• Tiersammler - Neurotiker benutzen Tiere

    Ein nur wenige Monate zurückliegender Fall - und nichts Neues, die Fälle werden sich jedoch häufen: Das Tierheim in Madrid und andere spanische Rettungsorganisationen (Rescues) mussten auf einen Schlag 158 Hunde plötzlich unterbringen und versorgen. Die Tiere stammen von einer Hundesammlerin, sind bis auf nicht absehbare Zeit nicht vermittelbar, zum Teil schwer verletzt und traumatisiert. Nicht nur Hunde, auch Katzen und andere Tiere werden gesammelt, und zwar überall. Was führt solche Menschen dazu, Tiere an sich zu raffen, ausser Egoismus mit der scheinheiligen Argumentation der Tierliebe - die wieder mal als Motiv herhalten muss?

    Es geht hier mal wieder weniger um die Tiere als solche, sondern um Auswüchse selbsternannter "Tierfreunde", die jedoch psychisch krank sind. Mit Schrulligkeiten kann man dies nicht mehr abtun. Die Formen dieser neurotischen Störungen sind fliessend, kein Patient wird dies erkennen oder gar zugeben, damit er die Tiere loslässt. Er braucht sie für sich, für seine Krankheit. Dass die Mehrheit dieser Kranken, die sich an Hunden und Katzen bedienen, weiblichen Geschlechts sind, wie mehrere Studien belegen, ist sicherlich aus einem fehlgesteuerten mammophilen Versorgungstrieb abzuleiten.

    Die Zahl der Tiere, die solche Menschen sammeln, ist nicht ausschlaggebend für den zunächst harmlosen Begriff des Sammelns, das Motiv des Beisichhabenwollens ist es, denn ein Tier macht immer nur den Anfang.

    Zum ersten sind sie schon in die psychologische Kategorie des Sammlers einzuordnen, denn Sammlern aus Leidenschaft ist es zunächst egal, welche Dinge es sind. Die Krankheit macht also keinen Unterschied, was gesammelt wird. Erst in zweiter Linie verschreiben sie sich vermeintlichen Liebhabereien.

    Im Unterschied zu jenen, die Dinge oder gar Lebewesen lieben können, ohne sie gleich kaufen und besitzen zu müssen, sind die Sammler just von den Besitzzwängen ergriffen. Ethisch macht es dann schon einen Unterschied, ob man Lebewesen sammelt oder nur Gegenstände. Die Krankheitsformen driften dann, wenn man Lebewesen wie Gegenstände ansieht und behandelt. Die meisten dieser Tiersammler haben bereits jeden Realitätssinn verloren. Beim Heimtier aber kommt oft der Ausgleich an erheblichem Sozial- und Emotionsmangel als erwünschtes Ziel dazu. Tiere sind hier Mittel zum Zweck.

    Diese Störung wird zumindest in den USA ganz offiziell als Krankheit betrachtet, auch die Therapie wird von Krankenkassen bezahlt.

    Zur Psychologie der Sammel- und Verwahrlosungs-Krankheiten

    Dieser Abschnitt ganz nur eine sehr grobe Zusammenfassung dessen sein, was die hier Gemeinten an Krankheitsbildern aufweisen. Er erklärt aber, dass diese Extreme eben keine blossen Schrulligkeiten sind, zumal, wenn sich die Kranken Tiere als Opfer aussuchen.

    Neueste Erkenntnisse zur Sammelwut: Die menschliche Sammelleidenschaft sitzt tief. Menschliche Sammler sind nicht anders als Hamster oder Eichhörnchen. Vor einer halben Million Jahren haben unsere Vorfahren nachweislich angefangen, Vorräte für die Winterzeit oder für Dürreperioden anzulegen. Wer das ordentlich gemacht hat, hatte eine bessere Chance zu überleben als andere.

    Wer als Sammelleidenschaftlicher dies nicht mehr auf Lebensnotwendigkeiten konzentrieren, sucht ein Ventil: statt Lebensmittel zum Beispiel Briefmarken, Tassen oder Modellspielzeuge. Nicht mehr gewöhnlich ist das Beispiel des jungen Geschäftsmanns, dessen Wohnung auf den ersten Blick normal aussieht - bis auf die Kartons. Kartons, die sich bis unter die Decke stapeln und auftürmen. In den Kartons sammelt der Mann Zeitungen, Zeitschriften, Briefumschläge. Penibel geordnet, handschriftlich mit dem Sammeldatum versehen. Er muss sich durch Karton-Stapel wühlen, um ins Bett zu gelangen.

