• Serie: Biologische Artenkunde: 5. Gruppe: Nordische Hunde (Schlitten- oder Zughunde)

    Bei den nordischen, speziell den Schlittenhundarten (besser: Zughunde, weil sie auch im Sommer einen Wagen auf Rädern ziehen) ist der Wach- und Schutztrieb so gut wie nicht vorhanden.

    Der Bewegungsdrang der Schlittenhunde ist um so grösser, vielmehr: neben den Hetzhunden der grösste. Grösse und Gewicht variieren ungefähr von 50 bis über 65 Zentimeter und 20 bis 45 Kilo.

    Zu den von der FCI anerkannten vier Schlittenhunderassen zählen der Alaskan Malamute (der schwerste), der Grönlandhund, der Samojede und die schnellste "FCI-Rasse", der Siberian Husky. Die professionellen Musher züchten eigene Hunde (Alaskan Huskies).

    Diese Hunde sind ausgesprochen neugierig und eigenwillig. Nichts für Menschen, die blinden Gehorsam wollen. Ein Nordischer will artgerecht beschäftigt werden, oder er sucht sich eine Beschäftigung, die zwar ihm gefällt, nicht aber einem Edel- Wohndesign-Inhaber. Ein echter Schlittenhund würde die noble Bude in kurzer Zeit nach seinen Vorstellungen umgraben. Diese Hunde sind dort und im urbanen Engbereich fehl am Platz.

    Der rekonstruierte Indianer-Hund Chinook ist in seiner Heimat Nordamerika wieder im "Kommen." Der sollte allerdings dort - zu seinem Schutz - rar bleiben. Der ursprüngliche Indianerhund hatte auch Schutz- und Wachaufgaben. Er sollte hier keine falschen neo-indianer-romantischen Gelüste wecken. Mehr Information: www.hundezeitung.de/typen/chinook.html

    Die drei Laika-Schläge sind in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion beheimatet. Sie werden dort vorwiegend für die Jagd auf kleine Pelztiere, aber auch auf Bären-, Rot- Schwarz- und Federwild eingesetzt. Sind aber auch Schlittenhunde. Wegen der Bevorzugung zum Jägerhund kommen diese Hunde erst in der nächsten Folge (Nordische: B) der Artenkunde dran, wie auch die anderen nordischen russischen und japanischen sowie Eurasier und Chow Chow.

    Was sind das für Hunde - die Schlittenhunde?

    Häufig gestellte Fragen an Thomas Gut, genannt "Waldschrat" - er sieht auch so aus) Teilnehmer an Langstreckenrennen, unter anderem in Kamtschatka. Er führt im Bayerischen Wald Deutschlands erste Schlittenhundeschule (ein Artikel über diese Seminare folgt demnächst). Seine Antworten:

    Sind das hier auch Schlittenhunde ? Ich dachte immer, die sind schwarz - weiß und haben blaue Augen?

    Wir haben in unserer Anlage hauptsächlich Alaskan Huskys. Es gibt sie in allen Farben und Grössen, schlank und wuchtig, mit Steh- und Schlappohren, mit braunen und blauen Augen.

    Foto: Unbekannt
    Siberian Husky

    Schlittenhunde werden schon seit über 4000 Jahren gezielt gezüchtet. Und zwar auf die dazu notwendigen Eigenschaften wie Gesundheit, Genügsamkeit, Führigkeit, Charakter, Schnelligkeit, Ausdauer, unterdrückter Jagdtrieb und keinerlei Aggressivität gegenüber dem Menschen.

    Diese strengen Zuchtkriterien führten zu einem überaus freundlichen, gesunden und leistungsfähigen Hund. Das Aussehen spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Der Alaskan Husky als aktuelles Glied in dieser Zucht erscheint daher in allen Farben, Grössen, Augenfarben und Ohrstellungen.

    Foto: Unbekannt
    Huskyjungvolk

    Die Zuchtlinien unserer Hunde reichen teilweise bis zu acht Generationen zurück. Die Registrierung von so genannten reinrassigen Hunden ist relativ neu und vermisst leider meist die grundlegenden Eigenschaften des Huskys in ihren Zuchtstandarts, nämlich den Willen zu ziehen - dem "Desire to go".

