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Über 50 Artikel in der Rubrik "Ausbildung":


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Kooperative Tests - die bessere Alternative

BH Grundsätze
BH Praxis

Serie: Schutzhund, Mondioring & Co.

Teil 1: Einführung
Teil 1a: Wehrtrieb
Teil 2: Was ist Mondioring?
Teil 3: Spezial- Sicherheits- Training für Objekte und Personen (STOP)

Serie: Hundeschulen

Einführung und Testbericht 1
Testbericht 2
Testbericht 3
Testbericht 4
Testbericht 5
Testbericht 6
Testbericht 7
Testbericht 8
Hundeschulen: die Qual der Wahl

Serie: Lerntheorien der Psychologie

Teil 1: Grundlagen
Teil 2: Konditionierung; Reflexe, Reize, Reaktionen
Teil 3: zentralnervöse Vorgänge bei der Konditionierung
Teil 4: Operante Konditionierung
Teil 5: Die vier Arten der Verstärkung und Bestrafung der operanten Konditionierung
Teil 6: Diskriminative Stimuli
Teil 7: Prägung

So klappt das mit dem Hund:

Schleppleinen Training
Blinde Hunde selber grundausbilden
Hund taub - was nun?
Wärmehaushalt beim Training




Serie: Warum Schutzhund, Wehrtrieb, Mondioring und Co.?

Teil 3: Alternative STOP

© 2002 by Rainer Brinks, Benno Lippert (kynoschool) und Gitta Vaughn (Leading Edge Dog Training LLC, San Antonio, Texas).

Vorbemerkung: Es ist zum Schutz der Hunde untersagt, diese Tests oder auch nur Teile daraus ohne ausdrückliche Qualifizierung durch einen der drei Betreiber von STOP vornehmen zu wollen oder damit zu werben. Dazu ist die Absolvierung eines Seminars bei einem der drei STOP-Lehrer oder von ihnen zertifizierten Ausbildern erforderlich.

Für geeignete Personen und für den stark zunehmenden Markt an Sicherheits- und Wach-Dienstleistungen steht ein Spezialsicherheits-Training für Objekte und Personen (STOP) als kynologisch verständliche und zeitgemässe Alternative zum teilweise unprofessionellen Schutzhundedienst zur Verfügung.

Ziel ist kein unnötiges und - schon aus Imagegründen - unzeitgemässes Beisstraining an Menschen, sondern selbstsichere Teams aus souveränen Haltern und besonders nervenstarken Hunden. In der heutigen Zeit mit erhöhter öffentlicher Sensibilität gegenüber Hundeangriffen auf Menschen (wer auch immer der wahre Verursacher war) ist dem passiv ausgebildeten Hund der Vorrang zu geben.

Für das Ausbildungs-Programm STOP werden grösste Anforderung an die Souveränität der hundeführenden und -ausbildenden Menschen gestellt. Menschen wie Hunde, müssen intensiv auf Eignung getestet werden. Hunde, die im Beissen an Hetzärmel oder sonst wo angelernt wurden (also bei allen Schutzhunde- und Ringsportarten), sind kaum geeignet, von seltenen Ausnahmen abgesehen. STOP-Hunde müssen daher von Jugend an ohne Beissübungen aufgebaut werden.

Es ist ein Training mit Variablen, kein "System".

Ungeeignete Kandidaten (Menschen wie Hunde) stellen für ihre Umwelt eine erhebliche Gefahr dar. Die Qualifikationen für STOP sind daher wesentlich anspruchsvoller als bei bisherigen Prüfungen.

Vor den Tests werden die Halter auf psychologische Eignung von zwei neutralen Fachleuten (examinierte Psychologen mit Tierkenntnis, Fach-Tierärzte, Verhaltensforscher) geprüft.

