Diese in dieser Ordnung "letzte" Gruppe würde "sonst" in keine der bisherigen Gruppen passen. Hier ist eine besondere Spezies gemeint. Ziel für diesen Schlag Hund und seine Varianten war und ist es, aus den Grundtypen des früheren Bullenbeissers (bulldog) und des flinken "scharfen" Terriers den "idealen" Mix aus Schnelligkeit und Kraft zu formen.
Es entstanden die Bull-and-Terrier-Varianten. Leider mit dem gegenwärtigen Resultate-Mix aus Missbrauch und Brachial-Image, der uns allen bekannt ist.
Nie wurden die Hunde so unrühmlich populär wie seit dem fürchterlichen Vorfall des Sommers 2000. Das auch vom Hamburger Ordnungsamt vernachlässigte Problem, neben der bekannten Kriminalität des Hundehalters, führte zu einer Hysterie und zu einem geradezu zynischen Aktionismus der Politiker, die gerade auf diesem Gebiet der Fachkunde sich von ganz anderen Motiven, teils auch rassehundepolitisch motiviert, leiten liessen. Es ging darum, den Bestand an diesen Tieren durch teilweise perfide Tests und willkürlichen Tötungen zu dezimieren - und für die Volksmeinung pauschal zu potenziellen Tätern entwürdigt.
Man kann nicht verhehlen, dass zu diesem unrühmlichen Image vor allem nicht wenige Züchter und Halter tatsächlich beigetragen haben. Die Fälle aggressiven Verhaltens jener Gruppe von Haltern, die sich absichtlich aggressiv selektierte Tiere von einschlägigen Züchtern holten und dafür gezielt und buchstäblich einschlägig dressierten, sind eben keine Ausnahme. Heuchelei auf Seiten von Fanatikern führte zu einer Pseudo-Verzerrung auf der anderen Seite: Aus nicht wenigen aggressiv gezogenen Hunden wurden plötzlich unisono familienliebe Schmusetierchen. Diese Umtaufe entstand aber just nach der Hysterie, der viele Hunde zum Opfer fielen.
Dass es daher auch nicht wenige ganz normale, hundeüblich sozialfähige und auch hochreizschwellige Hunde dieser Gattung gab, bestärkt das Problem, dass es eben die Anlagen der Hunde waren, die viele falsche Leute begehrten und missbrauchten.
Und als ob dies nicht genügte, dass das Image stark im kriminellen Milieu angesiedelt war mit etwas Outlow-Touch: einige "Kynologen" verherrlichten die Herkunft zu "Gladiatoren", zu Hunden mit grösstmöglicher Kraft bei kleinstmöglicher Grösse, zu Hunden ohne Schmerzempfinden, nicht selten eben auch von einschlägigen, wirklichen Hundekampfhunde-Dresseuren zielgerecht abgerichtet. Stammtisch-Angebereien über Beisskraft und Härte schufen schliesslich ein Image, das zum bekannten Ergebnis der Ächtung führte.
Die eben oft absichtlich niedrig selektierte Reizschwelle führte dann zunehmend zur inzwischen staatlich verordneten und gesellschaftlichen Diskriminierung.
Die seriösen Züchter und Halter und folglich Hunde litten mit.
Nicht wenige dieser Tierhasser warfen ihre Hunde, plötzlich verfemt, schlicht und buchstäblich aus dem Fenster. Sie wurden Wesenstest vorenthalten, weil sie diese sicherlich anfangs auch fragwürdige Selektion nicht bestanden hätten. Es half den Hunden auch nicht, dass auch einige Polizeihunde diese Tests nicht bestanden hätten.
Es gab auch krasse Heuchelei auf Seiten der Fans, es wurde gelogen, und dann kam zuweilen doch heraus, dass die Hunde schon gebissen hatten. Die Redaktion der hundezeitung fiel auch mal auf eine absichtlich falsche Darstellung herein. Unkritische Fans glauben heute noch an die Unschuld dieser Halterin.