    Zu den "reinrassigen" Nordischen Hunden zählen unter anderem der Siberian Husky, der Alaskan Malamute, der Grönlandhund und der Samojede, die wir nachfolgend kurz vorstellen möchten.

    Siberian Husky Ein ursprünglich aus Sibirien stammender Schlittenhund, der in seiner jetzigen Form seit den 30er Jahren gezüchtet wird. Er hat ein sehr ansprechendes äusseres Erscheinungsbild und einen ausgeprägten Jagdtrieb. Dem sehr freundlichen und gutmütigem Hund fehlt aber die überragende Schnelligkeit des Alaskan Huskys.

    Foto: Unbekannt
    Alaskan-Malamute Malamutes Dem Siberian Husky optisch sehr ähnlich, ist er erheblich schwerer und dadurch auch langsamer, kann aber grössere Lasten ziehen. Er wurde ursprünglich von dem Inuit-(Eskimo-)Volk der Malamuits gezüchtet, die um das Gebiet des Kotzbue-Sunds in Alaska lebten.

    Foto: Unbekannt
    Grönlandhund Grönlandhund Er wird von den Inuit auf Grönland zum Lastenziehen und zur Jagd gezüchtet. Er ist ein freundlicher, sehr kräftiger und anspruchsloser Zughund, der aber ein sehr selbständiges Wesen hat. Beim Grönlandhund sind alle Farbschläge zugelassen.

    Foto: Unbekannt
    Samojede Samojede Der heute nur noch mit weiss beziehungsweise bisquitfarbenem Fell gezüchtete Hund stammt ursprünglich aus Sibirien und wurde vom dortigen Volk der Samojeden zum Hüten ihrer Rentierherden und auch zum Schlittenziehen eingesetzt. Wie in dem Buch "Nacht und Eis" von Fritjof Nansen zu sehen ist, gab es diese Hunde ursprünglich in allen Farbschlägen.

    Ist den Huskys bei uns denn nicht zu warm ? Da diese Hunde einen besseren Stoffwechsel haben, kommen sie sowohl mit Hitze (sie benötigen weniger Energie und produzieren dadurch weniger Wärme) wie mit Kälte (Energie kann schneller nachgeführt werden) besser zurecht als andere Hunderassen. Übrigens sind Süd-Alaskas Sommer ebenso heiss wie bei uns - und das bei teilweise 24 Stunden Tageslicht.

    Ist es den Hunden im Winter draußen nicht zu kalt ? Die Hunde bilden in kürzester Zeit eine sehr dichte Unterwolle, die sie vor Kälte schützt. Viele der Hunde lieben es bei trockener Kälte draußen zu "biwakieren" und verzichten auf die Hütte.

    Muss man den Schlittenhunden das Ziehen lernen ? Schlittenhunde laufen von sich aus. Der Wunsch zu rennen, der "desire to go" liegt diesen Tieren im Blut. Das schlimmste was man einem Schlittenhund antun kann, ist ihm das Laufen zu verbieten. Beim Rennen und im Training sind weder Peitsche, Zügel noch sonstige Hilfsmittel nötig und zulässig. Die Hunde laufen aus Leidenschaft.

    Warum sind die Hunde so schlank ? Die Tiere sind Hochleistungssportler, die sich in der zum Rennen optimalen Konstitution befinden. Oder haben Sie schon einmal einen guten Langstreckenläufer mit Bauch gesehen?

    Noch Fragen?

    Grundsätzliches zu den Nordischen Hunden Den ältesten Nordlandhund fand man am Old Crow River in Alaska. Experten schätzen das Alter des Fundes auf 12 000 Jahre.

