• Was ist ... Ektropium, Entropium? Fortsetzung der Augenheilkunde von Tieraugenklinik Dr. Jens Fritsche

    (Fortsetzung der Augenheilkunde von Tieraugenklinik Dr. Jens Fritsche)



    Ektropium


    Das Ektropium oder auch Hängelid ist eine Lidfehlstellung, bei der das Unterlid nicht
    straff am Augapfel anliegt, sondern nach vorn und unten weghängt. Verursacht werden kann
    es durch eine Bindegewebsschwäche, eine zu grosse Lidspalte aber auch durch Narbenzug
    nach aussen.



    Bei Rassen wie zum Beispiel Dogge, Basset und Clumber Spaniel tritt es durch das weniger
    straffe Bindegewebe gehäuft auf. Je nach klinischer Ausprägung ist eine operative
    Korrektur nötig.



    Entropium


    Unter Entropium oder auch Rolllid versteht man das Einrollen von Teilen oder dem ganzen
    Lidrand, so dass die behaarte Haut auf der Bindehaut und der Hornhaut zu liegen kommt.
    Dadurch ergeben sich je nach Ausprägung geringe bis starke Schmerzen,
    Hornhautentzündungen und -verletzungen.



    Man kann verschiedene Typen von Rolllidern unterscheiden. Das angeborene Entropium kann in
    Zusammenhang mit einer zu kleinen (zum Beispiel Chow Chow, Bullterrier) oder zu grossen
    Lidspalte (zum Beispiel Bernhardiner, Clumber Spaniel), sehr tiefliegenden Augen auf Grund
    einer - im Vergleich zum Augapfel - zu grossen Orbita (Augenhöhle) (zum Beispiel
    Dobermann), starker Faltenbildung (zum Beispiel Shar Pei) oder einer spastischen
    Komponente (zum Beispiel Rottweiler) auftreten.



    Das erworbene Entropium entsteht zum Beispiel durch Narbenzug, lang anhaltenden Lidkrampf
    oder Verlust der Lidspannung durch Erschlaffung des Muskeltonus. In den meisten Fällen ist
    eine operative Korrektur nötig.









    Dermoid


    Das Dermoid ist eine embyonale Missbildung, bei der Hautgewebe versprengt wird und auf dem
    Auge (entweder auf der Bindehaut oder/und der Hornhaut) festwächst. Je nach Ausprägung ist
    entweder nur eine Pigmentierung - ähnlich einem Leberfleck - zu sehen oder aber ein
    richtiges kleines Fell. Einzig mögliche Therapie ist die operative Entfernung.

    Bei verschiedenen Rassen (zum Beispiel Dackel, Deutscher Schäferhund) ist das Dermoid
    erblich.



    Distichiasis


    Die Distichiasis ist die Anwesenheit von Härchen (Distichien) im Bereich des Lidrandes,
    der normalerweise haarlos ist. Die Haare kommen aus den Öffnungen der Meibom`schen Drüsen.
    Diese Drüsen sind modifizierte Haarbalgdrüsen, die normalerweise die Fähigkeit, Haare zu
    bilden, verloren haben.



    Die klinischen Erscheinungen, die durch die Distichiasis verursacht werden, sind abhängig
    von der Position, der Menge und der Härte der Distichien. Unter Umständen kann es nur eine
    leichte Reizung sein, aber auch schmerzhafte Hornhautentzündungen (Keratitis, Erklärung
    folgt demnächst) oder -verletzungen.



    Bei folgenden Rassen tritt die Distichiasis unter anderen gehäuft auf: Amerikanische und
    Englische Cocker Spaniel, Bulldog, Pekingese, Yorkshire Terrier, Flat-Coated Retriever,
    Sheltie, Pudel, Grosser Schweizer Sennenhund, Eurasier.



    Verschiedene Operationstechniken werden zur Entfernung der Distichien angewandt. Welche am
    besten geeignet ist, muss individuell entschieden werden.



    Ektopische Zilie


    Die e. Z. ist eine Sonderform der Distichiasis. Das Haar dringt nicht, wie bei den
    Distichien, durch den Ausführungskanal der Meibom`schen Drüsen an die Oberfläche, sondern
    bohrt sich durch die Bindehaut. Ektopische Zilien verursachen einen starken Schmerz und
    häufig Verletzungen der Hornhaut.





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