• Hunde in TV und Film

    Der Deutsche Schäferhund "Rin Tin Tin" war in den 30er Jahren der erste bekannte Filmhund, der Langhaar-Collie "Lassie" der zweite. Daraus wurde eine never ending Story. Benji, Boomer, Beethoven, Rex, um nur wenige zu nennen. Die Folgen für die hundlichen Stars sind jedoch mitunter schlechtes Kino.

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    Kino ist viel an diesem Geschäft. Lassie hiess in Wirklichkeit "Pal", er war ein Rüde. Weil das Drehbuch für den ersten Film "Heimweh" vorschrieb, dass Lassie eine Hündin zu sein hatte, zog ihm sein Besitzer und Trainer während der Dreharbeiten einen künstlichen Pelz über, um seine männlichen Geschlechtsorgane zu vertuschen.

    In diesem ersten Lassie spielte eine gewisse Elisabeth Taylor mit. Durchbruch zum Weltstar dank Collie.

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    Ein späterer männlicher, Tom Hanks, brach wie sein sabbernder Bordeaux-Doggen-Filmpartner in "Scott und Huutsch", ebenfalls in den Weltruhm auf.

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    Lassie-Züchter Robert Weatherwax machte mit seinen Langhaar-Collies das Geschäft seines Lebens. Er übernahm es in den 40er Jahren von seinem Vater. Unzählige Generationen von "Lassies" folgten.

    Tiere verkaufen sich gut, in Film als Partner oder Hauptdarsteller, im Fernsehen als Serienhelden oder Familien-Requsite, in der Werbung sollen sie Emotionen anssrechen für die sehr menschlichen Produkte.

    Der Fluch solcher Popularität ist auch bekannt, aber nur den Hundefreunden: Ganze Rassen wurden versaut durch die Kauflust nach dem Motto "me too, ich will auch so einen Hund". Und die meisten Züchter rochen ein Einkommen, dank dieser Idole auf vier Beinen. Sie sorgten für Nachschub auf ganzer Linie, mit un- und in-züchtigen Mitteln. Es war schliesslich ja nur die äussere Erscheinung getreu dem berühmten Vorbild gefragt. Dazu kommt, dass viele Züchter damit ihre Werbung machen und Käufer anlocken. Futtermittelhersteller propagierten bestimmte Hundetypen. Die wahren Verursacher dieser Niedergänge ganzer Rassen sind jedoch immer die Käufer.

    Den Preis für menschlichen Ehrgeiz und Geltungssucht haben nur die Tiere gezahlt. Nicht unbedingt die Stars, wie wurden als Geldbringer gehätschelt, aber die "Stellvertreter", die hatten es auszubaden. Filmtiertrainer sind die Vorturner dieser Projektionen.

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    Karl Lewis Miller, 62, soll einer der besten Tiertrainer Hollywoods sein. Seine Tochter Teresa Ann, 38, hat von ihm gelernt und brachte "Kommissar Rex" in Wien auf die richtige Spur. Zwei Miller-Hunde haben mit Michael Douglas in "The Game" gespielt. Teresa Ann erklärte Jack Nicholson auf dem Set für "Man Trouble" wie das Leben eines Hundetrainers aussieht. Und so weiter, ihr Geschäft läuft. Und das der anderen Filmtier-Trainer auch.

    Die Millers führen 47 Hunde als Filmdarsteller, teilweise aus Tierheimen. Karl Lewis glaubt, aus "Dankbarkeit" würden sie besonders engagiert seinen Weisungen folgen.

    "Beethoven", normal Stanley, viereinhalb, war knapp ein Jahr alt, als Miller den Bernhardiner kaufte. Ur-Beethoven "Chris", der Fans in den gleichnamigen Filmen erfreute, war schon zehn, und ist nun in Rente. Unter den Nachfolge-Kandidaten an kurz- und langhaarigen Bernhardinern galt Stanley als der geeignetste für den fünften "Beethoven"-Film.

    In anderen Zwingern warten schon zwei jüngere Bernhardiner als Reserve - wie immer im Filmgeschäft, wenn der Star mal unpässlich sein sollte und die Produktion deshalb nicht angehalten werden kann.

    "Kommissar Rex", nunmehr seit fast zehn Jahren Kino-Banditen jagend, ist auch nicht mehr jener Orginal-DSH, dem die Züchter aus Ingolstadt "Reginald von Ravenhorst" in die Papiere schrieben. Teresa Ann Millers nannte First Rex "Beejay".

