Wie entstehen "Rassen"? Durch Anwendung von Genetik: Ein Teilgebiet der Biologie (Erblehre), das sich mit dem Vererbungsvermögen und den unterschiedlichen Erscheinungsformen der Lebewesen befasst. Der Genotypus ist durch die Erbanlage bedingt, nicht durch die Umwelt. Der Evolutionsgenetiker John Maynard Smith: "Sexualität führt zu einer grösseren Anzahl verschiedener Genotypen, die insgesamt an eine grössere Vielfalt ökologischer Bedingungen angepasst sind."
Der Phänotypus (das Erscheinungsbild) jedes Lebewesens wird jedoch durch Umwelteinflüsse (zum Beispiel Hautfarbe oder Anpassung an geologische Bedingungen wie Grösse und Wendigkeit oder Nahrungsaufkommen) und durch Gene (Erbfaktoren) geregelt. Nur die Gene werden als vererbbare Informationen weitergegeben. Sie sind in Körperzellen als Erbmoleküle (DNA). Alle genetischen Informationen innerhalb eines Organismus werden als Genotyp bezeichnet. Diese vielen Informationen (beim Menschen rund 100 000) werden in Gruppen (Chromosomen) aufgeteilt. Es kann vorkommen, dass sich der Inhalt eines Gens sprunghaft ändert (Mutation) und dadurch neue Informationen erhält. Beim Hund ändert sich dadurch zum Beispiel die Fellfarbe. Nach unendlich vielen Kreuzungsversuchen entdeckte 1865 der Augustinermönch Gregor Mendel die grundlegenden Gesetze der Vererbung. Gene und Chromosomen waren dem Forscher bis dahin nicht bekannt. Mit diesen Mendelschen Gesetzen gelang es, aus wenigen Arten (wie zum Beispiel dem Wolf) viele Varietäten (Hunderassen) zu züchten. Wie wir inzwischen wissen, nicht immer zum Vorteil des Hundes.
Die Vielfalt unter Haushunden hat einen hohen, wenn auch gesundheitlich fragwürdigen Zucht-Standard (Miniaturisierung und Gigantismus) erreicht: Der Grössenunterschied von den kleinsten zu den grössten Typen erreicht das Siebenfache (von 14 Zentimeter bis einen Meter Schulterhöhe), beim Körpergewicht gar das 220fache (500 Gramm bis weit über 100 Kilo).
Viele Hundefachleute reden von Genetik. Unbestritten ist bei allen, dass die Vererbung zu den Veranlagungen beiträgt. Aber lange nicht so viel, wie das manche Hundezüchter und -ausbilder Glauben machen, die teilweise von einem 50-zu-50-Verhältnis in den Anteilen Vererbung und Erziehung ausgehen (wie der Ausbilder Urs Ochsenbein in seinem Buch "Der neue Weg der Hundeausbildung"). Sie fallen damit auf die eigene Annahme rein, wenn der Hund ihrer Meinung nach nichts "taugt" (meist eine falsche Verwendung für fehlgeleitete Talente des Hundausbilders oder - halters), oder wenn er ein so genannter "Superhund" oder "Kracher" ist. Die Anteile verrutschen dann allzu gerne auf Kosten des Hundes. Ist der Hund super, lobt sich der Halter und Ausbilder, macht er Fehler, ist der Hund schuld. Ein gewisser T. Verhoeven ironisierte: "Man glaubt hauptsächlich an Vererbung, wenn man selbst intelligente Kinder hat."
Der Genetiker und Tierarzt Prof. Dr. Wilhelm Wegner schätzt das wahre Verhältnis von Veranlagung durch Vererbung und Erziehbarkeit nur auf 25 zu 75 Prozent. Das ist natürlich eine pauschale Relation. Mit einem Verhältnis von 30 zu 70 kann man guten Wissens rechnen. Der Einfluss der Erziehung von Geburt des Welpens an ist also wesentlich grösser als seine vererbte Veranlagung. Ebenso ausgeglichen ist übrigens der Einfluss, welches elterliche Geschlecht den dominanteren Anteil vererbt. Von "Gen-Manipulation" spricht in diesen Tagen jeder. Leider nur bei Lebensmitteln. Manche Hundezüchter glauben immer noch, dass aus ihren Championeltern automatisch lauter kleine Championwelpen auf die Welt kommen. Ein Irrtum, der sich aber gut verkaufen lässt. Pferdezüchter wissen dies nur zu gut. Aus der früheren Wunderstute Halla kam kein einziges Fohlen, dass auch nur annähernd die Leistungen der berühmten Mutter erreicht hätte.
