• Hunde vom indischen Subkontinent

    Indien, Pakistan, Afghanistan, Turkmenistan, Usbekistan, Tatschikistan und die Staaten im Himalaya: nur ein kleiner Teil aus dieser Hunderegion ist uns bekannt. Meist wurden die wenigen - uns bekannten - autochthonen (bodenständigen) Hunde über England als damalige Kolonialmacht eingeführt. Wie etwa Tibet-Spaniel, Tibet-Terrier, Lhasa Apso und natürlich der wohl populärste, der Afghanische Windhund. Aber es gibt in diesem Erdteil noch ganz andere Typen.

    hundezeitung.de hatte einige Profi-Reisende dieses Erdteils um Mitteilungen über Hundearten gefragt, aber keine Antwort erhalten, von einem hundekundigen nordindischen Wissenschaftler jedoch ein paar Informationen erhalten. Es existieren kaum nachprüfbare Beschreibungen oder gar Fotos von vielleicht "reinrassigen" Typen. Aber das, was wir in kurzer Zeit herausfanden, mag das Bild erweitern auf eine Hundewelt, die uns vermutlich so fremd ist wie die der Menschen in diesem Teil unsere.

    Die meisten der Hunde auf diesem Subkontinent sind rassefrei, es sind Parias, die auch nach den Gesetzen der Natur leben. Dem Hinduismus und dem Buddhismus ist westliche Rassehundepflege mit Statussymbolik fremd. Natürlich gibt es vornehmlich in den hochkastigen indischen Schichten auch einige westliche Rassehunde, schon weil viele der oberen Schichten in England studierten. Die ländlich lebenden Menschen dieser Regionen handeln jedoch nach Nutzungstauglichkeit. Etliche der landeseigenen Hundetypen wurden und werden dabei ausschliesslich nach dem Gebrauchswert seit den Anfängen der Haushundwerdung gezogen und gehalten: überwiegend Herdengebrauchshunde mit starken Wach- und Schutzeigenschaften, oder Jagdhunde, auch auf Grosswild.

    Der Afghane, den wir als hübschen Hetzhund kennen, dürfte in seiner Heimat kaum noch anzutreffen sein, eben nicht in dieser uns bekannten Eleganz und psychischen wie physischen Beschaffenheit. Im Ursprungsland war er ein robuster Hetzhund mit "outdoor"-festerem Fell. Die Afghanen kennen den Urtyp als Thasi. Die britischen Importeure haben ihn dann auf der Insel für Ausstellungen zusehends geschönt.

    Die chinesische Besatzung Tibets und anderer Länder des Himalaya schloss lange einen Export landestypischer Hunde aus. Doch zur Zeit der "Kulturrevolution" der brutalen chinesischen Rotgardisten wurden in Tibet nicht nur die Menschen, sondern auch noch alle Hunde erschlagen, derer die chinesischen Invasoren habhaft werden konnten.

    Bemerkenswert weise ist schon die Einstellung der Menschen aus diesem Erdteil zu Hunden, wie die Tibet-Kennerin Elisabeth L. aus Wien sagte: "die einfachen Leute hier kennen im Grunde - wie wir - keine Rassen, sie unterscheiden nur in gute und böse Hunde".

    Sie fotografierte auch den schwarzen grossen Hund (es könnte ein Paria-Typ mit Kanawar-Anteil sein), der sich den Eingang zum Studenten-Campus des Vajra Vidya Institutes der Klosteruniversität Sarnath aussuchte, als Wächter. Er wird dort sehr gut versorgt. Es ist ein buddhistischer Pilgerort bei Varanasi in Uttar Pradesh.

    In jüngster Zeit wurden aus bekanntem Anlass die Berichte über den Raum um Afghanistan verstärkt. Durch die kargen und im Wahrheitsgehalt nicht immer unbedenklichen Informationen wurden neben unverfänglichen Aufnahmen berichtet, dass die Verletzungen durch von den russischen Militärs hinterlassenen Minen stark zunehmen. Nicht nur Hirten treten selbst in Berggegenden auf diese grausamen Hinterlassenschaften. Dabei muss es auch Tiere treffen.

    Dass es gerade so grosse und starke Hunde im afghanischen Raum gibt, wurde jüngst durch einen Filmbericht aus dem nördlichen Gebiet bewiesen, der in 3sat in der Sendung "auslandsjournal extra" am 12. Oktober ausgestrahlt wurde.

    In dieser Sendung, zur Zeit ist diese Region auch bei uns aus bekannten Gründen medienpräsenter denn je, sah ich einen graubraunen mächtigen Hund, sicherlich gute 80 Zentimeter Schulterhöhe bei geschätzten 65 Kilo, auf den ersten Blick wie ein Kangal der noch robusteren Sorte, mit der für die meisten Herdenschutzhunde typischen Ringelrute und ordentlichen Halswamme bei mittelkurzem, aber dichtem Fell.

    Der Hund, um das wilde Image auf Normalmass zu stutzen, wurde von einem Mann gekrault. Was dieser sichtlich genoss. Diese Vertrautheit hat nur den Grund, dass es der Besitzer des Hundes war.

    Wir versuchen einen groben Überblick zu geben über die Hundetypen dieses Erdteils. Leider ohne grossen Erfolg, was Fotomaterial betrifft. Die Bezeichnungen dieser Hunde rekrutiert sich oft, wie bei bodenständigen Hunden häufig der Fall, aus der Gegend, aus der sie stammen.

    Die Inder zählen auch den Saluki zu ihren Hunden, obwohl er eher aus dem alten Ägypten stammt und in der Periode der Mongolen-Herrschaft (zusammen mit Pferden) aus dem heutigen Syrien nach Indien eingeführt wurde, dort in grosser Zahl als Taji gezüchtet wurde.

