• Serie: Biologische Artenkunde: 7. Gruppe: Grosse Jägerhunde

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    Der Begriff "Jagdhunde" ist falsch, denn jagen können fast alle Hunde. Gemeint sind Hunde für Jäger, also ist die "Berufsbezeichnung" Jägerhunde korrekt. Diese schon körperlich edlen, mittelgrossen Typen (rund 50 bis über 65 Zentimeter und 20 bis 40 Kilo) gehören, so postulieren gern die Jägerhunde-Züchter, nur in Jägerhand, weil die Veranlagungen zur Jagd nicht verstädtert, also "arbeitstechnisch" verdorben werden sollen. In Wahrheit finden sie ihre Käufern auch bei Nicht-Jägern. Und das müssen nicht zwangsläufig die schlechteren Halter sein. Erst recht, wenn sie das bei Jägern unverhältnismässig häufig eingesetzte Elektroschocken nicht anwenden.

    In kundiger und verständiger Hand haben diese Bracken, Setter, Retriever und Pointer ein schönes, artgerechtes Leben. Meist sind dies mittelgrosse, sehr bewegungsaktive Hunde. Leider schaffen sich viele Hundekäufer Jägerhunde wie Retriever oder Setter an und beklagen, dann, dass diese Hunde jagen.

    Foto: Unbekannt

    Wenn solche Hunde in engen Wohnungen mit städtischer Umgebung gehalten werden, verkümmern sie oder drehen durch. Es gibt natürlich "gemütlichere", weil schwerere Jägerhundetypen wie Blood- oder Otterhound oder Spinone.

    Ihr Wach- und Schutztrieb ist unterschiedlich. Weimaraner, grosser und kleiner Münsterländer, Griffons, Rhodesian Ridgeback oder die (mit unterschiedlichem Fell differierenden, daher ihre Spezial-Bezeichnungen wie der seltene Stichel-, die häufigen Draht) Deutschen Vorstehhunde sowie die beiden Münsterländer sind wachsam, Weimaraner, die Vorsteher oder der Rhodesian haben durchaus Schutztrieb. Sie zum wie immer gearteten Schutzhundesport heranzuziehen, halte ich für einen glatten Fehlgriff.

    Setter (weiss-gesprenkelter English, mahagonifarbener Irish und schwarz- braunmarkierter schottischer Gordon) dagegen sind meist weicher (aber nicht bei der Arbeit), ähnlich der etwas kleinere Deutsche Wachtelhund oder Apportierhunde wie die mehr oder weniger populären Retriever-Varietäten (Golden, Labrador, Curly-Coated, Chesapeake Bay, Flat Coated und Nova Scotia Duck Tolling)

    Natürlich haben die berufsmässigen Apportierer, die Retriever (in allen Haarvarietäten), besonders in der Flugwildjagd einen festen Platz. Als Modehunde zahlen sie durch immer mehr nachlassende Zuchtqualität drauf, dazu kommen falsche Haltungen (zu schwer, manche Welpen sehen schon aus wie Mastino-Mixe) und eine für dumm verkaufende Marketingpolitik ("Familienhund", "kinderfreundlich"), als ob dies nur für diese Hunde gälte. Den Preis für diese Mode zahlen die vermenschlichten Hunde. "Goldies" und "Labbis" sind manchen nun zu populär, jetzt kommen die anderen dran.

    Foto: Unbekannt

    Im Bild oben sehen wir einen 9jährigen schwarzen Labrador aus schwedischer Zucht, einer vom alten Schlag, der jagdlich geführt wird.

    Der Bloodhound (auch Chien de Saint-Hubert genannt, bis 60 Kilo) ist ein reiner Suchhund und sehr gelassen. Auch er ein eher "weicher" Hund. Mit dem zunächst blutrünstigen Begriff ist natürlich nur das Blut des Wildes (Fachjargon Schweiss) gemeint.

    Foto: Unbekannt

    Jede Grafschaft und damit Jagdherrschaft nicht nur in Europa hatte ihre eigenen Hunde; kurzhaarige Bracken oder Pointer, rau- und stichelhaarige wie den italienischen Spinone, oder die belgischen Griffons, die Spanielformen (Epagneuls) in Frankreich und England (Springer und andere Jäger-Spaniels).

    In Frankreich und England gibt es noch Meutejagdhunde (Foxhound, Harrier, Beagles), vereinzelt auch in Deutschland.

    Die deutschen Jäger zogen sich ihre populären und vielseitigen Vorsteher mit allen Haarvarianten und reine Schweisshunde (bayrischer, hannoveranischer, sauerländischer).

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    Allein in Frankreich gibt es eine Menge an Laufhunden, jede Gegend (frühere Grafschaft) hat ihre eigene Farbe. In Italien gibt es zum Beispiel den Segugio, in Spanien den Sabueso, in Portugal den Perdiguero und in Südosteuropa die eigenen Varietäten. Aus Ungarn stammt der auch hier durchaus bekannte Magyar Vizsla.

