• Hundekot 3. und letzte Folge: Geruch und Dauer durch den Verdauungsapparat

    oder: Wie informativ es ist, was hinten herauskommt

    3. und letzte Folge: Geruch und Dauer durch den Verdauungsapparat

    Der Geruch von Hundekot ist für Hunde generell eine Informationsquelle (wer war da, genauer: was für ein Geschlecht hat er, was hat er erbeutet), aber auch ein intensiver Parasiten-Überträger, wenn ein anderer Hund am Kot riecht und damit Erreger von Viren und Infektionen aufnehmen kann. Doch in erster Linie ist das Riechen des Kots anderer Tiere wie Spurenlesen. Setzen fremde Hunde auf dem von einem anderen Hund besetzten Revier Kot ab, ist dies Eroberungs-Markieren, eine Herausforderung. Das Riechen am Kot anderer Lebwesen ist also vor allem eine vielseitige Informationsquelle für Tiere.

    Hier ist es wieder mal angemessen, auf die für Menschen unfassbare Leistung von Hundenasen hinzuweisen. Das Riechorgan eines normalnasigen Hundes umfasst, um ein Indiz dazu abzuleiten, durchschnittlich 300 Millionen Riechzellen gegenüber lediglich 5 beim Menschen. Insofern zieht ein Hund vielfach mehr Informationen aus seinem Superorgan, als Menschen sich das vorstellen können. Man spricht dabei gern vom Zeitungsstudium für Hunde, wenn sie auf dem Spaziergang die Düfte der Exkremente anderer „lesen„. In manchen Auslaufzonen ist es dann sicherlich die dicke Wochenend-Ausgabe einer überregionalen Zeitung.

    Der Geruch hängt in erster Linie von der Futterart (frisches oder dehydriertes etc.) ab, und dann von der Verweildauer im Verdauungstrakt samt sogenannter Fehlgärungen. Und vom Wassergehalt. Nach proteinreicher (eiweissreicher) Fütterung setzt der Hund bei langsamer Durchlaufzeit mit nur im Dünndarm teils verdauten Teilen der Nahrung einen faulig riechenden Kot ab. Ist weniger Wasser im Futter enthalten, ist der Geruch weniger stark.

    Die Aufenthaltsdauer der Nahrung im Verdauungstrakt kann nur geschätzt werden, sie hängt auch stark von der psychischen Verfassung ab und vom Alter des Hundes. Als Richtwert kann man mit der Ausscheidung - der unverdauten Nahrungsteile - zwischen zwölf und 30 Stunden rechnen. Sie ist je nach Nahrung und Verfassung aber erst nach 40 bis 60 Stunden abgeschlossen.

    Art, Verdaulichkeit, Häufigkeit des Fütterns und psychische Einwirkungen auf den Hund beeinflussen diesen Rhythmus erheblich. Stress, also etwa Druck vor dem Alleinlassen des Hundes oder Aggressivität beim hektischen Gassigehen etc., fördert entweder den Absatz ins Dünnflüssige durch Nervosität oder hemmt ihn, was eine Verstopfung (Obstipation) zur Folge haben kann.

    Durch Zugabe kleiner Mengen unverdaulicher Stoffe kann ebenso wie hoher Rohaschegehalt den Aufenthalt im Darm beschleunigen, durch zu grosse Mengen aber den Kotabsatz erschweren.

    Häufere Fütterung pro Tag beschleunigt ebenfalls. Ausschliessliche Fütterung hochverdaulichen Fleisches etwa verzögert jedoch die Passage durch den Verdauungstrakt. Körperliche Beanspruchungen kurz nach der Fütterung verzögern die Verweildauer, nach zwei Stunden aber sorgt eine Bewegung für schnelleren Absatz des Kots.

    Welpen koten häufiger als alte Hunde, weil vor allem die Impulsivität samt dem noch wachsenden kürzeren Darm viel höher ist und auch die Portionierung der Nahrung. Bei alten Hunden lässt die Leistung der Verdauungsapparate nach. Daher ist für alte Hunde für leichter verdauliche Nahrung zu sorgen.