Praxisgerechtes Testverfahren für den professionellen Einsatz

Es ist mit den heutigen Interessen und Anforderungen der Gesellschaft unvereinbar, "Schutzhunde" im althergebrachten Sinn auszubilden, auch aus kynologischer Sicht ist diese Ausbildung nicht mehr zeitgemäss. Die heute zum Einsatz kommenden Hunde sollen zum einen keine Gefahr für die Gesellschaft darstellen, zum anderen aber Sicherungsaufgaben wahrnehmen. Diesem Anspruch wird die Ausbildung STOP gerecht. Denn die eigene Selbstsicherheit aus Hund und Halter ist die entscheidende Qualität im praktischen Fall der Bedrohung und der Sicherheit für Bedrohte. Nur ein sicher agierendes Team kann auch sicher schützen.

Es genügt völlig, wenn jene Menschen, die aufgespürt und gestellt werden sollen, wissen, dieser Hund kann beissen. Das Bedrohungspotenzial wirkt. Das wissen Menschen schliesslich auch von anderen Tieren, vor denen sie gehörigen Respekt haben.

Wesentliche Teile wurden den erprobten "Kooperativen Tests" entnommen, für diese Spezialprüfung aber - wo es art- und aufgabengerecht angebracht ist - praxisgerecht erschwert. Dazu kommen Fährtensuch-Tests - je nach STOP-Schwierigkeitsgrad bis zur professionellen Individualgeruchsarbeit: Mantrailing.

Beim Mantrailing folgt der Hund vor allem dem Individualgeruch der einen gesuchten Person. Der Individualgeruch besteht aus Hautpartikeln, Fettsäuren und anderen Körperausscheidungen, die von Bakterien zersetzt werden. Die werden von jeder Person ununterbrochen abgesondert und hinterlassen eine Spur, die so individuell ist wie ein Fingerabdruck. Diese feinen Partikel werden vom Wind, Luftströmungen und Turbulenzen von der eigentlichen Fährte weggetragen. Die Hunde müssen sich von der Spur entfernen und ganze Teilstücke abschneiden können. Weil sie darauf trainiert werden, immer dem frischesten Geruch zu folgen, kommen die Hunde schneller voran.

Den Hunden ist es möglich, eine Fährte in jedem Gelände, in der Stadt, auf Asphalt und im Wald zu verfolgen und eine Person aus einer Menge von Menschen herauszufinden. Es spielt dabei keine Rolle, ob die gesuchte Person mit dem Rad oder auf dem Pferd unterwegs war.

Bei dieser Art von Suchhunden lässt man den Hunden freie Wahl, wo und wie sie ihre Nase einsetzen, man lässt die Hunde auf Wegkreuzungen, Verleitfährten absichern, auch wenn eine Richtungsänderung überlaufen wurde, spielt dies im Vergleich zur normalen Fährtensuche keine Rolle. Beim Mantrailing wird nur bewertet, ob das Team Hund mit Hundeführer die gesuchte Person findet und korrekt anzeigt. Wie, ist egal.

Es müssen bei diesen Fährten keine Gegenstände gesucht werden.

Zur Ausbildung selbst müssen getrennte Wege beschritten werden, denn nicht in der Fährte sichere Hunde würden beim Mantrailing nur durchschnittliche Leistungen erreichen können.

Jeder STOP-Mantraining-Hund ist mit einem kompakten GPS-Tracking-Gerät ausgerüstet (solide im oder am Such- und Führgeschirr befestigt), so dass er jederzeit an jedem Ort zu orten ist. Bei GPS handelt es sich um ein satellitengestütztes Navigationssystem. Mithilfe der dafür preiswert erhältlichen Empfangsgeräte wird Jedermann in die Lage versetzt, überall auf der Welt schnell eine Standortbestimmung mit einer Genauigkeit von mindestens etwa plus/minus 10 m durchführen zu können.

Für das Stellen eines Verdächtigen genügt die Praxis der Staffeln des deutschen Zoll: Deren Hunde stellen, umkreisen und bellen, aber beissen nicht. Der sich ständig im Kreis um den Täter bewegende Hund gibt eine schlechtes Ziel ab und wirkt ziemlich entnervend.