    Neben diesem uns bekannten Hetzhund gibt es in Indien heute noch den Koochi oder "Powinder"-Hund, der seine Bezeichnung, wie üblich in der Hundewelt, von seinem Volk bekam: einem Nomadenstamm aus Afghanistan, die früher ihre Winterwanderungen bis nach Bombay und Kalkutta ausdehnten. Es ist daher nicht vermessen, den Koochi auch als länder-übergreifenden Typ zu sehen.

    Der Koochi ist ein mittelgrosser Typ (Rüden zwischen 55 und 63 Zentimeter Schulterhöhe) bei einem Gewicht von gut 30 bis 40 Kilo. Das Fell ist sehr dick und rauh, dabei lang. Alle Farben von schwarz über braun zu weiss-gefleckt oder dunkel-gestreift. Leider werden heute noch die Ohren fast wegkupiert, auch die Rute. Man sagt diesen Hunden nach, dass sie untereinander sehr friedlich seien, aber fremde Hunde würden unweigerlich zerrissen. Die Wachhunde beschützen nachts die Karawanen und Lagerstätten.

    Der Vikhan stammt aus Chitral. Der Name ist aus dem Sanskrit "vikh" abgeleitet und deutet ebenfalls auf das hügelige Ursprungsland des Hundes hin. Er sieht einem langhaarigen Collie gleich. Der Körperbau ist eher auf Schnelligkeit als auf Kraft ausgelegt. Er ist rötlich, schwarz oder gefleckt.

    Der Bangara aus Bangar, einem Teil von Tehri Garhwai, soll sich aus dem Do-Khyi (tibetanischer "Mastiff") entwickelt haben. Er beschützt die Yak- und Schafherden vor Beutegreifern. Die Grösse entspricht etwa dem des Koochi, auch die Farben sind vielfältig. Er ist breit gebaut, die Rute oft nach oben gerollt.

    Der Bhotia stammt aus Tibet. Er ist ein Hütehund von mittelgrossem Wuchs (50 bis 63 Zentimeter) und 22 bis 28 Kilo. Das Fell wie verständlich in dieser Gegend, harsch, dick und in allen Farben. Die Ohren sind klein und hängend. Auch dieser Hundetyp trägt die buschige Rute über dem Rücken gerollt. Er gilt als weniger aggressiv gegen Eindringlinge als die vorher beschriebenen Arten.

    Der Shikari von Kumaon zeigt viel Ähnlichkeit mit den Parias aus dem indischen Flachland. Aber er ist wesentlich grösser und stärker (bis zu 90 Zentimeter Schulterhöhe). Der Beschreibung des englischen Majors W. V. Soman nach wurde er als Schutz- als auch zur Grosswildjagd verwendet.

    Ein ähnlicher Typus ist der Kanawar, im 4000 Meter hohen Kanawar - auch Kinnaur genannt, als Herdenschutzhund und als gross, schwarz und wild bekannt. Seine Heimat liegt im Himachal Pradesh, südlich des Spiti-Tals. Die Hunde, tagsüber an der Kette gehalten, nachts freilaufend, sollen Fremden besonders feindselig gesinnt sein. Sein Fell ähnelt in der Beschaffenheit jenen Schafen, die er beschützt.

    Der Bisben sieht dem Do-Khyi (der um die 70 Zentimeter grosse, meist dunkelbraune oder rostrote, mit hellen Zeichnungen versehene mächtige Tibet-Mastiff) sehr ähnlich. Kann auch mit den Hunden aus der Türkei verwandt sein (Karshund). Auch er wird zur Jagd wie als Nutztierschützer gebraucht.

    Den Sindh (Schulterhöhe zwischen 70 und 75 Zentimeter bei 45 bis 50 Kilo) trifft man in den Wüsten von Sindh und Rjasthan an, eher noch im Nara-Tal und im Distrikt Mirprurkhasm. Diese alte Art sieht der Deutschen Dogge ähnlich. Sie werden als Wach- wie auch als Jagdhunde auf Wildschweine benutzt. Das Fell ist kurz, aber dicht, die vorwiegenden Farben sind weiss, hellbraun und weiss mit hellbraunen Flecken.

    Der Rampur ist mausgrau, hat helle Augen und sieht nicht besonders elegant aus. Brust tief, Körper aber schlank, Fang lang und schmal, deutlicher Stirnabsatz, schmale Ohren ähnlich denen eines Greyhounds. Der Hetzhund ist auch ähnlich gross wie dieser.

    Der Tripuri aus der Gegend von Assam ist äusserlich ein Spitz-Typ, wie der Finnische Spitz. Schulterhöhe zwischen 30 und knapp 40 Zentimeter. Der Fang sieht wie der eines Fuchses aus. Die Farben: schwarz, braun, weiss und weiss-gefleckt. Der Hund ist ein hervorragender Jäger, der Wildschweine und Hirsche aufspürt.

    Sodann gibt es natürlich viele Jagd- und Hüte- und Wachhund-Schläge, je nach Gegend, Aufgabenstellung und Klima. Ihre Bezeichnungen: Vaghari, Banjora, Mudhol, Dhangari, Kaikadi, Shenkottah, Kombai, Rajapalayam, Poligar, Chippparai, Alangu, Alunk, Patti.

    Zur Charakterisierung eines der interessantesten Hunde vom "Dach der Welt", dem Do-Khyi, sei auf die erste Hundegeschichte in drei Teilen hingewiesen über den weltreisenden Patiala aus den 30er Jahren und auf die Homepage www.do.khyi-club.ch.

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    ©Rainer Brinks 2001

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