Die meisten Indianervölker Nordamerikas hielten Hunde. Diese, über die hier geschrieben wird, sind nach den Chinook benannt, ein Volk im polaren Nordamerika. Indianer brauchten keine Spezialisten, sondern multifunktionale Typen, die natürlich sehr genügsam sein mussten.
Gebraucht wurden sie zum Schlitten- und daher Lastenziehen für die Jagd, und als Wachhunde und "Umweltpolizei", die Tipis und deren Bewohner vor Mäusen, Ratten, anderen Tieren und feindlichen Stämmen bewahrten. Man weiss nicht viel über den Ursprung dieser - zum Unterschied der anderen Schlittenhunderassen - schlappohrigen, eher schlitten-und-schäferhund-ähnlichen, überproportional kräftigen Hunde. Den Chinooks hallte unter Schlittenhundefans in Europa ein wildromantischer Ruf nach, wie bei allen Indianer-Geschichten, oft unhaltbar, weil lagerfeuer-geboren und mit Whisky verstärkt: Sie würden das Leben ihrer Anvertrauten mit dem eigenen verteidigen. Dieselben Geschichten, die man sich überall über geliebte Haushunde erzählt. Bei den Chinooks kam aber verschärft hinzu, dass man sie bei "Nichterfüllung" dieses Anspruchs wieder an den Züchter zurück geben konnte. Was der dann mit einem solchen Hund machen würde, ist nicht überliefert, aber wahrscheinlich. Europäer vermuteten, die Chinooks seien ausgestorben.Nicht so in Nordamerika. Noch immer geisterte der Ruf dieser Hunde bei den Mushern nach. Arthur Walden, ein Schlittenhundeführer aus Wonalancet in New Hampshire, taufte im Jahre 1917 seinen künftigen Leithund "Chinook". Ein Mischling aus einer der Schlittenhund-Zuchten bei Peary`s Nordpol-Team. "Chinooks" Mutter war eine Grönlandhündin, der Vater ein Mastiff-Bernhardiner-Typ. Die Rekonstruktion eines uralten Hundetyps (heute würde man "Rasse" sagen) war geboren. Walden kreuzte fortan deutsche und belgische Schäferhunde ein, Kanada-Eskimo-Hunde (Grönlandhunden vergleichbar) und andere. So verhalf er dem Neo-Chinook wieder auf die schnellen, ausdauernden Beine. Berühmt wurde Walden auch als Schlittenhundführer bei Admiral Byrd bei dessen Expedition zum Südpol 1927 bis 1929. "Chinook" war ein vergleichsweise grosser Typ, er wog rund 45 Kilo. Er wurde zwölf Jahre alt. Nach seinem Tod wurde die Route 113 A von Tamworth nach Wonalancet inoffiziell in "The Chinook Trail" benannt.
Die Eigenschaften solcher Hunde wollte man bewahren. Die Zucht florierte verständlicherweise. Perry Green war der dominierende Züchter. Einer seiner letzten Hunde, "Erick", wurde elf Jahre alt und wog beachtliche 54 Kilo. Als Green 1963 starb, verabschiedete sich auch die Zucht. Das Guinness Buch der Weltrekorde verzeichnete den Chinook bereits 1965 als die seltenste Hunderasse der Welt. 1981 hatten Freunde wieder elf zuchtfähige Hunde zusammen. 1990 zählte die Chinook-Population wieder 140 Hunde. Der Chinook wurde 1991 beim United Kennel Club (UKC) als Rasse anerkannt.
Kurz-Daten: Schädel breit, ausgeprägter Stop, kurze Hängeohren, kompakter Körper mit langem Rücken (abfallender Rücken ist ein Fehler), Doppelfell mittlerer Länge mit dicker Unterwolle, langer Hals, dunkles Augenpigment bevorzugt, Scherengebiss, Ringelrute, Farben: bevorzugt sind braun-grau-meliert, aber kein Weiss. Ruhiges Temperament. Grösse und Gewichte: Rüden zwischen 58 und 68 Zentimeter und ein durchschnittliches Gewicht von 32 Kilo. Hündinnen zwischen 52 und 63 Zentimeter und rund 25 Kilo. Die Grösse ist weniger entscheidend als die Gesamtqualität. Der andere amerikanische Club, Chinooks Worldwide, gibt für Rüden ein Grössen-Minimum von 63 Zentimetern, für Hündinnen 58 Zentimetern an und ein durchschnittliches Gewicht von 33,5 beziehungsweise 29,5 Kilo an.


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