    Beejay kostete "Animal Action", die Firma der Millers, den normalen DSH-Preis von damals rund 1 000 Mark. Als "Rex" verdiente er seinen Besitzern rund 30 000 Mark Gage pro Folge. "Rhett Butler" ist sein Nachfolger.

    Der Wettbewerb in diesem Genre ist daher umkämpft. Millers dominieren dieses Geschäft. Teresa Ann trainierte auch die Bordeaux-Dogge für die TV-Serie "Körner & Köter". Miller hat für Walt Disney in der ganzen Welt gearbeitet.

    Nicht alle Tiere sind so leicht abzurichten für Tricks und Gags, allesamt unkynologisch vermenschlichend, wie Hunde. Im Gegensatz zu Hunden, die ihren Trainern per Futtertrieb hörig sein müssen (andere, selbstständige und nicht devote Hunde sind da befreit, weil untauglich), verhalten sich "Katzen wie Frauen", wie Karl Miller meint: "Man muss sie erobern und manipulieren". Hunde sind wohl billiger: feines Futter reicht oft.

    Wie machen sie das bloss? Zur Erinnerung: Pawlow experimentierte mit Hunden, indem ein Glockenton gleichzeitig mit der Fütterung tönte und den Tieren pünktlich der Speichel im Maul zusammenlief - ohne den Geruch. In der Welt der Tiertrainer ertönen keine Pawlowschen Glocken, sondern ein "Clicker"-Gerät. Da geht das Dressieren viel schneller. Clicker ist eine Erfindung für Show- Dressuren.

    Peitsche und Schreierei sind laut Miller, der seine Karriere als Hundetrainer beim Militär begann, lange vorbei. Als er vor 40 Jahren deutsche Schäferhunde dressierte, waren noch Dressurplatz- übliche Kommandotöne angesagt. Der Einsatz der Tiere vor der Kamera, soll aber von den Hunden "nicht als Arbeit, sondern als Spiel empfunden werden". Denn am nächsten Drehtag müssen sie wieder bellen, Ganoven beissen, Brötchen klauen, über Autos springen, dürfen dabei nicht mit der Rute wedeln, weil sie ihren Tiertrainer hinter der Kamera mit Leckerli erspähen.

    Spot und Spott

    Nicht nur TV-Serien oder Filme bringen den Besitzern und Trainern Geld, auch viele Werbespots, denn in der Werbung kann auf den Hingucker und Drüsendrücker Hund nicht verzichtet werden, vor allem, wenn die Zielgruppe aus Kindern besteht.

    Im Internet wird denn auch tüchtig geworben für diese Hunde. Beispiel "Repertoir Jasper", ein Border Collie. Was er denn so alles können soll - Zitat:

    "Aus Entfernung: Sitz, Platz, Steh, Down (Kopf im liegen ablegen), Bleib, Komm Kurzes Bellen, anhaltendes Bellen (auf Handzeichen) Gegenstände apportieren, Gegenstände aufheben und anderswo ablegen (zum Beispiel Waschmaschine befüllen) Verletzter Hund (mit erhobener Pfote gehen), Toter Hund, winken, schämen Ins Hosenbein beissen, schwimmen, liebt Wasser, fährt Boot Rolle, Drehen, Diener machen, Männchen machen, Pfote geben, rückwärts gehen, Eingetrübte Strecken laufen, lässt sich voraus schicken Öffnet Türen, Tonnen, Mülleimer, Schubladen, läuft durch Röhren und über hohe Brücken Suchen: schnüffelt auf der Erde, buddelt, stupst Gegenstände mit der Nase an und /oder kippt diese um Liebt Kinder, geht ganz natürlich mit Schauspielern mit, keine Probleme bei dichter Kameraführung, agiert mit anderen Tieren, kein Jagdtrieb All dies beherrscht Jasper auf Kommando, sowie nach Vortraining auch komplexe Abläufe. Er verknüpft mehrere Handlungsabläufe miteinander, wie zum Beispiel die vier Kommandos Zeitung aufheben, um eine Badewanne rennen, Pfote auf den Wannenrand legen und die Zeitung hineinwerfen."

    Ende des Werbetextes.

    Dass das zum Teil - die halbwegs hundegerechten Kunststückchen, nicht die vermenschlichten - auch andere Hunde können, wissen wir auch. Auch Eigenschaften, die wie "kein Jagdtrieb" beweisen, dass diese Eigner auch nicht mehr von Kynologie verstehen als Nichtfilmhundehalter.

