SERIE GREIFVÖGEL
Teil 1: Die Wiederansiedlung der Bartgeier
Bartgeier, die sich vor allem von Knochen ernähren und eine Flügelspannweite bis zu drei Metern erreichen, wurden in Zentraleuropa vor rund 100 Jahren ausgerottet. Volkes Glaube war, unterstützt von der auch finanziellen Sorge von Hirten um ihre Nutztiere, die riesigen Greife würden Lämmer erlegen (daher die andere Bezeichnung Lämmergeier), Steinwild in den Abgrund treiben und selbst vor Kinderraub nicht zurückschrecken.
Solche Horrormärchen waren es, die diese herrlichen Vögel umbrachten.
Vor gut 25 Jahren wurde das Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen gegründet. Fachleute aus Frankreich, Italien, Österreich, Deutschland und der Schweiz beschlossen am Genfersee, dass junge Bartgeier aus Zoos und Tierparks für die Auswilderung genutzt werden sollen.
Nachdem ein Zuchtprogramm in etlichen europäischen Zoos aufgebaut worden war, konnten 1986 die ersten Bartgeier in Rauris (Österreich) in die Freiheit entlassen werden. Seither sind in vier Freilassungs-Regionen 121 junge Bartgeier in Kunsthorsten ausgewildert worden - und sie fanden sich gut zurecht. Inzwischen haben sich schon mehrere Paare gebildet. 1997 war es dann so weit: Phénix, der erste in der Natur geschlüpfte Jungvogel, flog aus seinem Horst in Hochsavoyen aus. Seither sind 15 Bartgeier in der Natur geschlüpft und ausgeflogen.
Lange galt die Fortpflanzung der Bartgeier unter menschlicher "Glucke" als unmöglich. Bis zu den ersten erfolgreichen Bruten im Alpenzoo Innsbruck gelang es nur dem Zoo von Sofia vor rund 80 Jahren, mehrfach Bartgeier zu züchten. Eines der Hauptprobleme war dabei die schwierige äusserliche Unterscheidung von Männchen und Weibchen. Werden zwei Männchen zusammengesetzt, verhalten sich diese wie ein Paar, nur eben ohne Eier zu legen.
Durch neue Techniken ist die Geschlechtsbestimmung nun aber viel einfacher. Im Projekt werden alle jungen Bartgeier ausschliesslich von Elternpaaren aufgezogen, da die Aufzucht durch menschliche Pflegeeltern zu nicht mehr beeinflussbaren Verhaltensstörungen führt. Erst durch die Mitarbeit von Zoos in ganz Europa wurde das Wiederansiedlungsprojekt durchführbar. Heute brüten in einigen Zoos bereits die Enkel der ersten Bartgeierpaare. Der Zuchtbestand des Projekts umfasst zur Zeit ungefähr 100 Bartgeier.
Bei der Wiederansiedlung von Bartgeiern werden nun zwei Jungvögel mit kleinen Sendern an den Schwanzfedern ausgerüstet. Das ermöglicht die Ortung ihre Streifzüge durch Satelliten-GPS (Global Positioning System). Die Forscher erhoffen sich damit Einblicke in die Lebensweise junger Bartgeier.
Jungvögel, die ausgewildert wurden, fliegen weite Strecken, bevor sie sich ein festes Revier aussuchen. Dies soll nun mit der Satellitenortung verfolgt werden. Nach etwa eineinhalb bis zwei Jahren werden die Vögel die Sender mit der Mauser, der Erneuerung der Federn, verlieren.
Insgesamt werden dieses Jahr acht junge Bartgeier an vier Orten in Italien, Frankreich und Österreich ausgesetzt. Die Stiftung Pro Bartgeier schätzt, dass gegenwärtig etwa 70 freilebende Bartgeier im Alpenraum unterwegs sind, davon in Österreich mindestens 15. Bis eine sich selbst erhaltende Population herangewachsen ist, sind aber weitere Freilassungen nötig.
Weitere Informationen: http://www.bartgeier.ch/unterwegs
2. Folge: Altwelt-Geier
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