• Serie: Biologische Artenkunde: Einführung

    In hundezeitung.de wird es keine so genannten "Rasse"-Portraits geben. Aber eine neutrale und kritische Information über Hundearten, die sich nur geringfügig von einander unterscheiden. Weil ihr "ursprüngliches" Aufgabengebiet sie nur von geografischen Grenzen trennt, aber nicht die Eignung und Leistung.

    In Gruppen deshalb, weil eine stärkere Trennung in den Bereich greift, der eher individuell geprägt ist als von wissenschaftlich dubios bis eigenwillig und züchterisch eigennützig formulierten Rasse-Standards. Und die sollen im besten Sinne nur Idealmasstäbe sein. Und der ist selten so, wie ihn sich die Interessenvertreter realistisch erkennen müssten.

    Im Heimtier- wie im Nutztierbereich reden nur Züchter von "Rassen". Zoologen erklären die Vielfalt der Tiere jedoch mit Art oder Schlag oder Varietät. Aber niemals als "Rasse". Dieser Begriff entspringt eher einer gewissen rassistischen Ausgrenzungsmanie als einer wertneutralen Ordnung.

    Die englischsprachige Hundewelt kennt nicht die Übersetzung für Rasse "race", sondern "breed" (Zucht). Eine logische Bezeichnung. Mischlinge - meist von Rasse-Züchtern - aus Konkurrenzneid herabsetzend so bezeichnet - sind deshalb nicht Un-Zucht. Das tun andere. Mischlinge bezeichnen Hundekenner im englischsprachigen Raum übrigens wert-, aber nicht humorfrei mit "Heinz 57".

    Wie entstehen "Rassen"? Durch Anwendung von Genetik: Ein Teilgebiet der Biologie (Erblehre), das sich mit dem Vererbungsvermögen und den unterschiedlichen Erscheinungsformen der Lebewesen befasst. Der Genotypus (zur Gesamtheit der Erbanlage gehörig) ist durch die Erbanlage bedingt, nicht durch die Umwelt. Der Evolutionsgenetiker John Maynard Smith: "Sexualität führt zu einer grösseren Anzahl verschiedener Genotypen, die insgesamt an eine grössere Vielfalt ökologischer Bedingungen angepasst sind."

    Der Gegensatz des Genotypus ist der Phänotypus (Erscheinungsbild). Hier wird jedes Lebewesens durch Umwelteinflüsse (zum Beispiel natürliche - nicht züchterisch manipulierte - Haut- und Fellfarbe oder Anpassung an geologische Bedingungen wie Grösse und Wendigkeit oder Nahrungsaufkommen) geregelt. Nur die Gene (Erbfaktoren) werden als vererbbare Informationen weitergegeben. Sie sind in Körperzellen als Erbmoleküle (DNA) vorhanden. Alle genetischen Informationen innerhalb eines Organismus werden als Genotyp bezeichnet.

    Diese Informationen (beim Menschen neuerdings wesentlich weniger als angenommen: rund 40 000) werden in Gruppen (Chromosomen) aufgeteilt. Es kann vorkommen, dass sich der Inhalt eines Gens sprunghaft ändert (Mutation) und dadurch neue Informationen erhält. Beim Hund ändert sich dadurch zum Beispiel die Fellfarbe.

    Nach unendlich vielen Kreuzungsversuchen entdeckte 1865 der Augustinermönch Gregor Mendel die grundlegenden Gesetze der Vererbung. Gene und Chromosomen waren dem Forscher bis dahin nicht bekannt. Mit diesen Mendelschen Gesetzen gelang es, aus wenigen Arten (wie zum Beispiel dem Wolf) viele Varietäten (Hunderassen) zu züchten. Wie wir inzwischen wissen, nicht immer zum Vorteil des Hundes.

    Die Vielfalt unter Haushunden hat einen hohen, wenn auch gesundheitlich fragwürdigen Zucht-Standard (Miniaturisierung und Gigantismus) erreicht: Der Grössenunterschied von den kleinsten zu den grössten Typen erreicht das Siebeneinhalbfache (von 14 bis 105 Zentimeter Schulterhöhe), beim Körpergewicht gar das 240-fache (0,5 bis 120 Kilo). Die kleinste und leichteste war jeweils ein Chihuahua, der grösste ein Irish Wolfhound, der schwerste ein Mastiff.

    Viele Hundefachleute reden von Genetik. Unbestritten ist bei allen, dass die Vererbung zu den Veranlagungen beiträgt. Aber lange nicht so viel, wie das manche Hundezüchter und -ausbilder Glauben machen, die teilweise von einem 50-zu-50-Verhältnis in den Anteilen Vererbung und Erziehung ausgehen. Genetiker sprechen von einem Verhältnis von 20 bis 30 zu 80 bis 70 Prozent.

    Die Anteile verrutschen bei genetisch nicht informierten Hundefreunden allzu gerne auf Kosten des Hundes. Sie fallen damit auf die eigene Annahme rein, wenn der Hund ihrer Meinung nach nichts "taugt" (meist eine falsche Verwendung für fehlgeleitete Talente des Hundausbilders oder - halters), oder wenn er ein so genannter "Superhund" oder "Kracher" ist. Ist der Hund super, lobt sich der Halter und Ausbilder, macht er Fehler, ist der Hund schuld.

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    © Hundezeitung 2002

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