Auf keinem Tiergebiet gibt es jedoch solch ein unwissenschaftliches Varietäten-Splitting in Rassen wie bei den Rassehundlern, und dann noch von Verband zu Verband unterschiedlich beurteilt. Es sind oft nur nach Urkunden heischende Menschen oder nationaler Stolz, die Rassen entstehen lassen, wo keine biologischen Unterschiede sind. Absurd ist das Beispiel bei einigen weissen Herdenschutzhunden nationaler Anerkennung. Ich alter Zyniker würde mal gerne einen Cuvac in einen Podhalanski- oder Maremmane-Ausstellungsring (oder umgekehrt) schmuggeln. Fachleute grinsen jetzt: Sie wissen, dass dies unter den Rasserichtern eine hundsföttische Verwirrung stiften würde. Die Hunde sehen nämlich alle gleich aus, weil sie selben Ursprungs sind. Die so genannten Unterschiede stehen nur auf dem Rassestandard-Papier.
Ich folge nicht der mitunter unkynologischen und aus nationalen Interessen entstandenen FCI-Kategorisierung, sondern einer biologischen. Die in sich sehr unlogische Ordnung der FCI ist für mich kein Massstab. Zu viele unbegründbare Eigenheiten ziehen sich durch den wuchernden Rassensalat von immer mehr aufgenommenen Rassen, derzeit wohl um die 370. Die Auflistung dieser Fehler würde zu viel Platz in Anspruch nehmen. Nur so viel: Meist sind es - zoologisch gesehen - nur Farbschläge innerhalb einer Varietät und keine "Rassen": zum Beispiel unter den Deutschen Doggen oder den Retrievern. Diese Schläge werden zu eigenständigen "Rassen" erklärt, um den vielen Züchtern viele Pokale zukommen zu lassen. Einen anderen Grund gibt es nicht.
Dass dieses multiple System in sich noch unlogisch ist, macht die FCI-Ordnung nicht besser. Ausserdem werden nur Rassen von der FCI "anerkannt" (welche gottähnliche Institution vergibt eigentlich "Anerkennung" von Lebewesen?), die zum Verband gehören. Andere ignoriert man - mitunter wirklich uralte Rassen. Zudem gehören der FCI nur einige westeuropäische Rassehundeverbände an, keine amerikanischen, keine britischen, fast keine osteuropäischen. Von anderen, falls es sie überhaupt gibt, gar nicht zu schreiben.
Wie immer sind solche Einordnungen fragwürdig, weil sich die Biologie nicht in Schubladen stecken lässt.
Im Anerkennungshandel vorhandener oder gewünschter Rassen hat nun der United Kennel Club den Amerikanisch-Canadischen (AC) Weissen Schäferhund anerkannt, die FCI aber (noch) nicht. Da steht der mächtigste Rasseverein, der für den Deutschen Schäferhund (SV), vor. Obwohl der erste reinrassige Deutsche Schäferhund ein weisser war, haben ihn die Vereinsoberen dann als Fehlfarbe "ausgewiesen". Dafür nimmt die FCI ein weiteres lächerliches Kapitel an wunderbarer Rassenvermehrung auf: Neben dem Akita Inu (Nr. 255, Gruppe 5) den - man staune - "Grossen Japanischen Hund", aber in einer anderen Gruppe (Nr. 344, Gruppe 2). Das ist nichts anderes als der frühere Amerikanische Akita, der - wie meist bei den Amerikanern, zum Beispiel auch beim Grosspudel - grösser sein sollte als das japanische Original. Dafür streiten sich nun andere nationale Verbände nach der Auflösung der Sowjetunion um die Zuordnung des Südrussischen Owtscharka.
