Die sehr umstrittene, selbsternannte Tierrechtsorganisation Peta hat in vielem absichtlich überzogen und musste viele Aktionen zurücknehmen. Dennoch hat Peta einige Missstände aufgedeckt. Nun wieder, dass US-Futtermittelhersteller Iams (Eukanuba) - trotz aller früheren Beteuerungen - weiterhin ein Labor beauftragte, das tierquälerische Versuche vornimmt.
Nach einem früheren Tierversuchs-Skandal um den US-Konzern Colgate-Palmolive, zu dem der Futterhersteller Hill`s gehört, ein neuer Fall, beziehungsweise die Fortführung eines alten?
Iams und Procter & Gamble sollen laut Peta im Oktober 2001 nach einem Treffen im Peta-Büro in Norfolk, USA, versprochen haben: "Wir werden unsere Vorschriften dahingehend verstärken, dass sie sehr spezifische Anweisungen zu Schmerzbehandlung und Sozialisierung enthalten, mit dem Ziel, selbst geringe Schmerzen zu beseitigen und für die Hunde und Katzen eine bereicherte Umgebung zu schaffen." Peta führt dazu Auszüge aus der umfangreichen Korrespondenz mit Iams an.
Nach Peta soll der Konzern daraufhin die Forschungspolitik von Iams revidiert und erklärt haben: "Wir werden eine humane Behandlung von Katzen und Hunden gewährleisten und für das Wohlergehen, die Sozialisierung und die Haltung der Tiere auf eine Art und Weise Sorge tragen, die mit der Philosophie des Unternehmens übereinstimmt, so dass eine umfangreiche Pflege stattfinden wird. Wir werden keine Studie finanzieren oder daran teilnehmen, die die Euthanasie von Katzen oder Hunden erfordert oder zum Ergebnis hat."
Auszüge aus dem Iams-Statement vom 8. Juni 2001 zum Artikel, der am 27. Mai 2001 in "Sunday Express" erschien:
Ein kürzlich im Sunday Express erschienener Bericht ist ungenau und enthält irreführende und sensationsheischende Behauptungen über Grausamkeiten an Tieren. Diese falschen Interpretationen haben uns erschüttert. Hier sind die Fakten: 1. Das Unternehmen Iams hat die definitive und bindende Entscheidung getroffen, keine neuen Studien in Erwägung zu ziehen oder finanziell zu unterstützen, die die Tötung von Hunden und Katzen erfordern.
Wir haben diese Entscheidung vor zwei Jahren getroffen, da wir durchgreifende Fortschritte zur Förderung der Tiergesundheit ohne derartige Studien erzielen konnten, nachdem einige wichtige Ergebnisse bereits vorlagen und neue alternative Forschungsmethoden entwickeln worden waren ( z.B.: MRI = Magnetfelduntersuchungen an Knochen und Gelenken).
Wir haben bereits zu Beginn unserer ernährungswissenschaftlichen Arbeiten zur Förderung der Tiergesundheit Forschungsprojekte an Tiermedizinischen Hochschulen der nordamerikanischen Universitäten unterstützt. In dieser Forschungsarbeit wurden grundlegende Fragen zur Tiergesundheit geklärt. Aufgrund dieser Ergebnisse ist es uns gelungen, zahlreiche Erkenntnisse zu gewinnen, zu denen auch folgende ernährungswissenschaftliche Fortschritte gehören:
Nierenerkrankungen bei Hunden und Katzen, für die wir spezifische Produkte entwickelt haben, die ausschließlich auf tierärztliche Verschreibung erhältlich sind. Diese Nahrungsmittel bewirken eine erhebliche Verbesserung in der Lebensqualität von Katzen und Hunden mit Nierenversagen, eine chronische und tödlich verlaufenden Krankheit, von der 15 % der Hunde und 25 % der Katzen betroffen sind. Entwicklung des Knochenbaus, der gerade bei Hunden großer Rassen wichtig ist, wo schmerzhafte und schwächende Knochenentwicklungsstörungen bei bis zu 40 % der Welpen auftreten können.
Seit dieser Entscheidung haben wir nirgendwo in der Welt derartige Studien durchgeführt. Wir wussten, dass einige langfristige Forschungsprojekte noch nicht zu Ende geführt waren. Diese wurden inzwischen abgeschlossen und die Datenanalyse wird fortgesetzt, da die Informationen einen beträchtlichen Beitrag zu besseren Erkenntnissen im Bereich der Haustiergesundheit leisten.
Bei unserer Arbeit haben wir uns stets durch einen strengen Ethik-Kodex leiten lassen, dessen Bestimmungen über die hohen Standards des amerikanischen Tierschutzgesetzes und des US-Landwirtschaftsministeriums hinausgehen.
2. In dem Zeitungsartikel werden übliche tierärztliche Maßnahmen in unnötig emotionaler Form beschrieben. Zum Beispiel: Die Entnahme einer Hautprobe - ein üblicher Diagnosetest in der Human- und Tiermedizin - wurde in dem Artikel als "regelmäßig zugefügte Brust-verletzungen" beschrieben. Die Verabreichung eines in der Tiermedizin üblichen Impfstoffes wurde als "injiziert mit Lebendviren-Impfstoffen" bezeichnet. Das Füttern von Katzen mit einer fettarmen Nahrung wurde als "verhungern" beschrieben.