    Foto: Unbekannt

    Einige gebirgstüchtige Spezialitäten formten die Österreicher und Schweizer mit ihren niederläufigen Bracken und Schweiss- wie - in der Schweiz so genannten - Laufhunden.

    Eine Besonderheit sind die zentralafrikanischen Basenjis. Sie arbeiten absolut stumm. Daher tragen sie bei der Arbeit Glöckchen. Es sind sehr ursprüngliche Hunde, niemals für europäische enge Verhältnisse geeignet. Sie gehören zum Typ der grossohrigen, hochläufigen Nasen-, vor allem aber Sichtjäger wie auch die Verwandten Pharaoh, Cirneco dell`Etna, Podenco Ibicenco, Podengo Portuguese, der Canaan Dog im Nahen Osten oder der Carolina Dog in den Südstaaten der USA.

    Zu dieser Arten-Gruppe zähle ich auch Dalmatiner und Grosspudel; beide waren mal als Jägerhund beziehungsweise Apportierer tauglich. Doch das ist lange her. Ihre Eigenschaften haben sich verhäuslicht.

    Der "verloren" geglaubte Otterhound aus Grossbritannien ist im züchterischen Aufwind. Auch zum Mantrailing (Suche auf Menschenspuren) bestens geeignet. Amerikaner haben zum Beispiel ihre Coonhounds, Hunde für jagdbare Tiere, die es in Europa nicht gibt. Doch die Coonhounds sind nichts anderes als von den ersten französischen Siedlern importierte Bracken aus der Auvergne oder Gascogne.

    Der Rhodesian Ridgeback ist ein Grosswild-Jägerhund aus dem zentralafrikanischen Land, das seinen Namen gab, und umgebenden Ländern. Die netten Geschichten, dass "RR" auf Löwen gehen, lassen wir hier mal aussen vor.

    Foto: Unbekannt

    Der Hund findet seit etlichen Jahren auch in Europa immer mehr Liebhaber. Das Einsatzgebiet jagdlich geführter "RR" ist die Schweissarbeit, dazu die Nachsuche auf Wildsauen.

    Sie sind als sehr kräftige und grosse Hunde körperlich in der Lage, Niederwild zu bringen. Sie sind aber keine speziellen Apportierer und geben wenig Laut. Das hat als Nichtjägerhund auch angenehme Seiten.

    Im Übrigen gilt: Jede Gegend der Welt hat ihre Jägerhunde, die wir "Westler" nur nicht kennen.

    Die nordischen Jägerhunde sind bereits unter "andere Nordische" in der 5. Gruppe beschrieben worden.

    Eigenarten

    In der Folge beschränken wir uns auf die Jägerhundearbeiten in Europa. Deutsche Landesjagdgesetze schreiben vor, dass bestimmte Jagdarten nur mit einem, wie es dort heisst, "jagdlich brauchbaren" Hund durchgeführt werden dürfen.

    Strenge Zuchtbestimmungen und Leistungsprüfungen sollen eine hohe Veranlagung zu den geforderten Fähigkeiten gewährleisten.

    Schweisshunde müssen besonders für das Hochgebirge geeignet sein, sie sind daher nicht hochläufig wie die anderen grossen Typen.

    Bei der Feldarbeit läuft (reviert) der Hund in weiten Schlägen das Feld ab, immer mit Sichtkontakt zum Jäger. Wittert er ein Rebhuhn, einen Fasan oder Hasen, verharrt er in der Vorstehpose oder er legt sich hin und zeigt quasi mit der Nase auf das Wild, das sich versteckt hält. Ist der Jäger nahe genug zum Schiessen, bewegt sich der Hund und "drückt" das Wild heraus: er scheucht es auf, wobei sich der Hund daraufhin sofort hinlegt und nicht nachhetzen darf. Nach dem Schuss bekommt der Hund den Befehl "Apport", bringt die Beute und gibt sie auf das Hörzeichen "aus" seinem Jäger ab. Er darf das Wild nicht beschädigen. Will heissen: wildbret-unfähig machen.

    Trainiert wird aber mit künstlichen Gegenständen, dem hölzernen Apportierbock oder einem mit Fell überzogenen "Dummy".

    Es gibt noch viele Jäger, die glauben, man könne ihren Hund nur "raubzeugscharf" machen, indem sie ihn auf lebendig an einen Baumast gebundene Katzen hetzten. Abgesehen von dem verächtlich machenden und materialisierten Begriff "Raubzeug" ist das kein Deut besser als die Dressur von Hundekampf-Abrichtern.

    Zurück zu den halbwegs tierverständigen Jägerhunde-Ausbildungen.

    Nach der "Dummy"-Arbeit an künstlichen, aber leicht naturalisiert nachempfundenen Beute-Gegenständen reicht man ihm tote Tiere.

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    Den Abschluss einer Jagd bildet die Verlorensuche. Wird das Wild nicht getötet, sondern nur verletzt, muss es der Hund suchen, damit es nicht elendig verendet (verludert). Dies lernt der Hund durch eine Schleppe. Dort, wo das Tier getroffen wurde, markiert der Jäger mit Haaren oder Federn, dann wird das tote Übungswild an einer Leine ins Gebüsch gezogen. Der Hund soll nun auf "such verloren, apport" hin die Spur aufnehmen, verfolgen und die Beute zurückbringen.

