Brauchen wir Schutz durch Hunde - und wenn ja, warum und wie?
Schutzhunde-Ausbildung im Zwielicht, aggressive Ausbildung, Kampfhunde-Sucht und -Zucht, Gegner absoluter Gewaltdressur, die anerzogene Angst vor Hunden, die Ignoranz genau davor, die steigende Kriminalität (im Kopf als Ergebnis latenter Gruselsucht und in der Tat) und weiss der Hund, was alles noch für Thesen und Antithesen zum Schutz durch Hunde steckt - das Bedürfnis nach dem schützenden Hund wird steigen.
Der Gesetzgeber schützt durch neue Verordnungen eher die Verbrecher statt die Opfer. Denn wenn eine Frau mit einem Hund von einem Grapscher oder noch schlimmereren Typen angegriffen wird, und der Hund seine Frau verteidigt, werden auch der Hund und sein Mensch angegriffen - vom Ordnungsbeamten, wenn der wirkliche Angreifer diese Hundehalter anzeigt. Dann bekommt der Hund einen Maulkorb und der Angreifer lacht. Er hat das Opfer zum Täter gemacht. Der Hund kann seiner Aufgabe nicht mehr nachkommen.
Die neuesten Vorschriften in deutschsprachigen Ländern, die vor allem in Niederösterreich für Hunde ab - sage und schreibe - 30 Zentimeter Schulterhöhe (also 90 Prozent aller Hunde) teilweise das Maulkorbtragen in öffentlichen Zonen verlangen, verhindern jedoch ein doch auch von allen Parteien verlangte Prävention vor Verbrechen.
Wenn ein Einbrecher vom Hund in der Wohnung oder im Haus geschnappt wird, wird quasi der Hund wegen Beissens zu Maulkorbzwang und eventuell Wesenstest verurteilt. Der Einbrecher darf womöglich noch auf Schadenersatz und/oder Schmerzensgeld hoffen.
Wenn ein Hund seine kleinen Rudelmitglieder (Kinder) vor einem Übeltäter schützt, bekommt der Hundehalter (die Eltern) Ärger mit den Staatsorganen, der Hund einen Maulkorb und beide müssen quasi vor das Wesenstest-Gericht. Der wirkliche Übeltäter macht weiter. Schadlos.
War das alles auch im Sinn der Verordner? Wo leben wir inzwischen?
Dürfen nun die Halter von Nicht-Listen-Hunden sich auf wehrlose (weil Maulkorb-behinderte) Hunde stürzen und den Hund verletzen, sich selbst fast schadlos halten, was zu höherer Aggressionsbereitschaft führen kann, nur weil der eine auf einer Liste steht, der andere nicht? Wobei die asozialen Halter ihren Hund nun auf die gehinderten Listis loslassen. Rache über den Hund?
Sozialkonflikte sind noch nie durch Verordnungen entspannt worden. Hier aber werden wieder mal, weil sich so einfach und wesensfremd anordnen lässt, die Falschen geschlagen. Die können sich nicht wehren.
Im Mittelalter wurden Schweine vors Gericht gezogen, weil mensch ihnen was anhing, was sie gar nicht verstehen konnten, aber einer muss ja hängen. Hat sich an diesem eigennützigen Schuldzuweisungs-Prinzip - ein paar lausige evolutionäre Jahrhunderte später - was geändert?
Was steckt andererseits wirklich hinter einem Wunsch nach einem bestimmten Hundetyp? Ein schon fast kynologisch-philosophischer Denkanstoss mit vielen Fragen und - keiner Antwort. Die müssen Sie sich selber geben - wenn Sie wollen. Wir starten hier einmal einen ganz offenen Austausch, provozieren oder stellen nur Fragen, die keine Meinung der Redaktion wiedergeben. Die sollen Sie äussern. Nur Anstösse wollen wir geben.
Wir können uns aber Energie und einen Nebendiskussionsplatz sparen, wenn wir uns wohl darin einig sind, dass all diese Gedanken immer nur im Kopf des Menschen entstehen, und auch die Taten, die uns auf den Gedanken "Schutz durch Hund" erst bringen. Wir können also darauf verzichten festzustellen, dass diese Art von Aggression nicht vom Hund ausgeht, er immer nur ein Ergebnis seiner Aufzucht ist.
Einverstanden? Konzentrieren wir uns - nicht
esoterisch und nicht suggestiv
) - einmal nur auf das, was ein
Thema ist und sein wird. Und wie Sie es beurteilen.
Thesen und Denk- und Diskussions-Anstösse: Einmal kein abgeschlossener Artikel, sondern mehr Fragen, mehr Behauptungen, egal, ob sie zutreffen oder nicht, egal, wer sich betroffen fühlt oder nicht - und eben: keine Antworten. Eine völlig neue Form?
Nein. Nur eine andere Form, um ein Nachdenken anzuregen, was eigentlich unsere angeblichen Bedürfnisse in dieser Beziehung wirklich darstellen. Manche versteckten Beweggründe sind nur durch gezielte suggestive oder doppeldeutige Provokation auszuleuchten.
