Therapiehund
Von Jana Kämpfer
In der letzten Zeit hört man häufig etwas über "tiergestützte Therapie" mit Hunden oder über Hundebesuchsprogramme in sozialen Einrichtungen. Aber was ist darunter eigentlich zu verstehen?
Dazu möchte ich gerne ein paar Gedanken aus meiner langjährigen Erfahrung als Ergotherapeutin mit Therapiehund und Hundetrainerin wiedergeben.
Durch den Kontakt mit einem Hund kann der erkrankte / behinderte Mensch oder
Heimbewohner neue Impulse erfahren. Dies bedeutet für den betroffenen Menschen
oft eine immense Motivationssteigerung, um sich mehr mit der Umwelt und mit sich
selbst auseinanderzusetzen. Dabei wirkt der Hund durch seinen Anblick, den
Körperkontakt, der Kommunikation und der Interaktion fördernd auf den Menschen.
Dieses Phänomen ist der Schlüssel für den Erfolg eines
tiergestützten-therapeutischen Einsatzes oder eines Hundebesuchsprogrammes.
Grundsätzlich muss man zwischen Therapie- und Besuchshund unterscheiden:
Ein Therapiehund wird dabei gezielt in einer herkömmlichen Behandlung
wie unter anderem Psychotherapie, Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Heilpädagogik eingesetzt. Er "arbeitet stundenweise unterstützend als Co-Therapeut", ist ansonsten normaler Familienhund des Therapeuten.
Ein typisches Beispiel für die therapiehundgestützte Ergotherapie ist das Kind Tom. Er vermeidet jede Berührung mit ungewöhnlichen Materialien und zu Personen. Der Kontakt mit einem Therapiehund hat für Tom einen so hohen Aufforderungscharakter, dass er "dem Hund zuliebe" viele verschiedene Sachen
anfasst und sich zu gemeinsamen Aktivitäten, wie das Suchen des Balles in einer
Bohnenkiste motivieren lässt. Zusätzlich entsteht durch gemeinsames Spielen
automatisch Körperkontakt, da der Hund immer wieder die Nähe des Kindes sucht.
Ein "Besuchshund" dagegen geht mit seinem sozial-engagierten Besitzer
(Besuchsdienstler) regelmässig in verschiedene Einrichtungen wie Senioren-,
Kinderheime oder Kliniken, um Bewohner oder Patienten zu besuchen. Dabei werden keine therapeutischen Anwendungen eingesetzt, sondern Spielen, Knuddeln, Bürsten, Spazierengehen und Gespräche mit dem Hund.
Bei beiden tiergestützten Aktivitäten finden aber ähnliche "therapeutische
Effekte" wie Blutdrucknormalisierung, erhöhte Endorphineproduktion, allgemeine Antriebssteigerung, Förderung der motorischen und geistigen Fähigkeiten, Auseinandersetzung über das Medium "Hund" mit der Umwelt, Strukturierung des Wochenablaufes, Erlernen neuer Kommunikationsformen, Stressabbau, Ablenkung von Schmerzen, Erlernen von sozialem Verhalten, Erleben von unverfänglichen Körperkontakt statt.
Der Hund ist als "therapeutisches Medium" besonders geeignet, da er einfühlsam, anpassungsfähig ist, sucht Kontakt, kann durch Mimik und Körpersprache kommunizieren, geniesst gemeinsame Aktivitäten mit den Menschen, fordert zur Kontaktaufnahme auf.
Bevor ein geeigneter Hund als Therapiehund oder Besuchshund eingesetzt werden
kann, muss er und sein Therapeut / Besuchsdienstler eine gründliche Ausbildung
absolvieren. Denn der angehende Therapie- oder Besuchshund muss lernen, ungewöhnliche Bewegungen, Geräusche, Gerüche, Berührungen, diverse Hilfsmittel, verschiedene Behinderungserscheinungen und Therapiemittel zu tolerieren.
Der Therapeut bzw. Besuchsdienstler muss sich unter anderem Kenntnisse aneignen; wie der Hund gezielt eingesetzt werden kann, welche Möglichkeiten und Grenzen bei tiergestützten Einsätzen bestehen. Und er muss sich Grundwissen über die bestehende rechtliche Situation, sowie über das Lernverhalten und die Stresszeichen des Hundes erwerben. Die Ausbildung dieser Hunde und ihrer Besitzer dient nicht nur der inhaltlichen Gestaltung eines hundgestützten Einsatzes, sondern auch dem Schutz des Hundes.
Dazu habe ich jeweils ein spezielles Ausbildungskonzept für tiergestützte Aktivitäten erarbeitet, in denen ich meine Erfahrungen als tiergestützte Ergotherapeutin und Hundetrainerin für Familien- und Servicehunde einbringe. In diesen Kursen hat sich die Notwendigkeit der Schulung des Therapeuten / Besuchsdienstler und seines Hundes jedesmal als sinnvoll erwiesen. Denn hier soll mehr Sicherheit und Kompetenz erlangt werden, da man später in seinem Einsatzbereich in der Regel meist im Mittelpunkt aller Anwesenden steht.
© bei der Autorin 8/ 2001
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