Ähnlich unzoologisch geht es bei Farb- und Fellvarietäten zu. Sie werden zu Rassen erhoben. Der Grund ist wieder ein leistungs- und anerkennungsnotorischer: Es gibt mehr Urkunden für mehr Rassen. Ein Bolonka Zwetna ist zum Beispiel nichts anderes als ein andersfarbiger Bologneser (der nur weiss sein darf). Evolutionsbiologie paradox. Allein in der jährlich erscheinenden VDH-Welpen-Registrierungs-Statistik kommen diese unlogischen Rassebezeichnungen vor: Einerseits werden unter "Teckeln" ("Dackel" für Nicht-Jäger) alle Grössen- und Fellvarietäten zusammengefasst: Zwerg- wie Normalgrösse, Rauhhaar, Kurzhaar und Langhaar), bei den Retrievern jedoch säuberlich getrennt in Golden, Labrador und was-weiss-ich-noch - nur zwei Beispiele unter vielen. Davon abgesehen, dass der eine Verband Rassen des anderen nicht anerkennt und umgekehrt.
Auch einen Gedanken wert: Die englischsprachige Hundewelt kennt nicht die Übersetzung für Rasse "race", sondern "breed" (Zucht). Eine logische Bezeichnung. Mischlinge sind deshalb nicht Un-Zucht. Das tun andere.
Ich teile die Gruppen nach Körperbau und ursprünglicher Aufgabenselektion und -prägung ein, führe bei den einzelnen Gruppen nur grundsätzliche Eigenschaften wie Temperamente, aufgabengeprägte Veranlagungen und Körperbau an. Die einzelnen Typen (Rassen) sind daher nicht zwangsläufig dieselben, die in Verbänden Aufnahme finden. Manche bodenständige Typen finden dort keine Erwähnung, als ob sie nicht existierten.
Die meisten Typen passen durch ihre Vielseitigkeit in mehrere Gruppen. Bei den ersten beiden Gruppen und der vierten geraten auch Kynologen immer wieder durcheinander.
Eine biologische, nach Arbeitsprägung geordnete Entwirrung gerade beim "Rassensalat" der Schäfer-, Hirten-, Hüte-, Treib- und Herdenschutzhunde nahm der Landwirt, Schafzüchter, Tierarzt und emeritierte Professor am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik an der Uni Gießen, Dr. Karl-Hermann Finger, in seinem Buch "Hirten- und Hütehunde" vor, die ich übernehme: "Oberbegriff Herdengebrauchshunde, zum Schutz gegen Beutegreifer und Diebe Herdenschutzhunde (engl.: livestock guard oder protection dogs). Ihr Platz ist auf der Weide, meistens ohne Aufsicht, und bei der Marschbewegung innerhalb und an allen Seiten der Herde. Auf Fusstransport und Grosstier-Weideauf- und -abtrieb spezialisierte Treibhunde (cattle dogs) arbeiten hinter und an den Seiten der Herde, gelegentlich auch zwischen den Tieren. Für beengte Verhältnisse auf Feld- und Weidewegen entwickelte man Hüte- bzw. Schäferhunde (shepherd dogs). Sie arbeiten in der Strassenmitte dicht neben der Herdenseite, gehen aber nie in die Herde. Für die Arbeit an Kleingruppen oder Einzeltieren an weitläufigen Weiden oder in Koppeln und Schafhöfen entstand der britische Schaf- bzw. Koppelgebrauchshund (sheepdog). Er agiert auf Distanz, auf in der Herde." Das sollte exakt sein.
Warum die skandinavischen und nordasiatischen Bauernhunde (Hüte- und Jagdhunde) in einer klimatisch eigenen Gruppe gehandelt werden, erschliesst sich mir ebenfalls nicht. Ich zähle sie zur vierten Gruppe. Nur die Schlittenhunde laufen hier extra, weil sie sich heute von der ursprünglichen Vielfalt zu reinen Freizeit- oder Profisporthunden entwickeln mussten. Auch hier gibt es die - fast schon beruhigende Ausnahme - von kynologischer Ordnungswut: Der japanische Akita Inu eignet sich neben Zugarbeiten (Antarktisforschung) auch zu Wach- und Schutzaufgaben, weil er unter den alten Samurai auch als Kriegshund diente.