Resultat dieser zynischen Heuchelei und dieses kriminellen Missbrauchs an Hunden war, dass sie inzwischen fast weltweit geächtet wurden. Die Hunde wohlgemerkt, nicht die Halter und deren Protagonisten.
Wie viele soziale Beispiele (nicht nur als Rettungshunde) dabei in einen Topf mit den anderen Hunden, den aus kriminellen Motiven missbrauchten, verraten oder nur durch sehr viel Einsatz von vielen ehrlichen Hundefreunden gerettet wurden, ist freilich auch ein Tatbestand, der angesichts der ekelhaften Entwicklung unterging.
Es war einmal - das Ideal aus grösstmöglicher Kraft bei geringstmöglichem Gewicht?
Entwicklung:
Zu erst eine Begriffsdefinition: Hundekämpfe sind im Prinzip natürlich, es sind Rang- und Revier- und Sexual- und Nahrungsbeschaffungskämpfe wie unter der überwiegenden Zahl aller Tiere auch. Dass heute noch Hunde gegen Bären auf Geheiss ihrer Herren und Geld-Wetter "kämpfen" müssen, denen die Krallen und Reisszähne vorher gezogen wurden, als Touristenattraktion herhalten, wurde in der Hysterie der "Kampfhunde"-Erregung gern vergessen.
Kampfhunde sind zuerst und früher Kriegshunde gewesen, die dem Besitzer in den Kampf folgten. Die Schutz-Veranlagung sehr kräftiger Hunde (frühe Molossertypen) wurde ausgenutzt. Diese Hunde schützten alles ihnen Anbefohlene, auch in Hof und Haus.
Hundekämpfe, wie sie nun in aller meist auch unberufenen Munde geführt sind, meinen aber exakt vom Menschen herbeigeführte Kämpfe unter Hunden. Es sind also genauer "Hundekampfhunde", und keine Menschenkampfhunde. Wobei die Halter oft die Grenzen verwischten; wiewohl auch andere Hunde als Beutegreifer auch mal Menschen angreifen.
Kurze Geschichte, die fast harmlos anfing. Bulldoggen sollten auf Geheiss des Viehzüchters ausbrechende Bullen an Ohr oder Nase packen und so lang nicht loslassen, bis der Ausbrecher wieder zur Herde zurückzuführen war.
Es blieb nicht aus, dass diese Aufgabe von Nutztierhaltern in Hallen verlegt wurden, wo eben Bullen zum Spass von Bullenbeissern an der Nase gepackt wurden. Sie liessen nicht mehr los. Verbesserungen für diesen Bloodsport wurden zuerst in England im späten 18. Jahrhundert von findigen Züchtern eingeführt. Erst Fang und Nasen so durch heraussragende Untergebissformen verändert, dass die Hunde dank dieses Unterbisses beim Festhalten weiterhin durch die Nase atmen konnten. Ein anderer mit Überbiss hätte früh aufgeben müssen, weil ihm die Luft ausging.
Dieses Bull baiting (biting) war Anlass zu Wetten. Und damit zu mehr Ehrgeiz, speziellere Hunde zu züchten. Bessere Hundekämpfer. Ausdauer, Schmerzunempfindlichkeit, und Kraft waren gefragt, sie brachten schliesslich Geld für die kleinen Leute. Das förderte Exzesse.
Die früheren Bullenbeisser waren zwar enorm stark, aber auch schwer. Da tauchte ein Mann mit einem kleineren Typ auf, der mit dem altenglischen weissen glatthaarigen Terrier gekreuzt war. Der gewann dann alle Kämpfe durch seine grössere Schnelligkeit. Dieser Hundetyp war der Durchbruch für den späteren Bullterrier, der mit den Schweinsäuglein und der typischen Ramsnase. Diesen Typ gab ist in Staffordshire auch ohne Ramnase.
Die Art dieses Volkssports blieb auch dem britischen Königshaus nicht fremd. Schliesslich war Queen Elisabeth I. gern gesehener Gast in den Pits (Geviert ohne Seile, wie früher die Boxringe). Sie erliess ein Gesetz, wonach zu all den sonstigen Wettfreuden der Donnerstag den Hundekämpfen in den Pits reserviert war.
