• OCD ist im Kommen - und fast keiner will es wahrhaben

    Erst wurde die Hüftgelenksdysplasie (HD) ignoriert, dann erkannt und langsam bekämpft. Jetzt ist eine noch grössere Gefahr im Anrollen und wird - wie bei der HD - weitgehend ignoriert: Die Erbkrankheit Ocheochondrose (OCD) wird derzeit unter den Tisch gekehrt. Es ist eine Entwicklungsstörung beim heranwachsenden Hund, bei der Knorpelablösungen in Gelenken entstehen.

    Eine Mail an die Redaktion: "Ich habe gelesen, das der Zuchtverband der Hovawarte die HD durch Zuchtverbote seit 1965 in den "Griff" bekommen hat. Dies war mir bekannt, da wir auch seit Mai 2004 eine Hovawart-Hündin haben. Der Verband berichtet hierüber ja auch ausgiebig. Beim Kauf unserer Hündin wurden wir mit dem Thema OCD konfrontiert. Wir hatten nie etwas von dieser Krankheit gehört. Außerdem hatten wir unseren Hund ja bereits seit sechs Wochen ausgesucht. Im Oktober 2004 wurde unsere Hündin an einer Schulter OCD operiert. In der Zwischenzeit haben wir uns im Internet über OCD "schlau gemacht". Unter anderem haben wir erfahren, das es durch zu hochwertigem Welpenfutter zu dieser Krankheit kommen kann. Eine zu große Bewegungsbelastung während der Wachstumszeit haben wir ihr nicht zugemutet. Wir haben nach Züchterangaben Welpenfutter gefüttert, und hätten dies wahrscheinlich auch weiter gefüttert, wenn nicht durch diese OP, und somit Gespräche mit verschiedenen Ärzten stattgefunden hätten. Die Fütterung haben wir umgestellt. Der Wurf besteht aus acht Welpen, wovon vier Hunde betroffen, und zwei Hunde bereits operiert wurden. Ein Hund davon an beiden Schultern und Ellenbogen! Wir waren in der ersten Zeit auf dem Ausbildungsplatz der Hovawarte, wo wir dann auch erfahren haben, das in der Linie des Vaters OCD ist. Auf unsere Frage, warum der Hund nicht aus der Zucht genommen wird, haben wir u.a. die Antwort bekommen, wenn wir alle Hunde aus der Zucht nehmen, haben wir bald kein Material mehr zum Züchten! Von meiner Züchterin (reine Privatzucht, nur ein Wurf) bekomme ich immer die Antwort: "Ich habe keine Schuld". Mir geht es hier nicht um eine Schuldzuweisung, sondern einfach mal um eine Klärung dieser Lage. Kann man die OCD durch Zuchverbot in den Griff bekommen?"

    Was ist OCD?

    Ein gut verständlicher Beitrag der Koryphäe Dr. Franz Gutbrod über Osteochondrose ist hier zu finden.

    Allein schon die "Schuldzuweisung" auf das zu hochproteinige Welpenfutter, wodurch es zu dieser Krankheit kommen kann, ist schlicht Kundenverdummung - wenn die Verkünder solchen Unsinns nicht gar selber dran glauben. Eine Erbkrankheit kommt nicht durch falsches Futter. Sie kann aber durch vielerlei falsche Massnahmen gemildert oder gesteigert werden. Das ist aber zweierlei.

    Die Hovawartzüchter müssten es doch wissen, denn sonst hätten sie die HD seinerzeit nicht durch rigorose Zuchtauslese so "in den Griff" bekommen. Und bei OCD geht's nun plötzlich nicht mehr?

    Wenn diese alberne Ausrede, wenn wir alles so streng aussieben würden, könnten wir ja gar nicht mehr züchten, in die Tat umgesetzt würde, könnte man die meisten Erbkrankheiten in den Griff kriegen. Nur: sie wollen es nicht. Dies gilt aber für viele Züchter.

    Wenn das "Material" denn so mies ist, höre ich als guter Züchter einfach auf zu züchten. Oder ich sorge dafür, dass es besser wird, das "Material".

    Dieses Jammern von geldgierigen Züchtern ist ein Schlag ins Gesicht jener Züchter, die wirklich gegen solche Erbkrankheiten und für rigorose Zuchtzulassungen kämpfen.

    Nebenbei sollten sich die betroffenen Halter mal nicht ins Bockshorn jagen lassen von solchen "Mir-doch-egal"-Haltungen wie dieser Züchterin, die sehr wohl schuldig ist. Wer denn sonst? Sie züchtete mit erbkranken Tieren.

    Zumindest würde ein guter Züchter die Kosten der OP übernehmen.

    Es gibt eine klare Gewährleistungspflicht für "Mängel". Das gilt auch für Züchter. Nur traut sich bisher kein Halter. Wenn dies mal ins Rollen käme, würden solche Sprüche wie die oben zitierten von Züchtern, denen die Zuchtgesundheit nur auf dem Papier wichtig ist, schnell fallen.

    Alle reden noch von HD, und manche träumen noch davon, was sie vermeintlich im Griff hätten, doch sie ignorieren OCD. Die ist schwer im Kommen. Es merkt anscheinend nur der Hund und der betroffene Halter.

    Es wird so kommen wie seinerzeit bei der HD. Die Funktionäre blocken ab, kehren unter den Tisch, und dann, wenn es populär wurde wie früher die HD-Befallsrate beim Deutschen Schäferhund (der dabei nicht allein und nicht mehr führend ist, siehe die amerikanische Selbstkontrolle OFA, die alles, was sie freiwillig bekommt, veröffentlicht) - dann ist das Jammern gross. Auch da wusste man es besser und vertuschte es.

    Das wird bei der OCD genauso kommen. Das "Kind" ist bereits in den Brunnen gefallen. Ganz wenige Züchter wissen dies und - was wichtiger ist - sie nehmen betroffene Tiere aus der Zucht. Aber das sind wie üblich rühmliche Ausnahmen. Die meisten Züchter machen skrupellos weiter und ihre Funktionäre kehren mit grossen Besen unter grosse Teppiche.