Suche in der HZ
Newsletter bestellen:
Über 50 Artikel in der Rubrik "Ausbildung":


Die ersten Tage mit dem Welpen
Die ganze Grundausbildung
Techniken bei der Grundausbildung / Praxistipps
Tipps und Tricks bei Unarten
Hunde Begegnungen
Begegnungs Training

Weiterbildung
Sport- und Spezial- Ausbildungs- Programme

Übersicht
Missverständnisse und Essenz des Clickerns
Apportieren
Tabakspürhunde
Signalhunde (Hearing Dogs)
Wasserarbeitshund
Lawinensuchhund
Touren-Schlittenhund
Schlittenhund- Sport
Ausbildung zum Rettungshund
Zughunde
Minensuchhunde
Fährtenhunde
Mantrailing
Therapiehunde
Schimmelpilz - Spürhunde
Blindenführhunde
Erste Kontakte mit dem Blindenführhund
"Batcane" versus Blindenführhund
So sollte Agility sein
Der Agility Parcour
Lure Coursing für Hetzhunde
Herdenschutzhunde
Koppelgebrauchshund
Diabetes- und Hormon-Spürhund
Waschmaschinen- Hilfshund


Kooperative Tests - die bessere Alternative

BH Grundsätze
BH Praxis

Serie: Schutzhund, Mondioring & Co.

Teil 1: Einführung
Teil 1a: Wehrtrieb
Teil 2: Was ist Mondioring?
Teil 3: Spezial- Sicherheits- Training für Objekte und Personen (STOP)

Serie: Hundeschulen

Einführung und Testbericht 1
Testbericht 2
Testbericht 3
Testbericht 4
Testbericht 5
Testbericht 6
Testbericht 7
Testbericht 8
Hundeschulen: die Qual der Wahl

Serie: Lerntheorien der Psychologie

Teil 1: Grundlagen
Teil 2: Konditionierung; Reflexe, Reize, Reaktionen
Teil 3: zentralnervöse Vorgänge bei der Konditionierung
Teil 4: Operante Konditionierung
Teil 5: Die vier Arten der Verstärkung und Bestrafung der operanten Konditionierung
Teil 6: Diskriminative Stimuli
Teil 7: Prägung

So klappt das mit dem Hund:

Schleppleinen Training
Blinde Hunde selber grundausbilden
Hund taub - was nun?
Wärmehaushalt beim Training




Signalhunde (Hearing Dogs)

Von Jutta Steffens-Carter

In Grossbritannien wurde der wohltätige (ausschließlich von Spenden getragene) Verein "Hearing Dogs for Deaf People" 1982 ins Leben gerufen - vor allem durch das Engagement von Lady Wrigth, Vizepräsidentin des Royal National Institute for the Deaf (RNID) und Tierarzt Bruce Fogle, aufgrund des Erfolgs der "Hearing Ears" (hörende Ohren) der amerikanischen Humane Association.

Der erste ausgebildete Hund "Favour" wurde von "Dogs Trust" ausgesucht und gespendet. Dieser Hund war sozusagen Vorführhund und ermöglichte erst das Interesse von allen Seiten und die Bereitschaft zu finanzieller Unterstützung.

Hearing Dogs lernen während des intensiven Trainings in einem der Ausbildungszentren, bestimmte Geräusche anzuzeigen: zum Beispiel Wecker, Eieruhr, Türglocke, Telefon oder das Schreien eines Babys. Wenn eines dieser Geräusche ertönt, wird der Hearing Dog 'seinen' Menschen aufsuchen und diesen mit der Pfote berühren. Fragt der Mensch dann "Was ist los?", bringt der Hund ihn zum Geräuschursprung. Bei Gefahranzeigern, wie Rauchmelder oder Einbrecher-Alarm, legt der Hund sich nach der Pfotenberührung in Sichtweite seines Menschen hin.

Der 'typische' Hearing Dog ist ein kleiner Mix vom Tierheim oder von einer Tierauffangstation (Pound) oder ein ungewollter Haushund/Familienhund. Der Hund muss nicht physisch gross sein für diese Arbeit, aber aufmerksam, voller Enthusiasmus, sozialisiert und in allen möglichen Situationen entspannt sein. Es gibt auch grosse Hearing Dogs und natürlich auch "reinrassige", unter anderem ein Leonberger, ein Chinesischer Nackthund sowie ein Deutsch Kurzhaar. Das Geschlecht der Hunde spielt auch keine Rolle, aber alle sind kastriert.

