In dieser grossen Gruppe mittelgrosser (45 bis 70 Zentimeter, 25 bis 45 Kilo) Hunde finden sich die, die fast alles können (müssen): suchen, retten, bewachen, treiben, und - eben - hüten, im weiteren Sinne auch schützen. Die Aufgaben tätiger Hütehunde sind menschengeprägt: sie arbeiten eng mit dem Menschen zusammen. Weil der es so in die Wege leitete, weil er die Talente dieser Hunde für sich zu nutzen verstand.
Diese arbeitsfreudigen Hunde brauchen Beschäftigung. Sie müssen leicht zu führen sein. Es sind bewegungsaktive und mittelgrosse Rassen. Ihr Temperament braucht Konsequenz. Für die Dienste des Menschen eignen sie sich am besten, weil sie nach Konstitution und Psyche ideal leichtführig sind (im Gegensatz zu den ersten drei Gruppen).
In dieser Gruppe sind die vielseitigsten Hunde versammelt. Mit "Schäferhund" meint man meist den deutschen, er ist die weltweit verbreitetste "Rasse". Einer der ersten deutschen Schäferhunde war weiss, durch Vereinsquerelen wurde dieser Farbschlag ausgesondert und kam quasi als American-Canadian (AC) Weisser Schäferhund wieder.
Die anderen Arbeitstypen: zwei holländische und die vier Schläge der belgischen Schäferhunde (Groenendael, Laeken, Malinois und Tervueren), der dem Riesenschnauzer ähnliche Bouvier, die Franzosen Berger de Picard, Pyrenäen- Schäferhund, Briard, Beauceron (ehedem eine "Rasse", der Briard eine langhaarig, der aus der Beauce kurzstockhaarig, die dann als "Rassen" getrennt wurden), der oberitalienische Bergamasker, die englisch/schottischen Collies (Lang- und Kurzhaar-Collie, Border, Bearded, der kleine Sheltie), der katalanische Schäferhund (Gos d`Atura calalà), Kelpie und Cattle Dog (amerikanisch/australisch, in Australien auch Heeler), die Ungarn Puli, Pumi und Mudi, der kroatische Hrvatski Ovcar und der Polski Ovczarek Nizinny (PON).
Und viele bodenständige Typen, die wir Europäer nicht kennen.
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| Groenendael | Malinois | Bovier |
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| Briard | Beauceron | Bergamasker |
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| Bordercollie | Katalanischer Schäferhund | Kelpie |
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| Puli | Hrvatski Ovcar | Polski Ovczarek Nizinny |
In den USA benannten einige Fans den Modehund Border Collie (gern abgekürzt als BC, der selbst schon in zwei Schlägen gespalten wird: in die weltberühmten kleineren, rund 50 cm hohen Koppelgebrauchs- und in grössere, fast schon reine Agility-Sporthunde) etwas eigenartig um in "English Shepherd", das sind aber nichts anderes als auf amerikanisch gemachte BC. Mit der Betonung auf bevorzugte andere Farben. Ein Beispiel dafür, dass die meisten Rasseinteilungen nicht das Geringste mit biologischer Ordnung zu tun haben, aber viel mit menschlichen Eitelkeiten.
In Deutschland drohen die meisten alten Hütehundetypen auszusterben, durch Freunde aber wieder bodenständig gezüchtet, wie die Stumper, Strobel, Tiger, Schafpudel, Westerwälder Kuhhunde, Gelbbacken, Altdeutsche Schwarze, Harzer Füchse. Sie sollten, wie auch der Altdeutsche Schäferhund, nicht als "Sofa-und- sonst-nix" und Alleinhund gehalten werden, sondern ihren hervorstechenden Arbeitseigenschaften frönen dürfen.
Appenzeller und Entlebucher Sennenhund sind ausgesprochene Treiber, vornehmlich für Rinder. Spitze gehören auch in diese Gruppe, als exzellente Bauernhofwächter ohne Jagdtrieb. Der norwegische Buhund (Bauernhund) ist ebenso vielseitig.
Meist entstanden die Schäferhundrassen aus der durch Klima diktierte Bevorzugung für kurzhaarige, stock- und rauh- oder langhaarige Typen.