Für diese Aufgabe müssen vor allem psychisch, aber auch körperlich beeindruckend starke, "hochreizschwellige" Hunde ausgewählt und ausgebildet werden. Ein grosser Hund, der voll droht - nur wenige würden es wagen zu testen, ob der dann auch beisst.

Dafür kommen mehrere Typen in Frage als nur die bisher bekannten, hier aber streng nach hochreizschwelligen Tieren ausgesuchten so genannten Diensthunderassen, auch mindestens mittelgrosse Mischlinge oder bewegliche Molosser.

Es entscheidet immer der individuelle Charakter des Hundes für eine Tauglichkeit oder Belastbarkeit. Zum Schutz des Hundes ist eine sehr strenge Auslese erforderlich, um ihn nicht zum unkontrollierbaren Beisser zu machen.

Die Hunde benötigen ein hohes Mass antrainierter Beisshemmung, denn es geht bei STOP nicht ums Beissen, sondern um Fluchtvereitelung.

Alternative Trainingsarbeit:
Für einige STOP-talentierte Hunde (zum Beispiel Landseer, Neufundländer, Sennenhunde) ist es sicherlich interessant, etwas aus dem Trainingsprogramm der Wasserrettungshunde-Ausbildung zu übernehmen. Ausserdem stärkt Wassertraining ohnehin die Muskulatur.

Dieses zeitgemässe und kynologische Konzept dürfte auch aus haftpflichtrechtlichen Gründen für Sicherheitsunternehmen interessant sein.

Die Leiter dieser Tests müssen andere Fachleute sein als jene, die eine Qualifikation und Eignung für die Prüfungen bewerten. Sie sollten aus drei Fachleuten bestehen, die hundeverbands- und rasseunabhängig eine tierwissenschaftliche Ausbildung nachweisen können und praxiserfahrene Hunde-Halter-Ausbilder sind: Hundelehrer, Fach-Tierärzte, Verhaltensforscher und Human-Psychologen mit Hundeerfahrung.

Allen Teams steht eine ausführliche Begründung der Bewertung durch die Leiter zu.

Tiermissverständliche Brutalmethoden und Gewalt-Hilfsmittel wie etwa Würgestellung einer Halskette, Stachelband, Luftdruck-, Stromstoss-Geräte oder chemische Sprays sind strikt untersagt, unter anderem, weil sie täuschende und falsch konditionierende Schmerzauslöser sind. Die Tests müssen mit hundeverständlichen Mitteln absolviert werden. Die erforderlichen Hörzeichen erfolgen nicht militärisch brüllend, sondern für den Hund hörbar.

Alle Kandidaten, Menschen wie Hunde, müssen psychisch wie physisch gesund sein. Betäubungsmittel jeder Art führen zum Ausschluss.

Bewertung:

Es werden pro Testkriterium maximal 10 Punkte vergeben. Bei einigen sicherheitsrelevanten Teilen ist vom Leiter des STOP zu entscheiden, ob das Team die Prüfung fortsetzen kann oder ausscheiden muss. Abzüge wegen mangelnder Unterstützung, gewaltsamer Einwirkung und ähnlich hunde-untauglichen Halter-Verhaltens werden damit nie dem Hund angelastet, sondern dem Halter. Ein Tierarzt kontrolliert den Hund vor den Tests.

Das Team hat den jeweiligen Test bestanden, wenn 85 Prozent der Kriterien erfüllt sind.


Verhaltenskontrolle und Voraussetzung für STOP I

Locations: Belebte Umgebung (Einkaufszentrum, Stadtpark etc.), um gleichzeitig auch das Alltagsverhalten von Hund und Halter zu testen. Dazu auch eine Prüfung mit solchen Hunden, "die alles und jeden anmachen".