    Nur steht dahinter kein monetärer Ehrgeiz, der nicht selten auf Kosten der Hunde geht. Wie immer in solchen Fällen, die vom Einkommen durch Leistungen anderer Abhängiger profitieren.

    Wie sehr diese Hunde auch im Privatleben gehätschelt werden, damit sie den Besitzerin und Trainern ihren Lebensunterhalt satt sichern, ist nur mit typischem Gesellschaftsverhalten zu verstehen.

    Deutsche Trainer

    Es gibt keine offizielle Ausbildung. Wer Filmtiertrainer werden will, sollte zuvor eine Ausbildung als Tierpfleger, Tierarzthelfer, Pferdewirt oder ähnliches absolvieren. Der Tiertrainer Joe Bodemann bildet auch Tierpfleger aus, aber auf einen Ausbildungsplatz kommen rund 500 Bewerbungen. Der Niedersachse und gelernte Tierheilpraktiker Joe Bodemann zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Filmtiertrainern in Europa. In über 1000 Film- und Fernsehproduktionen hat er Tiere eingesetzt.

    Joe Bodemann leitet Europas erfolgreichste Schauspielschule für Tiere. Tiere sind Joe Bodemanns Leben. Eine ungewöhnliche Karriere ist aus dieser tiefen Zuneigung entstanden. Im niedersächsischen Meine betreibt der 48jährige Trainer erfolgreich eine Schauspielschule für Tiere.

    Löwe Ken ist, gelinde gesagt, unlustig. Mürrisch gibt der Held zahlreicher Kinofilme zu erkennen, dass er momentan rein gar nichts von seinem Können demonstrieren möchte.

    Joe Bodemann spricht mit sanfter Stimme zu dem ehrfurchtgebietenden Muskelberg: "Komm her, Ken, ist ja fein." Da wirft sich der "König der Tiere" wie ein Hund auf den Rücken, lässt sich von seinem Trainer den Bauch kraulen. Dann verlangt Panther Kevin, bekannt aus der TV-Werbung einer Reifenfirma, nach Zuwendung: Der in freier Wildbahn so scheue Einzelgänger schnurrt behaglich beim Striegeln.

    "Keine Dressur steckt dahinter", versichert der 48jährige, der in Meine die erfolgreichste Schauspielschule Europas führt. Seine Schüler sind seit 19 Jahren Tiere, die in mehr als 700 Film-, TV- und Werbeproduktionen mitgewirkt haben. Das Erfolgsrezept: "Ich erziehe mit Liebe statt mit Gewalt - meine Schützlinge danken es mir mit perfekter Zusammenarbeit."

    Bereits 1969 machte sich der Hüne mit dem markigen Gesicht mit einer Hundeschule selbständig. "Eine schwierige Zeit war das damals. Am Anfang sagten alle: Der spinnt doch, so klappt das nie."

    Auch Bodemann hatte sich vorgenommen, Vierbeiner mit Liebe und Belohnungen zu erziehen: "Kein einfacher Weg, die Meinung zu durchbrechen, dass Hunde schneller gehorchen, wenn sie Strafen angedroht bekommen. Doch wenn man die Seele des Tieres erkennt und die Erziehung daran anpasst, ist der Erfolg grösser und andauernder."

    Hunde, Katzen und Vögel sind beliebtes Beiwerk in vielen deutschen TV-Produktionen. Ob Labrador-Hündin "Biene" in der TV-Serie "girl friends" Kuchen vom Teller schnappt, Bobtail-Mischling "Jake" mit den "SK Babies" über die Strasse hetzt oder ein Rudel Wölfe in der neuen RTL-Verfilmung von "John Sinclair" Grusel verbreitet - jeder erwartet von den Tieren, dass sie perfekt agieren. Das heisst: Die Szenen müssen auf Anhieb im Kasten sein, um Drehkosten zu sparen.

    Film- und TV-Produktionen der Filmtiertrainer Harsch: Forsthaus Falkenau, Tierarzt Dr. Engel, Marienhof, Die Fallers, Ein Bayer auf Rügen, Dr. Stefan Frank, Unser Charly, Kaspar Hauser, Asterix und Obelix, Adelheid und ihre Mörder, Tatort, Der Clown, Die Wache etc. Ausserdem diverse Musik-, Werbe- und Video-Clips, Naturdokumentationen und Fernsehauftritte u.a. bei: "Stern-TV", "Glücksspirale", "Gottschalks Hausparty", "Arabella", "Hans Meiser", "Vorsicht Kamera" und weiteren Magazin-Sendungen.