Besserbeisser mussten her. Das Wettgeschäft blühte. Viele Grausamkeiten entstanden schon vor dem Kampf bis zum Tod im Pit oder kurz danach durch Kupieren von Ohren und Ruten, durch Verstümmelungen an den Pfoten. Gegner sollten weniger verletzen können, damit der eigene Hunde länger durchhält.
Bevor nun einige in Ohnmacht fallen: Das Kupieren wurde 1895 (achtzehnhundert..) in England verboten. In Deutschland rund 100 Jahre später.
Hundekämpfe sind nach dem zweiten Weltkrieg nicht nur in Grossbritannien, auch in Japan und USA, und im kontinentalen Europa verboten. Das Geschäft blüht im Verschwiegenen weiter.
Varianten:
Englische Bullterrier kamen natürlich auch in die USA. Dort wurden dann auch wieder grössere Typen eingekreuzt.
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Bullterrier |
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English Staffordshire Terrier |
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American Staffordshire Terrier |
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Pitbull (Terrier) |
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MiniatureBullterrier |
So entstanden nun teilweise verwirrende Rassebezeichnungen. Mal mit der Bezeichnung "Bull", mal ohne "Terrier". Man kann es sich bei der Unterscheidung etwas einfacher machen: Die amerikanischen Varianten von Staffordshire Bull- Terriern (Fachjargon: AmStaff) sind etwas grösser und schwerer als die englischen, und sie sind an den Ohren kupiert (was nun hier nicht mehr gestattet, weil durch Zuchtverbot kein - offizielles - Thema mehr ist).
Die verschiedenen Rassevereine stellen keine Grössen- und Gewichtsvorschriften heraus, die Farben sind die bekannten braunen, braun-gestromten, die weissen und die weissgefleckten, auch dreifarbige und schwarze (die beim AmStaff und Pit selten vorkommen sollen), mit und ohne Abzeichen. Immer noch beliebt sind besonders beim englischen Bullterrier die ein "Monokel" tragenden Hunde: die schwarze Partie an einem Auge. Allen gemeinsam ist die Kurzhaarigkeit. Und eine Rute, die beim kurzen Wedeln in erhabenem Zustand nicht immer automatisch freudige Erregung signalisiert, im Gegenteil: das geht mitunter eher in Richtung jenem kritischen Ruten-Schlagen, das man von Katzen als Angriffs-Zeichen kennt.
Regelangaben: (American) Pitbull (Terrier) als grösste Variante wiegen zwischen 23 und knapp 40 Kilo und sind zwischen 45 und knapp 60 cm gross.
(American) Staffordshire Terrier (der englische ist immer etwas kleiner und leichter) sind zwischen 20 und 30 Kilo schwer bei 43 bis unter 50 cm Schulterhöhe.
Der (ramsnasige) Bullterrier kann zwischen 24 und über 30 Kilo wiegen und zwischen 40 und knapp 50 cm gross sein.
Der verkleinerte Bullterrier, der Miniature, zwischen 5 und 12 Kilo leicht und maximal 35 cm gross.
Diesen Mini setzten aber untypisch übereifrige Verordnungspolitiker der ersten "Kampfhunde"-Hysterie auf die Kladde der "gefährlichen Listis", obschon der Mini Bulli doch die berüchtigte 40 cm-Grenze unterschritt. Wie auch "sonst" die komplette Verordnungsunlogik leider keinen Einzug in die Themenwahl jener Berufszyniker fand, die man früher Kaberettisten nannte und heute Comedys heisst.