1. Begrüssung des Teams:

Der/die Hunde-Führer/in (im folgenden mit HF abgekürzt) geht mit dem angeleinten Hund auf den Testplatz zu den Leitern und begrüsst sie. Der Hund muss sich in dieser Situation freudig, aber kontrolliert (kein Hochspringen, kein wildes Zerren an der Leine) zu den Fremdpersonen verhalten.

Der Tierarzt kontrolliert die Identität des Hundes (elektronische Kennzeichnung oder Tätowiernummer) und nach Absprache mit dem HF das Gebiss. Eindeutig aggressives oder ängstliches Hunde-Verhalten führt zum Abbruch des gesamten Tests. Die Leiter dürfen den Hund nur nach Rücksprache mit dem HF streicheln.

Leiter oder Tierarzt haben keinen Anspruch darauf, das Tier berühren zu dürfen.

2. Aufmerksamkeits-Spielen mit dem Hund:

Nun soll der HF mit seinem Hund auf dem Platz spielen. Er kann dazu einen Gegenstand (Ball, Bringsel o. ä.) verwenden. Die Entscheidung, ob der HF den Hund ableint, bleibt dem HF überlassen. Der HF lockert den Hund auf.

Nun geht der HF mit seinem Hund auf den Testparcours, der auf einem fremden Gelände aufgebaut sein muss. Dem Hund wird für den gesamten Parcours eine 10-Meter-Leine angelegt (1,5 Meter vom Hund entfernt befindet sich - als Hilfe für den HF - ein Knoten an der Leine). An diesem Knoten wird der Hund zunächst gehalten.

3. Fremdbegegnung:

Zur Stresseinführung wird das Team (der Hund ist an kurzer, aber lockerer Leine zu führen) auf dem Weg zum Testparcours von einem Jogger (Helfer) in sicherem Abstand (ca. 1,5 Meter) passiert, alternativ von einem Radfahrer.

Der Hund soll sich neutral bis gleichgültig verhalten. Er darf den Passanten nicht angehen, die Leine soll sich nicht straffen.

4. Unerschrockenheit:

Der HF nimmt nun zur Sicherung die Leine am 10-Meter-Ende auf. Er führt seinen Hund aber am 1,5-Meter-Knoten (lockere Leine). Auf Zeichen des Leiters lässt der HF die Leine nur am 1,5-Meter-Knoten fallen.
Ein Helfer (darf für den Hund nicht sichtbar sein) gibt auf Zeichen eines Leiters in einem seitlichen Abstand von ca. 10 Meter zwei sehr deutlich knallende Geräusche ab.

Zeigt der Hund hier eindeutige Schreckhaftigkeit, Fluchttendenz (10-Meter-Leine strafft sich), oder deutliche Aggression gegen Menschen, wird der Test hier wegen zu grosser Belastung für den Hund abgebrochen.
Der Leiter befindet über einen zweiten Versuch, wenn das Team wegen anderer Fremdeinwirkung nicht eindeutig beurteilt werden kann. Dabei soll der Hund auf jeden Fall Kontakt zum Schützen, der aus seinem Versteck auf den Hund zugeht, aufnehmen.

5. Fremdpersonen:

Der Hund wird von einer Person festgehalten. In einer Entfernung zwischen 15 und 20 Schritt bildet eine Menschengruppe (mindestens sieben Personen) einen eng geschlossenen Kreis mit dem Rücken zum Hund.

Der HF geht nun bewusst zügig durch diese Menschen hindurch. Dann dreht er sich um und ruft seinen Hund auf Zeichen des Leiters betont freudig ab. Befindet sich der Hund in einer Entfernung von ca. 5 Meter vor der Menschengruppe, dreht sich die Gruppe zum Hund um. Der Hund soll freudig und ohne Umschweife zum HF laufen.