    Schuld ist der präfrontale Cortex. Eine Arbeitsgruppe der Universität Iowa unter der Leitung von Hirnforscher Steven Anderson hat Extrem-Sammler untersucht. In Intelligenz- und Gedächtnistests schnitten die Sammler normal ab. Erst durch Kernspin-Tomographie fanden die Forscher den Grund für die krankhafte Sammelwut. Die Kranken weisen Schäden auf an einem Teil des Gehirns, dem präfrontalen Cortex (Stirnlappen), der hinter der Stirn sitzt, oberhalb der Augenhöhlen.

    Bekannt war, dass er zwar für das Gefühlsleben wichtig ist, doch auch eine wichtigte Rolle für das komplexe Denken spielt. Anderson und seine Mitarbeiter sind überzeugt, dass er auch den Sammeltrieb in geordneten Bahnen hält. Sie Sammelwut selbst ist jedoch angeboren. Wenn jedoch ein bestimmter Bereich des rechten Stirnlappens verletzt ist, etwa durch eine Gehirntumor-Operation, dann gerät der Sammeltrieb mitunter komplett aus den Fugen.

    Der präfrontale Cortex ist jener Bereich der Grosshirnrinde, der die Willensentscheidungen steuert.

    Es gibt kein Mittel gegen die Sammelwut. Viele Zwangsneurosen kann man mit Verhaltenstherapien bekämpfen. Bei der Sammelwut geht das noch nicht.

    Unter dieser Sammelwut genannten Störung leiden auch diese Tiersammler.

    Syndrom aus Sammelwut und "Messie Syndrom" (Vermüllungswahn)

    Besonders schlimm, gerade wenn die Kranken Tiere sammeln wie buchstäblich verrückt, ist die Kombination mit dem Vermüllungswahn, genannt Messie Syndrom.

    Der Begriff Messie ist abgeleitet von dem englischen "mess", was man mit "Chaos", "Unordnung" übersetzen kann. Messies, sagt die Essener Psychologin Gisela Steins, befinden sich in einem Teufelskreis, aus dem sie schwer herauskommen. Sie hat mehrere Jahre lang in verschiedenen Forschungsprojekten Messies befragt und festgestellt, dass sie eine geringere Frustrationstoleranz gegenüber unangenehmen Tätigkeiten haben. In Deutschland leben nach Schätzungen des Berufsverbands Deutscher Psychologen etwa 1,8 Millionen Menschen mit dem Messie Syndrom.

    Beim Diogenes-Syndrom handelt es sich um eine Erkrankung bei Menschen, die durch Sammeln und Horten ihre Wohnung unbewohnbar machen. Müll wird nicht entsorgt, Pflege vernachlässigt. Sie bringen besonderes Misstrauen gegenüber den Mitmenschen zum Ausdruck. Angebotene Hilfen werden abgelehnt. Sie sind in ihrer Lebensgeschichte sehr selbständige Menschen. Der Tod eines Lebenspartners wurde bei einer Untersuchung (Stranski) als Auslösefaktor herausgefunden. In der Mehrzahl waren der Studie zufolge die Patienten weiblichen Geschlechts und über 60 Jahre alt, der Hang zur Selbstisolation war bereits vorhanden.

    Diogenes wird die Krankheit genannt, weil der alte Grieche sein Erscheinungsbild vernachlässigte. Als Schlafplatz dienten ihm Tempel und Säulenhallen, vor allem auch das berühmte Weinfass. Er lebte aber nicht isoliert, sondern in der Öffentlichkeit. Er vertrat die Philosophie der Kyniker.

    Eine weitere verwandte Form dieser Krankheiten, die oft über Heimtiere manifestiert wird, ist das Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom, eine vielschichtige Krankheit, die sich selbst erklärt. Der Mangel an Aufmerksamkeit durch andere wird über abhängig gemachte (oft regelrecht gefangene) Tiere kompensiert.

    Fazit:

    Durch sozialpsychologische Ängste wird die Zahl dieser Neurotiker zunehmen. Keiner der Patienten all dieser psychisches Störungen vermag seine Krankheit zu erkennen oder gar selbst zu therapieren. Sie brauchen fachliche Hilfe.

    Vielfach glauben sie, all diese Tiere, deren sie oft mit Lockmitteln habhaft werden können, retten zu müssen - nur ist dies ein konstruiertes Argumentationsgebilde, eine phantasierte Projektion, die in eine Zwangsvorstellung mündet: Sammelwut. Die Folgen haben wirkliche Tierschützer auszubaden, abgesehen von den tierlichen Opfern.

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