Wie typisch bei Züchtern gab es auch eine krankhafte Verzwergung mit dem "Rekord" von nur 1,4 Kilo. Diese Verformung hielt sich aber glücklicherweise nicht lange.
hundezeitung setzt unter die Reihe der Gruppen-Beschreibungen eine Duftnote mit Stammbaum für jene Hunde, die missbraucht wurde, weil sie gezüchtet wurden mit Anlagen, die zu viele vorgebliche Liebhaber dieser Hundespezies zum Missbrauch verführen mussten. Viele von ihnen hatten Talente, die human-kriminellen Anlagen zum Opfer fielen. Die Hunde konnten und können nie verantwortlich gemacht werden.
Denkmal für eine zum Aussterben verurteilte Gruppe, die woanders weiterblühen wird, nur unkontrolliert und damit gefährlicher - vor allem für die Hunde.
Vorläufige Schlussbemerkung zur Artenkunde: Das Wort "Sonstiges" ist sprachlich gleichbedeutend mit der Unfähigkeit, etwas in eine bestehende Ordnung zu kategorisieren. Wie wohl jeder Versuch, bei Tieren eine wie auch immer begründete Ordnung fragwürdig bleibt, und oft auch unordentlich. Getreu nach der wissenschaftlichen These: im Chaos ist Ordnung. Insofern ist die ganze Serie der Artenkunde nur als Orientierungshilfe zu werten, welche ungefähren Eigenschaften die eine von der anderen Hundegruppe trennt.
Im Gegensatz zu - noch unbiologischeren - Ordnungsversuchen ist diese hier nach den Charakter und Eigenschaften prägenden erstmaligen Arbeitsaufgaben (Zweckbestimmungen) ausgerichtet, mit den zugestandenen Deutungen und vor allem erfreulich biologischen Abweichungen. Normen sind Zwangsjacken, gut, dass sich Tiere seit der Evolution nicht an menschliches Ordnungs- und Schubladendenken halten.
Denn genauso könnte man das wichtigste Körperteil - den Schädel - als Ordnungselement heranziehen. Denn darin enthalten sind das Hirnvolumen für Denkvermögen und Fähigkeit für Intelligenzleistungen ("Intelligenz" selbst ist nur ein fragwürdiger Leistungswert unter vielen, siehe "Erklärungen"), die wichtigsten Sinnesleistungen, beim Hund ist dies vor allem der Nasenriechraum, und die über die lange Evolution aus den Hundeahnen herausgebildete und der gegenwärtigen Lebenslage angepasste Konstruktion des Beutefang- und - zerlegungsapparates: das Gebiss. Aber diese durchaus in der Wissenschaft aussagekräftige Schädelforschung sagt den normalen Hundefreunden wenig.
So sind Hilfen zur Bestimmung bei Interesse an der Vielfalt gerade bei Caniden eine Orientierung wert. Es gibt sie eben doch, jene grundsätzlichen Eigenschaften, die einer Gruppe im Grossen und Ganzen veranlagt ist und einer anderen nicht oder weniger.
Der Genpool von Haushunden war gross genug, um diese Vielfalt zu erreichen (wenn auch bei gleichzeitigem Verwandtschaftsgrad, der bei 99 Prozent liegt). Das mag auch die Freunde von "Heinz 57" freuen, jenen Mixen, aus denen nicht wenige "Rassen" entstanden sind, oder deren Ausgangsprodukte einer jeweiligen Rasse zugehören. Gruppenübergreifende Eigenschaften sind jedoch allfällig, biologisch und individuell. Aber niemals als Standard festzuschreiben.
Das sollten die Halter merken, die aus elitärem Glauben (von vielen Züchtern schliesslich eigennützig als Imagebildung gefördert) und kynologischer Ignoranz (so genannte Zwingerblindheit) mit ihren Hunden auf einem Platz andere treffen, wo sich viele unterschiedlich aussehende und charakterlich differierende Hundetypen wie unterschiedliche Hunde benehmen - wie Hunde ohne diese angedichteten "typischen" Eigenschaften. Sie sollten sich fragen, warum sie diesen Irrglauben so gern übernehmen, ihre Rasse sei etwas grundsätzlich Spezielles.
Schliesslich mag bisher niemand den weisen schlichten Spruch zu widerlegen: Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund.
© Hundezeitung 2003
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