensituation zulässt Rückmeldung erster Kenntnisse. Markierung von Gegenständen, bei schlechter Witterung auch Lawinenkegel und Spuren. Heliplatz und Materialplatz vorbereiten lassen. Situationsskizze anfertigen lassen. Einsatz auf organisiertem Unfallplatz: Weisungen des Einsatzleiters oder Lawinenhundeleiters beachten. Eigene Sicherheit beachten. Verbindungskontrolle mit Einsatzleiter und Hundeleiter beachten. Beim Einsatz mehrerer Hundeführer ist die gegenseitige Information dringend notwendig. Bei Übermüdung des Hundes ist eine Pause im rückwärtigen Raum einzulegen. Ein Sektorwechsel ist unter den Lawinenhundeführern abzusprechen.*
© Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung der www.lawinensuchhunde.org


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