• Hundekot 1. Folge

    oder: Wie informativ es ist, was hinten herauskommt

    Der „Haufen“ ist das ausgeschiedene Endprodukt einer Nahrungs-Verwertung, die funktioniert oder nicht. Es ist für Hundehalter das erste sicht- und riechbare Kennzeichen, wenn man die Befindlichkeit eines Hundes oder gar einen Krankheitsverlauf beurteilen soll.

    Nicht ohne Grund verlangen Tiermediziner für eine generelle Untersuchung der Befindlichkeit oder eine gezielte bei Verdacht auf Befund nach einer Kotprobe. Daraus können die Fachleute mit Hilfsmitteln immer noch viel erkennen, aber beileibe nicht alles. Die diagnostischen Methoden jenseits der Kotanalyse haben sich verfeinert. Denn es muss nicht sicht- oder gar ruchbar sein, was drin ist und krank macht. Kot bleibt aber für die meisten Hundehalter eine wichtige, weil erste Information nicht nur für Krankheiten.

    Jeder kennt ihn. Er hat viele Namen. Und doch wissen die wenigsten, leider auch Hundehalte so wenig über das Thema, das täglich mehr oder weniger sichtbar, meist ruchbar entgegenströmt. Obwohl wir von unserem eigenen Verdauungsprozess und seiner Lebenswichtigkeit wissen, stossen wir uns dran. Es sind moralische Vorurteile. Nur bei den eigenen Kleinkindern (und Hunden oder anderen tierlichen Hausgenossen) nicht, da sorgen wir uns auch über eines der wichtigsten Lebensvorgänge: die Verdauung.

    Die Moral lassen wir mal beiseite liegen und kümmern uns um das, was reinkommt, verarbeitet wird und wie es in welcher Form herauskommt.

    Durch tägliche Beobachtung kann man am Kot bekannter Hunde erkennen, ob sich Veränderungen ergeben haben. So kann man dann auch schnell reagieren, wenn über mehr als einen Tag hinweg drastische Veränderungen bleiben. Der Kotabsatz ist einer der ersten Anzeichen für eventuelle Krankheiten oder innere Verletzungen. Würmer freilich sind dort mit blossem Auge nur bei fortgeschrittenem Befall zu erkennen. Da hilft nur eine Kotanalyse, denn meist befinden sich die Wurmeier nicht an der Oberfläche des Kots - und schon gar nicht sichtbar.

    Bei meinem elfeinhalb Jahre alten Rüden etwa musste ich eines Tages entdecken, dass er Probleme mit dem Absetzen von Kot hatte. Von einem Tag auf den anderen (ich sehe mir jeden Tag den Kot meiner Hunde an) war er zuerst leicht, dann stark blutig und dünn, aber noch kein Dünnpfiff. Ich wartete ab, mitunter haben Hunde was Schlechtes gefressen, was sie dann ausscheiden, danach erholt sich der Enddarm und das After wieder. Oder eine Verletzung, die wieder heilt. Aber bei ihm mit seinem Alter (für seinen Leonberger-Anteil steinalt, für seinen Terrieranteil gerade mal alt) musste ich auch dran denken, dass seine Organe ihre Funktion einstellen. Sein Kot wurde jedoch blutiger und er hatte nach dem ersten Absetzen den Drang, weiter abzusetzen.

    Nach zwei Tagen wurde es nicht besser. Ich rief den siebenbürgischen Tierarzt an (in Ungarn kommen die Veterinäre auf die Bauernhöfe) und er kam, liess sich beschreiben, untersuchte Howdys Augen und spritzte ihm erst einmal einen Vitamin-B-Komplex und dann ein Antibiotikum.

    Die ersten Tage danach wurde es überhaupt nicht besser; schon dachte ich daran, die Tierklinik in Kecskemét erstmals aufsuchen zu müssen, aber dann besserte sich sein Zustand doch. Er schien nach dem Koten überglücklich zu sein. Aber dieser Drang, nach dem ersten Absetzen war immer noch stark, als ob er endlich was Störendes ausscheiden wollte, dies aber nicht klappte.

