• Järve

    (auch: Vielfrass, Bärenmarder oder Gulo gulo)

    Nordische Legende: Diese grössten Marder haben auch unter Fachleuten einen beeindruckenden Ruf. Nur wenige kennen ihren wahren Charakter. Jeff Copeland, Wildbiologe, schleicht ihnen seit vielen Jahren nach.

    Foto: Unbekannt

    Wie immer, wo Wissen dünn ist, blühen Legenden, Mythen, Schauergeschichten über einen blutrünstigen Geheimnisvollen. Die Lappen fürchten ihn, weil er selbst Schuldkindern beziehungsweise ihrer Pausenbroten nachstellen. Sie entziehen sich meist den Forschern, leben in hartem Klima: in den nördlichsten Regionen Russlands, Europas und Amerikas. Sie werfen pro Jahr, in gesichert hohen Schneeregionen, zwei bis drei Junge, die bei Geburt nur wenig über 10 Zentimeter lang und 80 Gramm leicht sind, blind und zahnlos. In einem Jahr sind sie so gross wie ihre Mutter. Im Frühjahr zieht die Familie in tiefere Regionen wegen der grösseren Nahrungsvielfalt um. Die Fürsorglichkeit der Mutter kommt dem von Bären gleich. Die Jungen werden auf Futtersuche und Beutefangen trainiert. Die Mutter hält jeden anderen Beutegreifer auf Distanz. Sie legen sich mit viel grösseren Beutegreifern an, mit Wölfen, Pumas, Luchsen, Bären. Sie, die grösseren und stärkeren, ziehen fast immer den kürzeren. Ausser dem Mensch hat ein Järv nur ein grösseres Wolfsrudel zu fürchten. Oder eine grössere Gruppe von aktiven Herdenschutzhunden. Selbst zwei oder drei Wölfe an einer Beute lassen sich von einem einzelnen furchtlosen und bissigen Järv vertreiben. Nicht ohne Blessuren.

    Mut, Kraft bei grosser Reaktions-Schnelligkeit und enorme Entschlossenheit mit präventiver Aggression macht den Järv sicher. Im Einzelkampf sind sie schneller und wendiger als ihre meist grösseren und stärkeren Gegner, bei äusserster Aggressivität. Nur vor einem ähnlich frechen und respektlosen Vogel haben sie das Nachsehen: Raben, die nie allein sind.

    Järve sind für ihre Grösse ungeheuer kräftig und aggressiv, ihr Gebiss ist überdimensional. Kleine Tiere erlegt der Järv mit Nackenbiss, grossen Tieren springt er auf den Rücken, krallt sich fest, beisst so lange in den Nacken, bis es fällt. Sie kommen überall hin, weil sie auch klettern können.

    Übermächtige Gegner (wie Menschen) blufft das Tier. Sie sind schlau, entgehen den meisten Fallen - nicht, ohne den Köder mitzunehmen. Sie stürzen sich auch von Bäumen auf Rentier- und Elch-Kälber. Sie besitzen einen hervorragenden Geruchssinn, gleichsam ihren Verwandten, den Bären.

    Es sind vornehmlich Aasfresser. Sie fressen aber auch Eier, Larven, aber auch Baumtriebe und Beeren. Sie benutzen mehrere Höhlen für mehrere Zwecke, also nicht nur zur Aufzucht oder als Winterplatz, sondern auch als Rückzugsraum bei Beutezügen. Oder als Ausweichquartier.

    Es sind entgegen bisheriger Annahme keine Einzelgänger. Neueste Forschungsergebnisse besagen, dass sich auch erwachsene Tiere zusammentun, miteinander spielen und jagen. Wahrscheinlich, weil sie sich als Verwandte riechen und daher kennen. Sie führen trotzdem ein Einsiedlerleben, aber weitab von Touristenpfaden.

    Der Järv wandert viel. Er ist ein Inbegriff für Ausdauer und Unruhe. Nur in seiner Abgeschiedenheit konnte ein Beutegreifer wie er jahrhundertelang unbeachtet überleben. Doch die menschliche Zivilisation drängt auch sie zurück. Die scheuen Tiere sind auf dem Rückzug.

    Der Järv ist der grösste und gewichtigste Vertreter der Marder-Unterfamilie Mustelinae. Körperlänge von 65 bis 87 Zentimeter, Schwanzlänge bis 26 Zentimeter, Gewicht 20 bis 35 Kilo.

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