Die meisten Arbeitshunde - vor allem Hetzhunde - wurden arbeitslos, fungieren "nur noch" als Sozialpartner. Dennoch bleiben viele ihrer typischen Eigenschaften erhalten, die mehr oder minder erfolgreich mit Ersatzaufgaben gelöst werden Die übliche Einordnung nur in "Gebrauchshunde" ist inhaltsleer, die nutzloseste ist die des "Begleithundes". Klingt wie: Die können sonst nichts. Jeder Hund ist zu gebrauchen oder begleitet. Fragt sich nur: wie und zu was?
Geradezu komisch ist der neu eingeführte Begriff einer Hundeautorin: "Lagerhund". Ist das die typische Beschreibung einer Eigenschaft, wenn ein Hund sich mal eben "ablagert"? Lagern sie eigentlich nur? Oder meint sie damit Straflagerhunde? Oder lagerte man diese Hunde aus? Nein, sie meint Hunde, die früher ums Zelt oder Haus lagern. Lagerten oder lagern nicht zeitweise alle Haushunde?
Hundetypen wurden logischerweise meist nach ihren Abstammungsländern benannt. Einige wenige nach ihren Züchtern, wie Dobermann. Die doggenähnlichen, grossen Schutz- und Wachhunde um Epirus im alten Griechenland nannte man nach einem ihrer Hauptstämme - wie die Molosser. Zoologisch korrekt dürften sich nur die beschriebenen neun Typen als Rasse bezeichnen: geordnet nach Physis und Aufgabenspezifikation. Alle anderen sind nationale, farbliche, grössenvariable und fellstrukturierte Varietäten.
Entscheidend für diese biologische Ordnung sind ursprünglich aufgaben-geprägte Eigenschaften und ihre daraus resultierenden psychischen und physischen Anforderungen. Doch diese Ordnung ist heute aufgehoben, weil es auch unter den Hunden Arbeitslose gibt. Die Ordnung ist natürlich übergreifend, denn Hunde "korrigieren" sie durch Vielseitigkeit dank variabler Abstammung und durch Talente, besonders die der vierten Gruppe. Nur Mischlinge haben keine Ordnungslobby.
1. Herdenschutzhunde:
Diese extrem wachsamen und schützenden mächtigen Spezialisten werden als Hirtenhunde falsch eingeordnet. Zutreffender wäre "Territoriums-Wach- und Schutzhunde", weil sie nicht nur Herden bewachen, sondern alles, worauf sie bereits als Welpe geprägt wurden und fort an als ihr Territorium ansehen. Ein Herdenschutzhund ähnelt im Charakter viel mehr einer Katze als ein Schäfer- oder Hirtenhund. Es sind keine Hunde für jene, die leichtführige und soldatische Hunde bevorzugen, schon gar nicht für Schutzhundler. Druck und ständige Unterordnung ist Gift für die im Schutztrieb kompromisslos handelnden Hunde. Diese Hunde müssen, als Ersatz für ihre ursprüngliche Aufgabe, um so stärker auf Menschen sozialisiert werden. Ihr Bewegungsbedarf ist mindestens durchschnittlich, reine Wohnungshaltung tabu. Zu dieser Hundegruppe zählen rund 20 grosse bis sehr grosse Typen (Rüden mindestens 65 bis fast 90 Zentimeter Schulterhöhe, mindestens 40 bis über 70 Kilo). Zu den bekanntesten, meist weissen Typen zählt der Kuvasz, der Pyrenäenberghund (oft mehr als 70 Kilo), dessen Verwandter Mastin de los Pirineos; noch schwerer wird der molosside Mastín Español. Weitere: der pflegeträchtige, daher nur draussen zu haltende zotthaarige Komondor, der westtürkische Akbash (kurz-, mittel- und langhaarig), die nationalen Varietäten des Kuvasz wie Podhalanski, Cuvac und Maremmano-Abruzzese; in Nordgriechenland gibt es den Hellenikos Pimenikos. In Mittelrussland bis in den Kaukasus die weissgescheckten bis wolfsfarbenen Owtscharka-Varietäten, die ähnlichen, aber etwas kleineren Sarplaninac und Carpatin aus Jugoslawien und Rumänien, der ebenfalls verwandte nordosttürkische Karshund und aus dem Iberischen den Alentejo und Estrela. Der osttürkische Sivas-Kangal und tibetische Do-Khyi ("Anbindehund", kuriose Einordnungsversuche in -Mastiff oder - Dogge) übernehmen ebenfalls diese Aufgaben.