Was will der Mensch mit diesem oder mit jenem Hundetyp, warum hat er ausgerechnet diesen gewählt und nicht einen anderen? Warum einen Retriever oder Neufundländer oder einen kleinen Hund, und nicht das weltweite Sinnbild der Verteidigungsfähigkeit und der negativen Wirkung - oder auch ein wenig mehr - wie einen Rottweiler, Dobermann, Mastiff, Pitbull und andere Imagebilder der potenziellen Abschreckung. Ob all diese Images gerechtfertigt sind oder nicht - wir empfinden jedoch sofort bei den Bildern: gut, schlecht, schwarz, weiss.
Ein Schlittenhundfreund denkt gar nicht daran, einen tollen Berserker als Schutzhund haben zu wollen: er will einen Sportkameraden. Mehr nicht. Ein Pudelbesitzer kann an beides nicht denken. Er will was anderes, vielleicht trotzdem einen Hund und kein vierbeiniges Ersatzteddy-Kuschelbärchen. Der eine will einen Fast-Löwen in Hundekampfanzug, weil leicht abrichtbar für welche Zwecke?
Der andere einen Ersatzmenschen, weil ihn sonst keiner umschmeichelt. Was jedoch bei einem oft soldatisch denkenden Hundler nicht anders gestaltet. Nur bei seinem Hund kann er sich noch martialisch durchsetzen. Wenigstens der tut, was man brüllt. Warum aber?
Die Weichen oder die mit den kleinen Hunden (ach ja, die Schosshunde!) werden von jenen (die mit den Fast-Kriegs-Hunden) fast verachtet, die den Hund als Ersatz für fehlende persönliche Eigenschaften betrachten und gebrauchen? Manche als Statussymbol für entgangenen Rambo-ich-löse-alle-Problem-Images?
Man kleidet sich in der Welt der Marketing- und Image-Bilder gern mit diesem oder jenem Hunde-Image. Manche bewusst, manche unterbewusst. Früher brauchte man einen Hund für gezielte Aufgaben. Heute oft nur noch für vorgeschützte Aufgaben.
Kann ein Mensch, der einen bekannt und imagemässig gutmütigen Hund, am besten einen kleinen, hat, ein aggressiver sein? Würden Sie drauf reinfallen? Wissen Sie, welche Hunde Mehrfachmörder oder brutale Profikiller wirklich haben? Abgesehen von der wahrscheinlichen Möglichkeit, dass sie überhaupt Hunde haben.
Sehen Verbrecher immer so aus wie in den Märchen und heute in den verdummenden Medien (es gibt auch andere Informationsquellen, wir haben auch hier die Wahl; viele lassen sich gern verdummen)? Sind Hunde, die "gefährlich" aussehen, wirklich so?
Wie beurteilen Sie "Gefährlichkeit" bei Hunden auf den ersten Blick? Durch Vorurteile? An was machen Sie diese Angst fest? An äusseren Merkmalen? Lassen Sie sich so leicht verführen wie im Fernsehen: der Verbrecher ist immer ... ja - wie isser denn? Haben Sie sich schon manipulieren lassen von den Klischees? Wie in der Werbepsychologie? Keiner gibt es zu, aber es funktioniert?
Das Urteil liegt oft fest, bevor wir eines Besseren belehrt werden. Wie erleichtert tut wir dann doch alle, wenn sich dieses tierische Abziehbild als höchst sozial, zugänglich, liebenswert, ja weniger aggressiv herausstellt als just genauso falsche Bilder des umwerfend zahnlosen kindergeilen Knuddelbären - ebenso fatal missverstanden.
Ob die Kaufmotive für diesen oder jenen Hundetyp denn nur menschlich sind, vorgeschützt, aus tatsächlichen Erlebnissen entstanden, oder nur aus angeblichen, um niedere Instinkte der Aggression zu rechtfertigen?
Jeder hatte die Wahl. Aber er wählte diesen oder jenen Typ. Welche wahren Motive steckten dahinter? Keiner möge sich ertappt fühlen, denn es könnten ja, trotz latent eingetrichtert schlechten Gewissens, richtig soziale und - sogar gutmütige - Gründe sein.
Wer immer nur von sich und seinen - wie auch immer begründeten - Verhältnissen und Vorstellungen ausgeht, wird den anderen nicht verstehen (wollen). Welcher Retriever-Besitzer würde einen Pitbull wollen, welcher Rottweilerfan einen Pudel, welcher Schäferhundler einen Irish Wolfhound, welcher Huskyfreak einen Dalmatiner, welcher Chihuaha-Liebhaber einen Cocker und so weiter und umgekehrt.
Was treibt uns eigentlich zu diesem und nicht dem anderen Hundetyp? Verschont von diesem Fragenkomplex sind jene, die mehrere höchst unterschiedliche Hundetypen respektieren oder gar besitzen. Aber lassen Sie sich mal diese Fragen und Behauptungen durch den Kopf gehen. Manipulieren können Sie sich schliesslich selber. Und sie können lächelnd ehrlich sein - es sieht ja keiner.
Zum Schluss: Die Gewaltbereitschaft steigt, dazu brauchen wir keine kriminologischen Studien mehr. Was hilft dabei, sich davor zu schützen - vor der Angst und vor der tatsächlichen Gefahr?
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