Ihr Jagdtrieb ist seit mehreren tausend Jahren zum kontrollierten Treiben umfunktioniert - eine Art Umprogrammierung der Veranlagungen vom Hetzen und Trennen schwächeren Wilds, aber er ist dem Menschen nützlich, weil er da als Diensthunde zum Schützen, Wachen und Suchen gebraucht wird.
Die niederläufigen nordischen Hütehunde wie Vestgötaspets (Westgotenspitz) kommen etwa den britischen Corgies gleich. Zu den Hütehunden zählt auch der falsch betitelte Tibet "Terrier".
Speziell zu diesen Arbeitstypen, ohne Hütehunde gewesen zu sein, gehören auch Mittel- und Riesenschnauzer und Schwarze Russische Terrier, Airedale und Kerry Blue Terrier, kleine Pinscher und grosse, der Dobermann.
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Harzer Fuchs | Appenzeller Sennhund | Airdale Terrier |
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| Riesenschnauzer | Dobermann | Tibet Terrier |
(Dass einige Hunde aus den vorangegangen Gruppen und einzelne Jägerhunde ebenfalls solche Dienstleistungen übernehmen können, ist hiermit noch einmal erwähnt.)
Die meisten Typen in dieser grossen Gruppe kann man ohne Übertreibung als Zehnkämpfer bezeichnen: sie können fast alles. Das erfordert andererseits auch, dass sie dies leichtführig ausführen sollen. Es sind also zumeist keine eigensinnigen Hunde, sondern leicht "lenkbare", gehorsamswillige.
Eine Sonderstellung nimmt nach wie vor der meistgezüchtete Hund der Welt (mit zwei Millionen Zuchtbucheintragungen) ein: der Deutsche Schäferhund (DSH). Das hat einerseits schon Anfangs 1930 einen Ruf wie Donnerhall samt Soldatenimage auf vier Beinen mitsamt fragwürdigen Übertragung von dienstgetreu-menschlichen Eigenschaften hervorgerufen, rächt sich nun seit Jahren durch züchterische Fehlleistungen wie das auffallendste Merkmal: die stark abfallende Rückenlinie. Die Nachfrage hat sich seit den letzten fünf Jahren um ein Drittel reduziert. Er bleibt dennoch mit Abstand der meistgezüchtete Rassehund: fast ein Viertel aller Rassen in Deutschland sind DSH.
Anfangen hat dieser "Siegeszug" mit dem berühmten Gründervater des DSH, dem königlich-preussischen Rittmeister a. D. Max von Stephanitz, dessen - gradrückiger - erster Rüde "Hektor Linksrhein", genannt Horand von Grafrath (siehe Bild), Ausgang für die Zucht war.
Nach Vorschlägen von A. Meyer und v. Stephanitz wurde der heute grösste Einzelrassehundeverein im September 1899 gegründet. Wie es in den vielfältigen Interpretationen zur Gründung heute heisst: "aus mitteldeutschen und süddeutschen Schlägen der damals vorhandenen Hütehunden herausgezüchtet", mit dem "Endziel, einen zu hoher Leistung veranlagten Gebrauchshund zu schaffen."
Seinen Rang als bevorzugter Diensthund macht ihm seit ein paar Jahren und latenter Unzufriedenheit der belgische Malinois streitig. Er wird den DSH nie ersetzen, schon aus dem Grund, weil es gar nicht so viele Zuchthunde des Belgiers gibt.
Das hat aber nichts mit der ursprünglichen Eigenschaft des DSH zu tun, sondern eher geriert sich dies aus tatsächlich nachlassender Zuchtqualität und einer suspekten Melange einer Bevorzugung der "Schärfe" oder anders: Malinois hat man gerade in Schutzhundekreisen.
Mit der früheren Aufgabe haben diese Auswüchse nichts
mehr zu tun, da helfen auch keine Versuche, DSH an die Schäfer
heranzutragen. Die haben nach wie vor ihre eigenen Hunde und
selektieren nach Leistung, nicht nach Farbe oder Schönheit.
Das Fell muss wettertauglich sein, der Hund mit all seinen Sinnen
arbeitsfreudig, dazu meist vom Althund erzogen, Schafe oder Rinder
von hier nach dort zu treiben, abzuspalten in handliche Gruppen,
auf die Zeichen des führenden Schäfers zu achten. Ein
über die Massen anstrengender 20 Stunden-Job für die dazu
notwendig äusserst lauffreudigen und konditionsstarken Hunde.