3. Auch andere führende Tiernahrungshersteller haben jahrelang Studien finanziell unterstützt. Iams macht seine Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich, damit andere Forscher dazu beitragen können, die Gesundheit und das Wohlergehen von Hunden und Katzen zu fördern, ohne Forschungsprojekte zu wiederholen. Bei den Iams Ernährungs-Symposien treffen sich regelmäßig Experten aus 80 Universitäten und 136 Veterinärkliniken aus über 40 Ländern, die anschließend das erworbene Wissen zu Hause in ihrer Praxis anwenden. Es wurde nie versucht, die Tatsache zu vertuschen, dass diese Forschungsarbeit stattgefunden hat. Sie wurde vorgestellt, veröffentlicht und ist seit 12 Jahren der Öffentlichkeit zugänglich. Alle ernährungswissenschaftlichen Studien mussten äußerst spezifische Kriterien erfüllen."
So weit die Stellungnahme von Iams zu den damaligen Vorwürfen.
Auszüge aus den neuen Vorwürfen:
Peta wollte nun wissen, wie es in einem Iams-Forschungslabor aussieht. Eine Mitarbeiterin war bei einem Versuchslabor, das für Iams arbeiten soll, angestellt. Sie berichtete nun. Peta zeigt auch Videoaufnamen als "Beweise". hundezeitung.de veröffentlicht Auszüge aus dem Peta-Text:Was sagt Iams nun dazu?
hundezeitung.de fragte am 8. April per Mail die deutsche Niederlassung von Iams, was sie zu den Peta-Vorwürfen zu sagen haben. Am 10. April bezog Iams Deutschland zu den Vorwürfen Stellung. hundezeitung.de hat aber die rein werblichen Behauptungen aus diesem Statement entfernt - es bleiben noch genügend drin, aber da mag jeder selber werten:
"Iams beendet die Zusammenarbeit mit unabhängigem Tierforschungszentrum Wir haben am 27. März 2003 bekanntgegeben, dass alle Forschungsaktivitäten mit einem unabhängigen Unternehmen in den USA beendet wurden, und dass eine vollständige Untersuchung dieser Forschungsaktivität durchgeführt wird.
Iams erfuhr am 25. März 2003, dass Ernährungsstudien, die für Iams in diesem Unternehmen durchgeführt wurden, die strikten Unternehmensrichtlinien für Forschungsaktivitäten verletzt haben sollen. Am 26. März führten wir einen unangekündigten Besuch in diesem Unternehmen durch, um die Forschungsreihen und das Wohlbefinden der Hunde und Katzen in diesem Unternehmen zu überprüfen.
Obwohl dieses Unternehmen kürzlich eine staatliche Inspektion ohne negativen Befund durchlief (USDA, FDA und Association for the Assessment and Accreditation of Laboratory Animal Care), entsprach sein Standard nicht unseren strengen Richtlinien. Wir entschieden daraufhin, unsere Forschungsaktivitäten mit diesem Unternehmen sofort zu beenden.
‚Unser Ziel ist es, das Wohlbefinden von Hunden und Katzen kontinuierlich zu verbessern,' sagt Jeffrey P. Ansell, Präsident von Iams. ‚Unsere Forschungsrichtlinien sind sehr klar und repräsentieren Standards, die sehr hoch und in der Industrie führend sind. Diese Richtlinien müssen unbedingt erfüllt werden. Wir werden unmenschliche Behandlung von Tieren in unserer Obhut nicht tolerieren, dies gilt auch für unabhängige Unternehmen, mit denen wir zusammen arbeiten.'
Zur Zeit arbeiten wir daran, alle 19 Hunde, die in dem unabhängigen Institut für Metabolismus-Studien (Stoffwechsel-Studien) eingesetzt wurden, in eine Iams-eigene Forschungsstätte umzusiedeln."
So weit die original zitierten Auszüge. Nun darf man sich fragen, wieso Iams nicht selbst seine Subunternehmen kontrollierte und erst durch fremde Informationen darauf kommen, um eine Zusammenarbeit einzustellen? Und wie lasch müssen die Richtlinien sein, damit man sie im Auftrag an Subunternehmen unterlaufen werden können? Und wer garantiert nun, dass es in den Iams-Forschungslabors ohne quälende Tierversuche abgeht? Warum muss Peta zum zweiten Mal nachprüfen, obwohl schon nach dem ersten Fall derartige Versicherungen von Iams abgegeben wurden?
Paul Iams gründete 1946 die Firma in Ohio. Er war Tierernährungswissenschaftler.
Damit keine Schadenfreude ausbricht: Es ist aus wiederholten Fällen nicht auszuschliessen, dass auch andere Futtermittel-Konzerne oder deren Tochter- oder Mutterfirmen mit tierschändlichen Methoden arbeiten. Eine gesunde Skepsis und Wachsamkeit gegenüber allen Beteuerungen ist weiterhin angesagt.


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