2. Berg-, Hof- und Grosse Sennhunde:
Diese Gruppe ähnelt im Körperbau der ersten, ihre Aufgaben bezogen sich zunächst auch auf den tierischen, später oft nur noch auf den menschlichen und höfischen Bereich. Ihre Eigenschaften sind aber weniger extrem. Sie stammen von der historischen Gruppe der Haus- und Hof-Wachhunde ab. Dazu zählen meist sehr grosse Hunde (60 bis 80 Zentimeter, 40 bis über 80 Kilo beim Bernhardiner), die einen starken Körperbau besitzen, schwerfällig sind, also keine Bewegungs-Notoriker. Auch sie brauchen Menschen- und Tierprägung. Ihr Wach- und Schutztrieb wie vor allem Familiensinn ist sehr ausgeprägt, im Gegenteil zum Jagdtrieb, der erfreulich unterentwickelt ist. Sie beanspruchen wegen ihrer Grösse viel Platz. Zu dieser Gruppe gehören: Hovawart (altdeutsch für Hofwart), Bernhardiner, Berner und Grosser Schweizer Sennenhund, Neufundländer, Landseer, Leonberger, Moskauer Wachhund (Owtscharka x Bernhardiner). Auch die Rekonstruktion einer Legende aus den Zeiten der Völkerwanderung: der Germanische Bärenhund.
4. Doggenartige, Bulldoggen (Molosser):
Diese Hunde sind vornehmlich haus- und hofgebundene Wachhunde, waren früher zum Teil Kriegshunde im Dienste ihrer (Feld)-Herrn, meist aber dazu gebraucht, Menschen wie Hab und Gut zu schützen. Manche wurden zum Bullenbeissen "gebraucht", später leider ein asozialer "Sport" geworden. Sie waren daher meist ausserordentlich kräftig (Boxer: 55 bis 63 Zentimeter und etwa 30 Kilo; alle anderen 50 bis fast 90, bei der Deutschen Dogge bis 90 Zentimeter, 70 bis 90 Kilo) und sahen abschreckend aus, was ihnen heute erhalten geblieben ist. Diese Gruppe hat mit der vorhergehenden viel gemein. Es sind sehr menschen-bezogene Veranlagungen, die sie zu präventiven Beschützern machen. Die grossen Molosser besitzen fast ausnahmslos, bis auf verantwortungslose Züchter, eine ungewöhnlich hohe, also sozialverträgliche Reizschwelle, sind aber wegen ihres Riesenwuchses sehr aufzucht-schwierig bis anfällig. In der Selektion nach Nervenstärke liegt die Verantwortung ihrer Züchter und Halter. Nichts für Hundeneulinge. Zu dieser Gruppe gehören: American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Bordeauxdogge, Dogo Argentino, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, die spanischen Mastiffs (Mastín Español und de los Pireneo - obwohl sie auch Herdenschutzhunde sind), Deutsche Dogge, Broholmer (die wirkliche dänische Dogge), alle anderen Doggen-Verwandten (ausser dem französischen Bully, der von Anfang an als "Begleithund" gezüchtet wurde), auch der Rottweiler kann wegen seines massiven Körperbaus hier zugeordnet werden, und der rare japanische Tosa Inu. Der Boxer ist jedoch der populärste deutsche Molosser.