    Nicht alle Nordlandvölker hielten damals Rentiere, aber Hunde schon. Die Tschuktschen als älteste Siedler in Nordost-Eurasien, angrenzend an die Gebiete der Inuit (Eskimos), waren vermutlich zusammen mit den Nordindianern die ersten, die den Gebrauch von einheimischen Hunden als Zugtiere und Jagdhelfer einführten. Es waren in diesen arktischen Gegenden einander ähnliche Typen: Kräftige, doch nicht allzu schwere Hunde mittlerer Grösse mit dichtem Fell und dicker Unterwolle, kleinen kurzen Stehohren und einer buschigen Rute, die oft aufgerollt getragen wird, und bei Schneestürmen als kleine Decke dient.

    Keiner weiss genau, wann und von wem der "moderne" Schlittenhund "erfunden" wurde. Historisch gesichert ist nur die Tatsache, dass das Transportmittel Schlitten vor dem Wagen und der Hund vor dem Pferd da war.

    Hundehütten gab es für die Urschlittenhunde damals ebenso wenig wie einen "Sommerurlaub". Nach der Winterarbeit wurden sie entlassen, ohne Abfindung. Das hiess für die Hunde: so lange überleben, bis sie wieder eingefangen wurden, um zu arbeiten und was vom Fischfang der Menschen abzukriegen.

    Die härteste Auslese war der Grundstock für die selbst heute noch harten Typen. Die Rahmenbedingungen schufen Arbeit und Klima.

    Popularität erlangten diese - damals sicher - harten Hunde erstmals durch ein menschliches Rennen: Wegen seiner Schlittenhunde gewann der Norweger Roald Amundsen 1911 den Wettlauf um den Südpol vier Wochen vor dem Engländer Robert Falcon Scott.

    Ein Polarfoscher meinte es vermeintlich gut mit seinen Zugtieren, aber das war für die Hunde tödlich. Er glaubte, die Hunde bei einem Schneesturm ins warme Zelt holen zu müssen. Der Schnee auf dem Fell schmolz auf die Haut hinunter, und als die Hunde nach dem Ende des Sturms wieder ins Freie mussten, gefror die Nässe sofort auf der Haut. Die Hunde verendeten jämmerlich.

    Beispiel für jene "Tierfreunde", die meinen, ihr Witterungsempfinden auf die Schlittenhunde übertragen zu müssen.

    Foto: Unbekannt
    Natürlich darf hier das berühmteste Schlittenhunde-Rennen nicht fehlen, Mekka aller Musher (Fachjargon für die Schlittehundeführer). Iditarod ist die Welt für diese Fans. 1908 entwickelte sich aus den ersten privaten Rennen in Nome das All Alaska Sweepstakes. Ein in Postdiensten stehendes Gespann mit zweckmässiger Lastenausrüstung gewann dieses erste Rennen.

    Scotty Allan war jedoch ein Jahr drauf der erste, der professionelles Renn- Equipment an den Start brachte. Sein Schlitten wog nur wenig mer als 15 Kilo. Seine Hunde sahen alles andere als nach reinrassigen Huskys aus: Schlappohren. Aber schnell mussten sie sein, ausdauernd schnell.

    Dann gediehen mehrere Rennen, unter anderem ein weiteres langes, das heute ebenso hart ist wie das berühmte Iditarod (über rund 1 800 Kilometer), der Yukon Quest. Neben diesen Alaska-Rennen ist auch in Europa einiges geboten. In Deutschland das älteste Rennen in Todtmoos im Schwarzwald in mehreren Kategorien. Und eines der härtesten ist die Beringia auf der ostsibirischen Kamtschakta-Halbinsel. Dort nahm auch "Waldschrat" Thomas Gut teil.

    Heute nehmen geradezu Heerscharen von Teilnehmern aus aller Welt an mehr oder weniger anstrengenden Rennen teil, die Hunde stehen immer unter tierärztlicher Kontrolle. Am Ende stehen Preisgelder.

    Doch am Anfang des Iditarod stand eine lebensrettende Idee: Leonhard Seppala, 1925 schon eine Legende im Sleddog-Race, legte bei einem Serumstransport in Alaska die grösste Strecke der Staffel zurück.