    Die Verdaulichkeit nach Meyer „Ernährung des Hundes„: Eiweisse: Frischfleisch 98 %, Pansen 93 %, Sehnen, Knorpel 90-95 Prozent, Knochen 33-46 %, Eiklar roh 50-70 %, Kohl 63 %. Fette: Rinderfett 84-99 %, Olivenöl 98 %. Stärken: Mais roh 94-99 %, Mais aufgeschlossen 98 %, Hafer roh 94 %, Hafer gekocht 96 %, Reis gekocht 98 %, Kartoffel roh 0-20 Prozent, Kartoffel gekocht 95 %, Brot 74-79 %.

    Vorurteil der Bauern gegen Hundekot

    Es stand schon mal in der hundezeitung, aber hier wiederholen wir es noch mal, weil das Vorurteil der Landwirte gegen eine vermeintliche Tötung von Kälbern durch Hundekot offensichtlich hartnäckig ist:

    Es ist nicht nachweisbar, dass für Rinderaborte durch den Erreger Neospora caninum der Hund verantwortlich zu machen ist. Hundekot auf landwirtschaftlichen Flächen ist freilich unhygienisch. Allerdings ist der Kot des eigenen Hofhundes als Infektionsquelle für Rinder erheblich riskanter als die Hinterlassenschaften eines spazieren geführten Stadthundes, wie die Bundestierärztekammer und das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Grundlage neuer Forschungsergebnisse betonen.

    Ursache des Vorurteils waren emotionale Kampagnen der Landesbauernverbände gegen Hundekot auf Weiden und Futterflächen, mit Hundekot verunreinigtes Futter lösten Krankheit und Aborte bei Kühen aus. Hunde, die mit dem Einzeller Neospora caninum infiziert sind, scheiden ansteckende Stadien des Erregers mit dem Kot aus. Mit Hundekot verunreinigtes Futter ist deshalb eine mögliche Infektionsquelle für Rinder, bei denen Neospora Aborte verursachen kann. Aktuelle Studien haben allerdings eine Reihe von Indizien ergeben, die den Hund entlasten.

    Auszug aus vet-magazin:

    Die Ausscheidung des Erregers lässt sich nur selten bei Hunden nachweisen. In 11 586 Kotproben, die von März 2001 bis Februar 2004 in zwei veterinärmedizinischen Labors untersucht wurden, konnten nur fünfmal die infektiösen Stadien von Neospora gefunden werden.

    Epidemiologische Untersuchungen von Rinderherden in Rheinland-Pfalz ergaben als wichtigsten Risikofaktor für Neospora bedingte Aborte die Haltung von Hunden in dem betroffenen Betrieb selbst. Mit Abstand und weniger sicher statistisch zu belegen folgten - in dieser Reihenfolge: mittlere regionale Temperatur im Juli, allgemeine Hundedichte in der Region und Größe der Rinderherde.

    Vor allem die den Bauernhöfen eigenen Hofhunde können erregerhaltiges Material aufnehmen wie abortierte Kälber und Nachgeburten und sich zunächst selbst infizieren. In der Folge scheiden sie mit dem Kot einige Tage lang ansteckende Stadien von Neospora aus und werden so wiederum zur Infektionsquelle für Rinder. "Stadthunde" dürften dagegen seltener Zugang zu erregerhaltigem Material haben. Hunde, die ausschließlich mit kommerziellem Fertigfutter ernährt werden, stellen kaum ein Risiko dar. Je weniger sie sich selbst infizieren können, umso weniger kommen sie auch als Infektionsquelle für Rinder in Frage.

    Generell ist die vertikale Übertragung von der Kuh auf das ungeborene Kalb zahlenmäßig und wirtschaftlich als wesentlich bedeutender anzunehmen, als eine Infektion durch die Aufnahme von infektiösen Stadien aus Hundekot.

    Aus hygienischen und ästhetischen Gründen gehört Hundekot nicht in Lebensmittel und ebenso wenig in Futter für Lebensmittel liefernde Tiere. Anbauflächen von Obst und Gemüse sowie Weiden und für Heu oder Grünfutter genutzte Wiesen sollten also von Hundekot frei gehalten werden.

    Es gibt landesrechtliche Bestimmungen, die das Betreten und Verunreinigen von landwirtschaftlich genutzten Flächen ausdrücklich verbieten.

    Weitere Informationen über Neospora caninum: http://www.fli.bund.de/uploads/media/RIBEW_HUND_050726.pdf

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    © Hundezeitung 08/2006