4. Hüte- (Schäfer- bzw. Hirten-) und Treibhunde:
In dieser grossen Gruppe mittelgrosser (45 bis 70 Zentimeter, 25 bis 45 Kilo) Hunde finden sich die Vielseitigsten. Sie können fast alles: suchen, retten, bewachen, schützen - eben: hüten. Die Aufgaben tätiger Hütehunde sind, wie der Name sagt, auch menschengeprägt, sie arbeiten eng mit dem Menschen zusammen. Sie sind sehr aufmerksam und temperamentvoll. Diese arbeitsfreudigen Hunde brauchen Beschäftigung. Sie müssen leicht zu führen sein. Es sind bewegungsaktive und mittelgrosse Rassen. Ihr Temperament braucht Konsequenz. Für die Dienste des Menschen eignen sie sich am besten, weil sie nach Konstitution und Psyche ideal leichtführig sind (im Gegensatz zur ersten Gruppe). In dieser Gruppe sind die vielseitigsten Hunde versammelt. Mit "Schäferhund" meint man meist den deutschen, weil er die verbreitetste Rasse ist. Neben ihm gibt es schottische, britische, australische, amerikanische, französische, belgische, holländische und andere nationale Typen. Zu den bekanntesten zählen die Bouviers aus Flandern und aus den Ardennen und der Briard und Beauceron. Als reiner Schäferhund ist der Border Collie beliebt. Spezialisten schätzen die australischen und amerikanischen Akkordarbeiter Kelpie oder Cattle Dog. Sie sollten, wie auch der Arbeitstyp Altdeutscher Schäferhund, nicht als Wohnungs-Alleinhund gehalten werden, solche Hunde brauchen artgerechte Aufgaben. Meist entstanden die Schäferhundrassen aus der Bevorzugung entweder für kurzhaarige, rauh- oder langhaarige Typen, und dann trennten die Rassefunktionäre noch die Farben. Ihr Jagdtrieb ist umfunktioniert, aber durchaus vorhanden, weil sie vorzüglich als Diensthunde zum Schützen, Wachen und Suchen gebraucht werden. Zu diesen Arbeitstypen gehören der ähnliche Mittel- und Riesenschnauzer und Schwarze Russische Terrier, Airedale Terrier, kleine Pinscher und der grosse (Dobermann) sowie Appenzeller und Entlebucher Sennenhund. Spitze gehören auch in diese Gruppe, als exzellente Bauernhofwächter ohne Jagdtrieb. Der norwegische Buhund (Bauernhund) ist vielseitig. Die niederläufigen nordischen Hütehunde kommen in ihrer Art etwa den britischen Corgies gleich. Zu den reinen Hütehunden zählt auch der Tibet Terrier, obwohl er kein Terrier ist. Reine bodenständige Schäferhunde arbeiten in Osteuropa: der rumänische Mioritic und der kroatische Kraski Ovcar. Es sind die kleineren Ausgaben der Herdenschutzhunde Carpatin und Sarplaninac. Auch die Ungarn haben ihre Schäfer- oder Treibhunde: Mudi und Puli.
5. Schlittenhunde:
Bei den Schlittenhundrassen ist der Wach- und Schutztrieb so gut wie nicht vorhanden. Eine Ausnahme ist der Akita Inu, der auch Schutzaufgaben übernimmt. Der Bewegungsdrang der Schlittenhunde ist um so grösser, vielmehr: neben den Hetzhunden der grösste. Grösse und Gewicht variieren von 55 bis 65 Zentimeter und 20 bis 45 Kilo; der Akita wird etwas grösser und schwerer. Zu den von der FCI anerkannten vier Schlittenhunderassen zählen der Alaskan Malamute (der stärkste) der Grönlandhund, der Samojede und die schnellste Rasse, der Siberian Husky. Die professionellen Musher züchten eigene Hunde (Alaskan Huskies). Den Chow Chow zähle ich ebenso zu dieser Gruppe wie den Eurasier, weil sie aus dem nordischen Raum rekrutiert wurden und ähnliche Charakter- wie Körpereigenschaften haben. Solche Hunde müssen artgemäss beschäftigt werden. Der ursprüngliche Indianerhund, der starke Chinook, galt als seltenste Rasse der Welt, sie sind aber in Nordamerika wieder im "Kommen. Solche Hunde müssen artgemäss beschäftigt werden.