    Schauspieler und Hunde haben eines gemeinsam: Sie sind es gewohnt, auf Befehle zu hören - auf die des Regisseurs oder die des Herrchens. Trotzdem haben beide ihren eigenen Kopf. Wenn sie bei einem Filmdreh zu individuell auftreten, kann beim Schauspieler schon mal grosse Kunst herauskommen. Doch wenn der Hund nicht das macht, was er soll, dann zieht sich der Drehtag in die Länge. Das kostet Geld. Deshalb werden immer gut trainierte Filmhunde gesucht.

    Casting

    So wie beim grossen Hunde-Casting am Sonnabend im Filmpark Babelsberg. 15 Herrchen oder Frauchen, die in einem mehrstündigen Wettkampf darum kämpften, dass ihr vierbeiniger Liebling in die Vermittlungsliste der Filmtieragentur Simbeck aufgenommen wird, um vielleicht der nächste "Kommissar Rex" zu werden. Kurz: ein Filmstar.

    "Wir bekommen ständig Anrufe von Leuten, die wissen wollen, wie sie ihren tollen Hund beim Film unterbringen können", sagt Liane Nowak, Sprecherin des Filmparks Babelsberg. Also wurde die Idee vom Casting geboren. So wie bei echten Schauspielern müssen die Hunde ihr Können vor einer fachkundigen Jury präsentieren. "Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich 300 Hundehalter", sagt sie. Gerhard Harsch, der Filmtiertrainer des Filmparks, wählte die besten 15 für das Casting aus. Sie reisten aus Berlin, Potsdam, aber auch aus Leipzig, Köln oder dem österreichischen St. Pölten an.

    Aus der Alpenrepublik kam Nero, ein siebenjähriger Schäferhund-Collie-Mischling, mit seinem Herrchen Erich Zauchinger. "Die Cousine meiner Frau hat von dem Casting im Frühstücksfernsehen erfahren", sagt der 64-jährige Pensionär, "sie hat uns überredet." Die Bewerbung sollte nur ein Gag sein, doch Nero erhielt eine Einladung nach Potsdam. "Ich erhoffe mir eigentlich gar nichts", sagt er. "Es ist doch eher ein grosser Spass."

    Doch in der Vorrunde gehen Nero und sein Herrchen sehr konzentriert vor: Zauchinger gibt die Befehle: Sitz, bleib, komm, Bellen, Stöckchen holen. Und Nero hört. Er kann alle zehn klassischen Übungen. Als Kür zeigen sie noch zwei Kunststückchen. Nero spaziert eine Leiter entlang und holt die Zigaretten des Herrchens. Das macht zwölf von zwölf Punkten und somit Platz eins der Vorrunde.

    Im Finale treten die besten Hunde beider Runden gegeneinander an. Jetzt müssen die Hundehalter ihren Tieren Befehl per Handzeichen aus der Entfernung geben. Wie beim Film darf der Halter nicht im Sichtbereich der Kamera stehen, und seine Befehle sollen auch nicht zu hören sein. Nero kann das - er war immerhin mal Wiener Meister. Dann soll er sich auf die Seite legen und tot spielen. Harsch, der Tiertrainer, gibt den Tierarzt und untersucht Nero. Auch das klappt. Nero ist ein ganz guter "toter Hund". Doch dann soll er auf die Kommandos eines Fremden hören, auf die von Harsch. Aber Nero will nicht. Er guckt immer wieder zu seinem Herrchen. Und als ihm alles zu viel wird, rennt er zu ihm hin. Das war s. Es reicht nur für den vierten Platz.

    Das Casting gewinnt Arco, ein Golden-Retriever und ausgebildeter DRK-Hund. "Der bekommt in den nächsten zwei Monaten von uns eine Filmrolle vermittelt", sagt Filmtiervermittler Walter Simbeck.

    Bezeichnendes Statement einer Casting-Fachfrau: "Kinder machen mehr Probleme bei den Aufnahmen als Hunde." Wieso? Kids kann man doch auch beclickern!;-(

    Werbefachleute stellten, fest, dass Hausfrauen und Hausmänner am aufmerksamsten sind und "innehalten", wenn (menschliche) Säuglinge im Fernsehen gezeigt werden. Aber gleich danach rangieren junge Hunde, die hellfarbig sein und sympathisch rüberkommen müssen.

    Wie eben die realsatirische Welt auf den Glücksbringer Hund kommt. Alles Kino.

    Wer es mag und eine hinreichend gute Internet-Verbindung hat, möge sich zum Abschluss eine witzige (?) Hundeszene anschauen. Hier geht es zum dog1.mpg