    Bei der Waldarbeit muss der Hund zunächst in unübersichtlichem Gelände "buschieren". Er sucht in allen im Wald vorkommenden natürlichen Strukturen nach Wild. Der Hund läuft frei vor dem Jäger, darf sich aber nicht mehr als rund 30 Meter entfernen. Der Hund zeigt an und wartet darauf, dass der Jäger das Wild aufscheucht.

    Der Stöberhund (mittelgross und langhaarig wie die Spaniels und der Deutsche Wachtelhund) übernimmt diese Aufgabe selbst, darf aber nicht nachhetzen. Beim Stöbern arbeitet der Hund auf allen Boden- und Uferverhältnissen. Er muss das Wild finden, mit lautem Gebell ("Spurlaut") verfolgen und dem Jäger zutreiben oder es durch die Schützenlinie jagen, darf diese "Grenze" aber nicht überqueren.

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    Bei der Wasserarbeit (zum Beispiel Retriever in allen Varianten, portugiesische Wasserhunde oder Water Spaniels) stöbert der Hund die Beute im Schilf auf, apportiert sie nach dem Schuss aus dem tiefen Wasser und gibt sie dem Jäger.

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    Eine Brackenjagd geht auf Hasen, auch mal Füchse, und darf in der Bundesrepublik nur noch in Revieren über 1.000 Hektar ausgeübt werden. Der Hund treibt das Wild langsam mit lautem Gebell ("Geläut") in weitem Bogen dem Jäger zu. Heute haben die Bracken ihr vornehmliches Revier im Hochgebirge.

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    Die Bracken haben besonders leistungsfähige Nasen und sind sehr spursicher. Sie können auch unter schwierigen Bedingungen ausdauernd Schweissarbeit leisten. Solche Nachsuche ist ein wichtiger Bestandteil der Jagd, denn viel zu oft müssen von unkundigen Hobbyjägern angeschossene Tiere schnell gefunden und "erlöst" werden. Häufig ist es auch ihr Job, angefahrenes Wild zu suchen.

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    Totes Wild, das der Hund nicht apportieren kann, zeigt er durch "Totverbellen" (anhaltendes Bellen) an. Ein "totverweisender" Hund jedoch kehrt zum Jäger zurück und "holt" ihn zur Beute.

    Jägerhunde-Entwicklung

    Die Entwicklung der Jägerhunde geht konform mit den Jagdmethoden und Waffen. Die älteste Form ist die Hetzjagd. In offenem Gelände hetzten Hunde schnellfüssiges Wild zu Tode, in unübersichtlichen Regionen führte der Spürhund auf die Fährte des Wildes. Je nach Gelände und Wild, zu Fuss oder auf dem Pferd, nahm die Jagdherrschaft unterschiedlich schwere und grosse Hunde.

    Die Meute-Jagd zu Pferde (Parforce-Jagd) blühte im "adeligen" Frankreich. Gejagt wurden meist Hirsche und Wildschweine. Während der Französischen Revolution wurden die Jägerhunde von revoltierenden Bauern umgebracht. Seit einigen Jahren blüht die Parforce-Jagd und die Zucht der Laufhunde in Frankreich wieder. In England sind die Fuchsjagden mit Foxhounds oder Harriers traditioneller Sport der Upper class. Ein Relikt unsäglich zynischer Jagdtradition, darüber hinaus auch jagdtechnisch völliger Schwachsinn.

    In Deutschland ist das Hetzen von Wild verboten. Schleppjagden auf künstlicher Fährte sind ein sinnvoller Ersatz und bei konditionsstarken Pferden ein reiterliches Vergnügen.

    Bei der Bracken- oder Laufhundejagd verfolgen ein oder zwei Hunde Hasen, in Ausnahmen Füchse. Der Hund ist meist langsamer als der Hase, stattdessen treibt er den Hasen zu dessen - arttypischem - Ausgangspunkt zurück. Dort wartet der Jäger.

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    Eine Besonderheit unter den Bracken nehmen die Laufhunde der Mittelmeerländer ein: schlanker, fast hetzhundeartiger Körperbau mit grossen, fast tütenartigen Stehohren. Das sind ursprünglich gebliebene Jägerhunde. Sie konnten sich vor allem in Spanien und Portugal, in Süditalien und auf den Inseln halten. Sie jagen mit Nase und Augen meist Kaninchen.

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    Im frühen Mittelalter gehörten die Vogelhunde zum Jägerrepertoir, das waren Stöberer, die das Federwild aufscheuchten, damit ein Greif sie schlagen konnten. Meist waren diese Hunde langhaarig und spanielartig. Aus ihnen wurden die langhaarigen Vorstehhunde gezogen.

    In England sind Jagdveranstaltungen ein fragwürdiger Sport, dort revieren Pointer und Setter das Gelände zügig ab nach dem Motto: Je schneller der Hund, desto häufiger die Möglichkeit, zum Schuss zu kommen.

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