Ihre Aufmerksamkeit und Umsicht ist bestechend.
Eine nach Arbeitsprägung geordnete Entwirrung gerade beim "Rassensalat" der Schäfer-, Hirten-, Hüte-, Treib- und Herdenschutzhunde nahm der verstorbene Landwirt, Schafzüchter, Tierarzt und Professor am Institut für Tierzucht und Haustiergenetik an der Uni Giessen, Dr. Karl Hermann Finger, vor: "Auf Fusstransport und Grosstier-Weideauf- und -abtrieb spezialisierte Treibhunde (cattle dogs) arbeiten hinter und an den Seiten der Herde, gelegentlich auch zwischen den Tieren. Für beengte Verhältnisse auf Feld- und Weidewegen entwickelte man Hüte- beziehungsweise Schäferhunde (shepherd dogs). Sie arbeiten in der Strassenmitte dicht neben der Herdenseite, gehen aber nie in die Herde. Für die Arbeit an Kleingruppen oder Einzeltieren an weitläufigen Weiden oder in Koppeln und Schafhöfen entstand der britische Schaf- oder Koppelgebrauchshund (sheepdog). Er agiert auf Distanz, auf und in der Herde."
Die Arbeit der Koppelgebrauchshunde schildert Schäfer und BC-Trainer Marco Heyer hier: www.hundezeitung.de/ausbildung/koppel.html
Es ist faszinierend, zu beobachten, wie etwa in Neuseeland auf die Entfernung einer guten Meile die Hunde (meist Kelpies oder BC) auf die Zeichen (Trillerpfeife oder Sichtzeichen) ihres Schäfers reagieren und wissen, was sie sofort ausführen müssen. Oder wie ein American Cattle Dog über die Rücken der Schafe oder Rinder fetzt, um ein Schaf oder Kalb, das ausbüchst, wieder einzutreiben. Oder wie einzelne Nutztiere gezielt getrennt (cutting) werden.
In Sheepdog Trails werden die Fähigkeiten der Koppelgebrauchshunde (siehe auch nähere Beschreibung in "Ausbildung") im Wettbewerb gemessen. Gute Hunde sind den Schäfern sehr viel Wert. Ohne gute Hunde kann kein Schäfer arbeiten. Die Aufmerksamkeit und die Leichtführigkeit samt Gehorsam (Obedience) machte sich auch für andere, moderne Ersatz-Beschäftigungen oder Sportarten wie Agility oder Flyball interessant. Dass diese Hunde auch hochgeeignet sind für allerlei menschen-dienliche Hilfsaufgaben, ist in allen Bereichen abzulesen.
Lobenswert ist es, dass sich einige Hundefreunde mit den Möglichkeiten der Nutztierhaltung wieder den keinesfalls untauglicheren bodenständigen deutschen Rassen widmen, anstatt anderen, meist englisch-amerikanisch-australischen Typen - bloss, weil sie international Mode wurden, was den Hunden in jedem Fall geschadet hat - den Hof zu machen.
Der spezifischen Eigenschaft eines sehr freiräumig und - vergleichsweise - selbstständig lebenden American Cattle oder Kelpie kann in diesem engen Raum in Europa nicht entsprochen werden. Es sind einfach andere Biotope und geografische Voraussetzungen. Dazu gab es seit Jahrhunderten und gibt es heute noch der Umgebung angepasste Hundetypen wie den wiederentdeckten Harzer Fuchs, den Altdeutschen Schäferhund, den Tiger auf der schwäbischen Alb oder andere, oben angeführte bodenständige Schläge.
Die Franzosen oder die Spanier oder die Schäfer auf dem Balkan denken nicht daran, etwa einen BC einführen zu müssen, sie haben doch ihre guten bewährten Hunde. Ich lernte - auf der schwäbischen Alb - einen höchst aufmerksamen Pyrenäen-Schäferhund (nicht grösser als 50 cm, also die übliche Treibhundgrösse) kennen, den ich sofort in mein Herz geschlossen habe.