6. Hetzhunde:
"Wind" ist keine Arbeitsbezeichnung, aber Hetzen. Das Englische kennt folgerichtig nur "Sighthound", weil diese Hunde vornehmlich auf Sicht arbeiten. Was den Bewegungsdrang und die Wacheigenschaften angeht, sind diese, auf Sicht arbeitenden, meist sehr grossen Ex-Jägerhunde den Schlittenhunden sehr ähnlich. Nur dem Irischen Wolfhound kann wegen seiner wolfsähnlichen Riesenstatur eine äusserliche Schutzwirkung zugeschrieben werden. Die beispielhaft hohe Reizschwelle ist das eigentlich imponierende an der Rekonstruktion aus den Solo-Wolfskillern - vor grauer Zeit. Hetzhunde haben keine Aufgaben mehr, sind heute sanfte, anhängliche, umgängliche und stolze Begleiter. Wer diesen Hunden, selbst dem kleinsten Windspiel, keinen ausreichenden Auslauf (oder artgerechte Rennen) bieten kann, sollte auf einen Hetzhund verzichten. Die Typen: Irish Wolfhound, Barsoj und Deerhound (75 bis über 90 Zentimeter und 45 bis 70 Kilo), Afghane, Galgo, Saluki, Slughi, Azawak und Greyhound (zwischen 65 und 75 Zentimeter und 30 bis 40 Kilo) sowie Whippet und italienisches Windspiel (45 bis 55 Zentimeter und 15 bis 20 Kilo).
7. Grosse Jägerhunde:
Gemeint sind Hunde für Jäger, also ist die "Berufsbezeichnung" Jägerhunde korrekt. Diese schon körperlich edlen, mittelgrossen Typen (55 bis 65 Zentimeter und 30 bis 40 Kilo) gehören nur in Jägerhand, weil die Veranlagungen zur Jagd nicht verstädtert, also verdorben werden sollen. In kundiger und verständiger Hand haben diese Bracken und Pointer ein schönes, artgerechtes Leben. Meist sind dies mittelgrosse, sehr bewegungsaktive Hunde. Wenn zum Beispiel Setter in Wohnungen mit städtischer Umgebung gehalten werden, verkümmern sie oder drehen durch. Ihr Wach- und Schutztrieb ist unterschiedlich. Weimaraner, Griffons, Rhodesian Ridgeback oder die Deutschen Vorstehhunde sowie die beiden Münsterländer sind hart wie wachsam. Setter dagegen weicher (aber nicht bei der Arbeit), ähnlich die Apportierjagdhunde wie Retriever. Der Bloodhound (bis 60 Kilo) ist ein reiner Fährtenhund und sehr gelassen. Zu dieser Gruppe zähle ich auch Dalmatiner und Grosspudel; beide waren mal als Jagdhund beziehungsweise Apportierer tauglich. Zu den nordischen Jagdhunden wie dem Karelischen Bärenhund, Finnenspitz oder Elchhund ist hier zu erwähnen, dass sie für mitteleuropäische Jäger "zu" selbständig arbeiten und ebenfalls zum Ziehen gebraucht werden.
8. Kleine Jägerhunde:
Teckel und vor allem kleine Terrier (für "Erdarbeit") wie niederläufige Bracken (20 bis 40 Zentimeter und acht bis 15 Kilo) gehörten lange nur in Jägerhand. Als Begleithunde sind sie keck, Terrier jeder Sorte sollten beschäftigt sein. Ihr Temperament ist enorm. Bracken sind eher gelassene Spürer, wie auch Niederwildbracken, zu denen auch die gesunden französischen Bassets gehören. Die britische Basset Hounds sind wegen angezüchteten Schwerfälligkeit treppenuntaugliche Heimhunde. Nur die französischen Bassets taugen als Spürhunde. Ich schreibe hier nicht viel über diese Hunde, weil sie - wie auch die grossen - nicht in falsche Hände kommen, sondern in Jägerhand bleiben sollen. Ausnahmen dürfen die Regel bestätigen.