    Nach etlichen Tagen verlor sich die blutige Spur im Kot, ohne, dass der Drang nachgelassen hätte oder der Kot fest geworden wäre. Das geschah aber in der zweiten Woche. Keine Spur blutig mehr und dann die erste lange feste Wurst.

    Er und ich waren glücklich. Auch die Tage danach kein Rückfall mehr. Es war ausgestanden. Das zeigte mir wieder einmal, wie wichtig der erste Augenschein des Kots und die folgenden Beobachtungen sind und auch die Geduld beim Heilungsprozess.

    Bei Welpen jedoch oder bei tragenden Hündinnen ist bei anhaltendem Dünnpfiff muss sofort ge- und behandelt werden, weil die Tiere sonst ohne Behandlung schnell austrocknen.

    Dünnpfiff hat verschiedene Ursachen. Neben Stoffwechselkrankheiten, Infektionen, bakteriellen Verschmutzungen auch die der Stressnachwirkung. Alltägliches Beispiel oft bei Hunden, die von terminlich gebundenen Hundehaltern, die in der Stadt gehalten werden, zu sehen ist: Wieder mal zu spät aufgestanden, Stress schon beim Fressenmachen für den Hund, und wenn es nicht das Fressen ist, sieht der Hund sofort, dass Druck und Stress am Morgen dräuen und grauen. Er verdrückt sich, schiebt die Schuld als biologischer Eigennutzer auf sich. Dabei muss der Hund unter Druck sein Geschäft dort erledigen, wo er gar nicht will - hätte er denn die Möglichkeit dazu, sich auch hier so zu verdrücken wie bei Nicht-Stadthunden. Die suchen sich eine möglichst weit vom eigenen Revier entfernte Stelle, oder die Ecke eines eingegrenzten Reviers. Niemals beschmutzt ein gesunder Hund sein Lager! Nur wir Menschen sind diese Nestbeschmutzer, neben wenigen anderen Tieren wie Eichelhäher.

    Auch Schulkinder geraten so in schlechte Konditionierung fürs Lernen. Kennen Sie nicht auch die Prüfungsangst, die zu Durchfall führen kann? Durchgefallen. Das ist nur eine dann durch Stress hervorgerufene Verdünnung. Die Magensäure reagiert, weil sie stark gereizt wurde.

    Diarrhö(e) ist etwas anderes, und nicht zu unterschätzen. Es ist der medizinische Fachbegriff für Durchfallerkrankung: „nach mehr als dreimaligem Absetzen zu unzureichend eingedickten Stuhles in vermehrter Menge, eventuell mit Schleim“. Eiter- und Blutbeimengungen in schweren Fällen mit folgendem Körperwassermangel (Austrocknung, also Dehydration) unter anderem mit Elektrolytverlusten sowie mit toxischen Allgemeinerscheinungen.

    Da muss sofort reagiert werden für die Patienten: für einen Tag die übliche Nahrung absetzen, Verdauungstrakt zur Ruhe kommen lassen. Dann mit häufigen, dafür wenigen Happen wieder aufbauen. Trinken ist wichtig. Notfalls mit einer Kanüle Tee, oder sodafreies Mineralwasser in den Rachen spritzen. Bei Verstopfung (Obstipation) soll Quark, Joghurt, saure Milch, Buttermilch, Kefir und andere flüssige Nahrung oder/und Kartoffelbrei oder qualitativ hochwertiger Reis diätetisch helfen. Natürlich nur mit Absprache des behandelnden Tierarztes. Bei akutem Durchfall muss der Patient, vor allem ein Welpe, sofort zum Tierarzt!

    Was jedoch ist Kot überhaupt? „Nur“ das ist hier das Thema. Kot, Trümmerl, Losung (Fachjargon bei Wild), Gewölle (Fachjargon bei Vögeln), Fäzes, Fäkalien, Häufchen, Kacke, Scheisse sind mehr oder weniger populäre Begriffe für die im Verdauungskanal nicht restlos abgebauten Teile der Nahrung, die über den Enddarm (After) ausgeschieden werden.

    In zwei weiteren Folgen wird über die Zusammensetzung und Häufigkeit, Konsistenz (Form), Farbe, Geruch und berichtet.

    Nächste Folge: Zusammensetzung

    © Hundezeitung 11/2005