Den "nur" 45 cm grossen Puli, diesen wirklichen Mini-Komondor, "entfremdeten" Ungarns Ordnungshüter zeitweilig auch als reinen Polizeihund - bei höchstem Respekt. Der "Mopp" sieht nur so aus wie ein niedlicher Schosshund, aber er ist ein charmanter Teufel. Ein Puli, ob eierschalenfarbig oder schwarz, ist hundgewordener Spitzpaprika. Ein ähnlich unbestechliches Zottelfell ist der mittelgrosse Bergamasker, ein inzwischen selten gewordener Hüter Oberitaliens.
Bei den grossen Franzosen selektierten die Schäfer vier Typen heraus. Der Pyrenäenschäferhund mit maximal 55 cm, und die 65 bis 70 cm grossen Berger aus der Picardie, der Beauce (Beauceron) und der Briard. Briard und Beauceron waren mal eine "Rasse". Dann trennten die Funktionäre die Schläge als langhaarig und kurzhaarig und machten zwei "Rassen" draus. Der kurzstockhaarige Beauceron gehört zu den körperlich stärksten Schäferhunden und sieht aus wie ein derber Dobermann. Leider kreiierten - um sich just vom Dobermann farblich abzusetzen - einige Beauceron-Züchter die neue "Zusatz"-Farbe "Harlekin". Ein Defektgen (auch: Blue Merle), das leider auch andere Hütehunde-Fanatiker pflegen und uneinsichtig verteidigen. Erwiesene Erbdefekte werden ignoriert.
Andere Hunde, die diese multifunktionalen Aufgaben auch beherrschten, aber ähnliche Jobs übernommen haben, sich der Veränderung der Aufgaben schnell anpassten, sind etliche Terrierarten (vornehmlich die grösseren), zu denen artgemäss auch Mittel- und Riesen-Schnauzer und deren belgische Verwandte, die Bouviers gehören, und die kleinen sehr robusten Vertreter der Schweizer Sennenhunde, die Appenzeller und Entlebucher.
Einen Vertreter der Langhaar-Collies (aus den Arbeitscollies mit Barsois gekreuzt; es gibt auch eine kleinere Variante, den Sheltie) können wir natürlich nicht unterschlagen, den wohl berühmtesten TV-Filmhund: Lassie. Freund aller Kinder von 1945 bis heute - in der zehnten Generation.
Wie fing es an? 1938 veröffentlichte die "Saturday Evening Post" eine Kurzgeschichte des Collie-Züchters Eric Knight mit dem Titel: "Lassie Come- Home". Fünf Jahre später spielte der Rüde mit der noch unbekannten Elizabeth Taylor und Roddy McDowell in einem Film mit dem gleichen Titel wie die Kurzgeschichte. Dann wurde die unaufhaltsame Fernsehserie gestartet, die einige Jahre später auch in die deutschen Stuben flimmerte.
Der Zuchtqualität dieser Collies hat es eher geschadet als genützt. Wie bei allen Hunden, die populär gemacht und vermenschlicht dargestelt wurden.
Hütehunde-Vertreter sind auch in Nordeuropa zu finden. In Norwegen etwa der Buhund (Bauernhund), in Schweden der Vestgötaspetz, wie wohl auch eben viele Spitze als Bewacher und Hüter auf den Bauernhöfen jahrtausendelang gute Dienste leisteten, bis sie ausser Mode gerieten - gut für die Gesundheit dieser urigen Typen.
Und die dank des englischen Königshauses populären Corgies in drei Schlägen. Wen diese niederläufigen Hunde hüten, mag sich nicht nur tierlichen Quellen erschliessen. Ernsthaft sollen sie ihren Job früher verrichtet haben.
So wie viele Hütehunde in der ganzen Welt, die wir Europäer als Exoten bezeichnen, bloss, weil sie sich unserem begrenzten Erkenntnisstand entziehen.
So verwundert es nicht, dass eine europäische Rassehundekommission immer noch den Tibet Terrier als solchen führt, obwohl er nie etwas anderes war als ein Hütehund.
Lesen Sie auch: Die Einführung Lesen Sie auch: Hauptteil 1 Lesen Sie auch: Hauptteil 2 Lesen Sie auch: Hauptteil 3 Lesen Sie auch: Hauptteil 4 Lesen Sie auch: Hauptteil 5 Weitere Beschreibungen der einzelnen Gruppen im nächsten Update
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