Um als Hearing Dog qualifiziert zu werden, muss der Hund drei Trainingsschritte durchlaufen und bestehen: Sozialisierungstraining, fortgeschrittene Geräuscharbeit-Ausbildung und Ausbildung im Haus des zukünftigen 'Arbeitgebers'. Der erste Schritt wird bei freiwilligen "puppy socialisers" (ehrenamtliche Welpensozialisierer) durchgeführt, wo der Hund alle möglichen Situationen des täglichen Lebens kennenlernt, einschließlich Verkehr, grosse Menschengruppen, laute Geräusche/Krach und Tierarztbesuche. Die Sozialisierer besuchen mit ihren Welpen Trainingskurse im Ausbildungszentrum, um sicherzustellen, dass die frühen Ausbildungseinheiten gut vonstatten gehen.

Der zweite Schritt, fortgeschrittene Ausbildung in Geräuscharbeit, dauert vier Monate. Während dieses intensiven Kurses lernt jeder Hund, aufgrund bestimmter Geräusche den Trainer, später eben 'seinen' Menschen, aufmerksam zu machen. Jeder Hund wird individuell für die Bedürfnisse seines ausgesuchten gehörgeschädigten Menschen ausgebildet.

Die Hunde werden auf die bereits angeführten Geräusche konditioniert - auf das Ertönen zum Beispiel des Weckers erhält der Hund sein Lieblingsleckerchen / wird mit dem Hund sein Lieblingsspiel gespielt, bis er bei dem Geräusch von sich aus tätig wird, woraufhin das Anstupsen mit der Pfote beigebracht wird. Viele der Hunde bringen sich sozusagen selbst später beim Zusammenleben mit ihrem gehörgeschädigten Menschen noch das Anzeigen weiterer, für ihren Menschen wichtiger Geräusche bei.

Der letzte Schritt der Ausbildung findet im Hause des ausgesuchten "Nutzniessers" statt. Diese Ausbildungseinheit dauert ungefähr drei Monate. Einer der Ausbilder arbeitet mit Hund und seinem Menschen im neuen Zuhause und in den nahegelegenen Geschäften, auf der Arbeit des neuen Menschen und auf Spaziergängen.

Wie helfen die Hearing Dogs nun "ihren" gehörgeschädigten Menschen? Shi Tzu Budgie-"Nutzniesserin" Tracy Lewis dazu: "Wenn ich jetzt mit Budgie, der seinen ‚Hearing Dogs for the Deaf People'-Mantel trägt, werde ich nicht mehr unwirsch zur Seite geschubst, weil ich nicht gehört habe, dass mich zum Beispiel jemand überholen will. Durch ihn werden die Leute darauf aufmerksam gemacht, dass ich nicht hören kann, und Leute bleiben eher mal stehen, um mit mir zu kommunizieren. Das hat mir mehr Selbstvertrauen gegeben. Er hat mich auch in einem Café auf das Ertönen des Rauchmelders aufmerksam gemacht, die Leute im Café waren sehr beeindruckt - Budgie auch aufgrund all der erhaltenen Leckerchen!"

Eine andere Hörgeschädigte, Felicia Walton, über ihren Hund: "Benji ist ein wirklich wundervoller Hund. Die Zeit, die wir zusammen verbringen, ist so glücklich und erfolgreich. Benji geht mit mir überall hin. Er weckt mich auf, macht mich auf das Telefon aufmerksam und auf die Türklingel und holt, wenn nötig, Hilfe. Am wichtigsten ist, dass er mich warnt, wenn Feueralarm losgeht. Heute ist es unglaublich, dass Benji einmal ein ungewolltes kleines Häufchen im Tierheim war. Wie kann ich meine Dankbarkeit in Worte fassen für all die Leute, die bei der Ausbildung meines exzellenten Hearing Dogs geholfen haben und meine Freude, Glück und mein Gefühl der Sicherheit in Worte fassen?"

Als hörender Mensch habe ich viele der Probleme nie 'gesehen'. Türklingel und Feueralarm - gut, das schon, aber nie das im ersten Zitat angesprochene 'zur Seite geschubst werden' und auch nicht die Unsicherheit, etwa nicht mal zum Beispiel vom Herd wegsehen zu können, weil man ja nicht hören kann, ob die Milch anfängt, überzukochen. Letzteres zeigen manche Hearing Dogs nach einer Weile des Zusammenlebens auch an.

In Deutschland werden diese Hunde wohl gewöhnlich "Signalhunde" genannt und werden auch dazu ausgebildet, anzuzeigen, wenn jemand den Namen der Person ruft, sowie dafür, anzuzeigen, wenn ein Auto hupt oder das Martinshorn erklingt.