9. Kleinhunde:
Der oft unterschätzte "Rest" der Hundewelt, weil ohne besondere Aufgaben, meist als "Begleithunde" oder "Schosshunde" abgewertet. Grössere, wie Dalmatiner, Chow Chow und Eurasier, findet man korrekterweise in der zugehörigen Gruppe. Bei den Klein- und Kleinsthunden (20 bis 35 Zentimeter und ein bis 15 Kilo) sorgt meist Terrierblut für enormes Temperament. Der Tibet-Terrier trägt einen falschen Nachnamen, ist kein Terrier, sondern ein ehemaliger Hütehund, also ruhiger. Die kleineren Varietäten der Pudel sind als ehemalige Apportierhunde ebenso zu beschäftigen wie alle Spielarten von Spaniels, die gemäss ihrer Veranlagung gern stöbern, also jagen. Miniaturisierungen sind Spielarten (Toys). Oft mit Augenkrankheiten verbunden. Früher einmal tüchtige Rattenkiller, heute Modeplaisierchen. Nicht wenigen dieser Toys wurde der Nasenraum verkürzt, damit eine Verkindlichung erhalten bleibt. Ernstgenommen wurden nur jagdtaugliche Hunde wie Teckel oder kleine, wahrhaft bodenständige Terrier. Aus den nasentüchtigen, jagdtauglichen, weil normalgewachsenen französischen Bassets wurde per perverser Einkreuzung mit dem Bloodhound der englische Basset Hound. Bei den Klein- und Kleinsthunden versauten die Züchter am meisten. Sie dienen den Kunden als Spielzeug. Falsch als "Begleithunde" abgewertet, könnten sie mehr, wie man im Agility-Sport beobachten kann. Das beste an Kleinhunden ist, dass von ihnen wenig Gefahr ausgeht. Kleinhunde sind so ernst zu nehmen wie grosse.
"Sonstige"
Das Schönste an solchen Ordnungsversuchen ist, dass sich die Hunde nicht daran halten. Dennoch soll sie eine halbwegs biologische, weil arbeits- und aufgabengeprägte Orientierung geben. Mehr nicht. Da fehlen doch einige Rassen? Klar. Bei den Kleinhunden gehe ich ebenso wie bei den anderen nach dem früheren Arbeitsgebiet, doch das entfällt hier, es sei denn, frau nimmt den Bestimmungsbereich des Schosses dazu her. Andere hingegen waren tüchtige und mutige Rattenkiller oder Kleinwild-Jagdhelfer und haben heute oft noch mehr "Herz" als so mancher Hunderiese. Einige althergebrachte Gruppen wie die in Gebrauchshunde zählen aus bereits erwähnten Gründen nicht zu meiner Typologie, denn zu gebrauchen sind alle Hunde. Die Ungarn zählen zum Beispiel mit Recht auch ihren vergleichsweise kleinen Puli zu den Polizeihunden. Unter den Jagdhunden kann man ohne weiteres den Weimaraner oder den Rhodesian Ridgeback zu den diensttauglichen Hunden zählen.
Die Zuordnung der Bullterrier-Varietäten (45 bis 55 Zentimeter und 30 bis 40 Kilo) ist ebenso offen. Die Anteile in Terrier und kleine Bullenbeisser lassen sich nicht kategorisieren. Die Zusammensetzung der Bezeichnung sagt es: Frühere Bullenbeisser und Terrier wurden gekreuzt zu sehr temperamentvollen, harten Hunden, die seriöse Halter zu allerlei Aufgaben (bis zur Saujagd) ausbilden können. Amerikaner kreuzten grössere Hunde ein, die zum American Staffordshire und Pitbull Terrier führten; und leider auch direkt zu ihren Missbrauchern. Mit den meist gutmütigen Molossern haben diese Hunde nichts gemein. Ihre frühere Aufgabe als Rattenkiller (dazu vor allem der Miniature Bullterrier) bis Bullenbeissen und zum asozialen und unmoralischen Hundekämpfen brachte Hunde hervor, die ihre meist niedrig selektierte Reizschwelle inzwischen zur gesellschaftlichen Diskriminierung führte. Darüber darf man sich nicht wundern, denn viele dieser Hunde werden wegen ihres aggressiven Images angeschafft. Es sind sehr temperamentvolle Hunde, die nur in soziale Hände gehören.
Dies durch Selektion hochreizschwelliger Zuchttiere radikal auf eine übliche Sozialfähigkeit zurückzuführen, wäre daher eine Aufgabe für verantwortungsvolle Züchter und nicht zuletzt Käufer.
*©Hundezeitung.de 2000


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