    In Nome wurde der erste Fall von Diphterie bekannt. Der Serumvorrat reichte für die 2 000 Einwohner nicht mehr aus. Mit einer Hundestaffel brachten einige Musher innerhalb von fünf Tagen Serum von Nenana nach Nome, eine Strecke von über 1 000 Meilen. Normale Gespanne brauchten dafür üblicherweise 25 Tage. Diese Staffel aus Hunden und Menschen erlangten damals unsterblichen Ruhm und gründeten das moderne Image des menschenfreundlichen Schlittenhundes. Obwohl die Hunde die "Tragweite" natürlich nicht kannten.

    Seit 1973 erinnert jedes Jahr das Iditarod-Rennen über diese Strecke an die Lebensretterstaffel. Bon mot des Veterans Dewey Halvarson zum Thema Schlittenhundsport - drastischer und besser kann man die "Sucht" nicht erklären: "Ich wäre besser bei Heroin gelandet, das wäre billiger und macht nicht so abhängig."

    Neben den Rennen auf Zeit gibt es eine wunderbare Alternative: die des gemütlichen Tourens. Siehe auch der Artikel der ehemaligen Racer Helmut und Marilis Weißkopf: www.hundezeitung.de/ausbildung/schlitten.html.

    Noch ein paar Vorurteile

    Es wurde immer behauptet, Schlittenhunde dürfen keine Menschen beissen, und wenn einer das doch tut, wurde er von den Inuit erschlagen.

    Das hat den Grund, dass die nordischen Völker sehr auf die Zugänglichkeit der Hunde angewiesen waren und Verletzungen die Überlebensfähigkeit in diesen abgelegenen und kalten Regionen drastisch verringern. Zudem leben diese Hunde eng mit dem Menschen zusammen. Und eben auch mit den Kindern.

    Durch die zunehmende Denaturierung (bis zur Verstädterung) dieser doch ursprünglich so ursprünglichen Hunde - es werden auch in Südfrankreich oder in anderen sehr warmen Gegenden die Nordischen als extreme Besonderheiten, als Modehunde vorgeführt - sind auch diese Ringelruten-tragende Menschenfreunde mit den psychischen Extremen der Falschhaltung konfrontiert und drehen zurecht auch mal durch. Auch Schlittenhunde sind hier nur Hunde.

    Es sind bis auf die erwähnte Ausnahme des Akita die Gegenteile des schützenden Hundes, die Gegenteile von devoter Leichtführigkeit oder Abrichtbarkeit. Wachsamkeit? Wenn man es nicht auf die Bewachung von Menschen, Hab und Gut reduziert - ja. Also mit der caniden Aufmerksamkeit, was die eigenen Bedürfnisse oder Gefahren angeht, wie Wildcaniden auch.

    Dass sie nicht lernen könnten für den täglichen Gebrauch mit Menschen, ist ebenso falsch. Der Malamute-Rüde "Jed" diente als erster echter Film-Wolf- Darsteller (meist werden Schäferhunde "umlackiert") für die Jack-London- Verfilmung von "Wolfsblut". Als Filmdarsteller musste der zu "White Fang" umgetaufte Jed unter den Anweisungen seines Besitzers und Trainers Clint Rowe Actionszenen darstellen im "Nahkampf" mit Hunden (Hundekämpfe waren tatsächlich Sport bei den Goldsuchern) oder mit einem ebenso trainierten Bären.

    Die bequeme Behauptung, man könne einem Schlittenhund nicht die hier eben erforderliche Grundausbildung beibringen, ist nicht mehr so verbreitet wie zu Anfang einer gewissen Modekauflust, als der blauäuige Husky von Leuten angeschafft wurde, die nicht nur eine winterliche Abenteuerlust miteinkaufen wollten, sondern den Wolf im Hundepelz.

    Das Schlittenhunde immer auch Jagdhunde sind, darf nie vergessen werden.

    Ich traue mich freilich immer ohne Bedenken in ein Schlittenhunderudel hinein. Man muss nur fest stehen bleiben bei dem rüpelhaften Gedränge und Gereibe.

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