2. Teil: Der hundekrankengymnastische Befund
Der Befund den der Hundekrankengymnast beim ersten Besuch des neuen Hundepatienten aufnimmt ist ein wichtiges Kriterium für die eigentliche Behandlung. Es besteht zwar selbstverständlich eine tierärztliche Diagnose aber Weitere, für den Hundekrankengymnasten und die Behandlung relevante Dinge, müssen durch den Befund abgeklärt werden.
Die Hundebesitzer sollten für den Anfangsbefund etwas Zeit mitbringen. Eine sehr ausführliche Anamnese (Krankengeschichte) und Inspektionen des Hundes werden durchgeführt. Ein Behandlungsplan wird dann durch Auswertung des Befundes erstellt.
Während und nach einer Behandlungsreihe werden Zwischenberichte angefertigt, um Veränderungen im Krankheitsbild und in der Schmerzlage des Hundes zu erkennen.
Zum Ende einer Behandlungsreihe wird ein Abschlussbefund durchgeführt, um Veränderungen (positive, neutrale und negative Ergebnisse) des Hundes zu verdeutlichen.
Ein hundekrankengymnastischer Befund sollte immer schriftlich festgehalten werden, da sich kein Therapeut alle relevanten, wichtigen und zuerst scheinbar unwichtigen Details merken kann, weiterhin können nur so, auch noch nach Wochen, Veränderungen jeglicher Art erkannt werden.
Ein hundekrankengymnastischer Befund gliedert sich also grob in drei Anteile: Anfangsbefund (Finden der Problematik, Wichtig bei jedem neuen Hundepatienten, nur hiernach kann ein Behandlungsplan erstellt werden) Hundekrankengymnastischer Behandlungsplan (Erstellen der erfolgversprechendsten Behandlungsmaßnahmen, Festlegen des angestrebten Behandlungsziels) Zwischen- und Abschlussbefund (während und nach einer Behandlungsreihe (6 oder 10 Behandlungseinheiten), um Verbesserungen und Verschlechterungen zu erkennen und um gegebenenfalls Änderungen in den Behandlungsmaßnahmen durchzuführen)
Die Anamnese, die Befragung des Hundebesitzers, ist ein sehr wichtiger Punkt in einem Befund. Im weiteren Verlauf des Befundes geht es um verschiedene Untersuchungen, die der Hundekrankengymnast an dem Vierbeiner durchführen sollte.
Inspektion in Ruhe und Tastbefund
In der "Inspektion in Ruhe" betrachte ich den Hund im Stand und im Sitz von der Seite, von vorne und hinten. Alle Auffälligkeiten werden erkannt und notiert. Die Kopf- und Wirbelsäulenhaltung, die Stellung der Gliedmaßen, das Gewicht in Relation zur Größe, die Muskulatur und der Zustand von Fell, Haut und Krallen wird beurteilt. Weiterhin wird der jetzige Bewusstseinszustand des Vierbeiners betrachtet. Ist der Hund apathisch, aufmerksam, temperamentvoll, ängstlich, zurückhaltend oder auffallend ruhig?
Bei dem Tastbefund (Palpation) wird das Tier bestenfalls im Stand untersucht. Für den Hundekrankengymnasten sind die Gelenke, die Muskulatur, die Knochen und die Haut- und Fellbeschaffenheit aussagekräftige Komponenten. Auch die Schmerzlage des Hundes ist von Bedeutung. Zeigt er Berührungsempfindlichkeiten in bestimmten Körperregionen?
Ein Tastbefund ist für den Hund zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, da es oftmals eine neue Erfahrung für das Tier dargestellt.
Gangbefund
Im Gangbefund wird der Hund in verschiedenen Tempi beurteilt. Ich schaue mir den Hund in Bewegung von vorne, hinten und von der Seite an. Beachtet werden der Bewegungsablauf des Hundes, Ausweichmechanismen und Lahmheiten. Auch beurteile ich die Koordination und den Gleichgewichtssinn des Hundes. Interessant sind weiterhin die Stellungen des Hundes im Sitz und Platz und die jeweiligen Transferbewegungen.
Zusätzliche Befunderhebungen
Leidet der Hund unter einer Erkrankung der Nerven (z. B. Bandscheibenvorfall) wird zusätzlich ein neurologischer Befund erhoben. Hierbei werden die Koordination, die Reflexe und die Sensibilität beurteilt.
Ein Atembefund wird dann durchgeführt, wenn der Hund eine Herz- oder Lungenerkrankung hat. Atemrhythmus, Atemfrequenz, Körperhaltung und Atemgeräusche sind relevante Punkte.
Untersuchung der Gelenke
Bei der Untersuchung der Gelenke wird der Bewegungsausschlag erfasst. Weiterhin muss man während der Untersuchung auf Schmerzen des Hundes achten, auf Schwellungen der Gelenke und auf Bewegungsgeräusche (Krepitationen).
Der letzte Punkt im Befund ist die Versorgung des Hundes mit Hilfsmitteln. Dies können ein Rollstuhl, ein Tragegurt, eine Einstiegshilfe für das Auto oder eine Futternapferhöhung sein.
Sollte noch keine Hilfsmittelversorgung vom Hundebesitzer eingesetzt werden, helfen dahingehend wertvolle Tipps des Therapeuten das Leben des Hundes qualitativ zu verbessern.
Kontakt: Deutsche Ausbildungsstätten für Hundekrankengymnastik www.dahp.de Nächste Folge: Entstehen von Muskelverspannungen
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© bei der Autorin 8/2003


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