In England werden diese Hunde von einem gemeinnützigen Verein ausgebildet und die Hunde werden dem gehörlosen Menschen kostenlos überlassen. In Deutschland leider nicht, hier werden diese Hunde von gewerblichen Hundetrainern ausgebildet und verkauft.

Übersetzung einer Pressenachricht von Hearing Dogs for the Deaf über "Kenny":

Der kleine Shi Tzu Kenny war einer der Stars auf der diesjährigen Crufts. Nicht im Ausstellungsring, sondern bei der Demonstration der Hearing Dogs im "special events" Ring.

Und was soll daran so besonders sein? Nun, vor nur fünf Monaten war er einer von über 240 Tieren, die die RSPCA aus einem Haus in Carnforth in Cumbria gerettet hat.

Als Karyn Brown, Hunde-"Prüferin" für Hearing Dogs for Deaf People, sich einige der geretteten Hunde angesehen hat, war sie sofort von zwei Hunden, Ernie und Amber, überzeugt: "Obwohl sie in einer unbekannten Umgebung waren, konnte man ihre freundliche Natur erkennen. Sie kamen hervorragend mit den Tests klar und waren offensichtlich sehr menschenorientierte kleine Hunde, was genau das ist, wonach wir suchen, wenn wir potenzielle Hearing Dogs prüfen".

Sie brachte Amber und Ernie zum Hearing Dogs Trainingszentrum in Buckinghamshire, so dass sie sofort zu den ehrenamtlichen "Sozialisierern" gebracht werden konnten. Während dieser Zeit hatte Ernie das Glück, vom Kennel Club gesponsort zu werden und wurde deshalb zu deren Ehren in "Kenny" umbenannt.

Vor ein paar Wochen begann Kenny sein Geräuschtraining. Sein Ausbilder, Ben Sargeant, erklärt, wie er klarkommt: "Kenny ist erst seit kurzer Zeit in Ausbildung, aber er hat schon gelernt, mich durch Pföteln auf ein Geräusch aufmerksam zu machen. Er hat auch das erste Geräusch richtig 'verstanden', nämlich den Wecker. Kenny hat dieses Geräusch sehr schnell gelernt, weil er dafür aufs Bett springen darf und dann wird gekuschelt und er darf dann eine Runde im Bett schlafen. Und für ihn ist der Sprung aufs Bett schon etwas, bei den kurzen Beinen."

Kenny lernt nun das zweite Geräusch, die Türklingel. Wenn jemand an der Tür klingelt, dann rennt Kenny so schnell er kann dorthin. Wenn allerdings schon länger geübt wurde, dann kann es laut Ben vorkommen, dass Kenny sich auf halbem Weg zur Tür hinlegt und so tut, als ob er schliefe!

"Kenny ist ein unglaublicher lustiger Hund zum Ausbilden - er bringt mich immer zum Lachen" gibt Ben zu. "Nachdem er auf das Bett gesprungen ist, um mir den Wecker anzuzeigen, schmeisst er sich wieder vom Bett. Er schmeisst sich überhaupt sehr viel rum. Wenn er die Treppe runterläuft, dann lässt er die letzten zwei Stufen aus und wirft sich von der dritten Stufe ab runter."

Kenny war einer von zehn Welpen und Hunden, die das Crufts-Publikum als wichtiger Teil der Vorführungen der Hearing Dogs for Deaf People beeindruckt haben. Vor dem grossen Tag hoffte Ben sehr, dass Kenny keinen Blödsinn machen wird: "Ich habe das dumpfe Gefühl, dass Kenny allen die Show stehlen wird - und das sollte er auch. Aber wenn er am Rennen teilnimmt, ist er wahrscheinlich derjenige, der pfuscht!"

Bens Ahnungen wurden Wirklichkeit. Das Publikum liebte Kenny und er hatte sogar seine eigene Photosession mit dem Kennel Club, wofür er es sich in einem Koffer voller Falschgeld bequem machte.

Kenny hat noch ein paar Monate Ausbildung vor sich, bevor er mit seinem gehörlosen Menschen nach Hause darf - als qualifizierter Hearing Dog.

Ohne Sponsoren für alle die Hearing Dogs könnte dieser Wohltätigkeitsverein keine Hunde mehr ausbilden und nicht mehr über 140 ausgebildete Hunde pro Jahr an Gehörlose übergeben.

 

© bei der Autorin / 5/ 2004