• Die Supernasen

    Wissenschaftler wissen seit langem, dass der tierische Urin ein ganz besonders informativer Saft ist, der einiges über seinen Verursacher erzählt. Wie genau dieser Prozess funktioniert, lag bislang allerdings größtenteils im Dunkeln.

    Doch Trese Leinders-Zufall von der University of Maryland in Baltimore und Kollegen ist es nun gelungen, dieses mitunter stechend riechende Geheimnis zu lösen. Wie das Forscherteam im Fachmagazin "Science" schreibt, finden sich im Urin (und in anderen Körperflüssigkeiten) der Tiere winzige Proteine aus deren Immunsystem - wichtige Informationen, die bei der Auswahl des geliebten Partners helfen, Inzucht verhindern und das Einnisten von Embryos unterstützen können.

    Offensichtlich stimulieren die Proteine, wie die Wissenschaftler in Experimenten mit Mäusen herausfanden, Nervenzellen tief in der Nase. Dieses sogenannte vomeronasale Organ ist für die Steuerung der Fortpflanzung und des sozialen Verhaltens verantwortlich. Die dortigen Sensoren sind so sensibel, dass sie sogar die Duftstoffe des fremden Immunsystems entdecken können, die Auskunft über Geschlecht, Rang in der Hierarchie und sozialen Status geben. Da die Immunsystem-Proteine eines jeden Tieres oder Menschen genauso einzigartig sind wie ein Fingerabdruck, lässt sich ein Individuum allein über die Nase identifizieren.

    Foto: Science 07.05

    Doch die Moleküle sind mehr als ein einfaches, wenngleich unsichtbares Namensschild. Sie verraten auch, wie es um das Immunsystem des Verursachers bestellt ist. Dadurch gewinnen die Schnüffler einen Eindruck, wie fit ihr Gegenüber ist. Und das ist wichtig, weil viele Tiere einen möglichen Partner anhand dessen Gesundheit und der Übereinstimmung der beiden Immunsysteme auswählen.

    Auch Menschen verfügen über entsprechende Sensoren in der Nase - allerdings haben diese Organe im Laufe der Evolution ihre Arbeit eingestellt. Die Forschergruppe, an der auch Wissenschaftler der Universität Hohenheim und des Freiburger Max-Planck-Instituts für Immunbiologie beteiligt waren, vermutet dennoch, dass auch menschlicher Schweiß und Speichel Spuren aus dem Immunsystem enthält. Sollten solche Proteine tatsächlich existieren, hätten die Biologen auch schon eine neue Aufgabe: Die genaue Funktion der Moleküle müsste möglichst schnell entschlüsselt werden.

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    © Hundezeitung 09/2005 Abbildung:© Science 07.05