6. Fremdkörper:

Nun geht das Team weiter. Im Abstand von 4 Metern sitzt seitlich eine menschenähnliche Puppe (ausgestopfter Overall mit Kopf und Schirmmütze) auf einem Stuhl oder einer Bank. Die Puppe darf erst sichtbar sein, wenn sich das Team auf gleicher Höhe mit der Puppe befindet (zum Beispiel hinter einem Busch o. ä. Verstecke).

Zeigt der Hund hier eindeutige Fluchttendenz, oder ist er nicht innerhalb von 3 Minuten durch seinen HF an die Puppe heranzuführen, wird der Test hier abgebrochen.

Dem HF ist es erlaubt, den Hund durch beruhigende Stimme oder Belohnung zu unterstützen.

7. Selbstsicherheit:

Der Hund wird nun an einer dafür vorgesehenen Stelle festgemacht. Der HF begibt sich etwa drei Schritt vor seinen Hund (in Richtung des zivil gekleideten Leiters - ohne Figuranten-Anzug) und bleibt dort stehen. Aus einer Entfernung von mindestens 40 Schritt "bedroht" ein Leiter den Hund nur durch eindeutig ernsthaften Blickkontakt und überdeutliche Körpersprache. Er geht nun bis auf 30 Schritt langsam auf den Hund zu und fixiert ihn kurze Zeit.

Der Hund soll sich eindeutig abwehrend verhalten. In jedem Fall zieht sich der bedrohende Leiter fluchtartig zurück, um dem Hund Sicherheit und Erfolg zu vermitteln.

Der HF leitet seinen Hund in jedem Fall zum erfolgreichen Beuteverhalten an mit aggressions-entladenden Mitbringseln wie Beisswurst, Ball oder ähnlichen Dingen.

8. Menschenneutralität:

Nun geht der HF mit seinem Hund spielend in eine Menschengruppe (mindestens sieben Personen inklusive des Leiters). Hier muss der Hund Neutralität gegenüber allen Personen zeigen.

Zeigt er eindeutige Aggression oder ausgeprägte Angst und Unsicherheit gegenüber den Menschen, kann das Team die Prüfung nicht bestehen.

Ein kurzfristiges Zögern darf vom HF durch Stimme oder Belohnung überbrückt werden.

Ende der Vorbereitung. Der Hund muss aufgelockert werden.


STOP I

(Personen- und Objekt-Schutz-Hund, erste Leistungsstufe)
Für Hunde ab 24 Monate

Zulassungs-Voraussetzung für STOP I:
Bestandener Verhaltenstest, bestandener Leistungstest der "Kooperativen Tests" (mindestens leistungsgleiche zeitgemässe Alternative zur BH und ist ein praxisgerechter Hundeführer-Schein).
Die Prüfungen können einmal wiederholt werden, mit einem Abstand von mindestens 4 Wochen.

1. Hindernis-Parcours:

1.1 Wasserfestigkeit
Auf dem Parcours muss sich ein Wassergraben befinden, ähnlich wie bei einem Springreitturnier. Der Hund muss vom HF unangeleint an das Wasser herangeführt und auf Zeichen ohne grosse Scheu durch das Wasserhindernis gehen/schwimmen. Der Halter muss mitgehen/drüberspringen.

1.2 Steiler, breiter und griffiger Steg
Auf dem Parcour steht (zum Beispiel an die Platz-Hütte angelehnt) ein hunde-laufgerecht breiter, griffiger und stabiler (nicht schwingender) Steg.
Der Hund muss nach Zeichen des HF ohne Zögern die Latte hinaufklettern, dreht oben und wieder herunter. Dabei kann er vom HF ermuntert werden. Jeder Hund muss die Chance bekommen, dabei verletzungsfrei zu bleiben.

1.3 Enger Tunnel mit Geräuschen
Der Hund wird vom HF an das flexible, labile, enge Tunnel (Agility-Tunnel mit einer scharfen Biegung) herangeführt, angeleint. Auf Zeichen des HF muss der Hund ohne Schrecken zügig durch das Tunnel kriechen und am Ende auf Zeichen absitzen. Während seines Aufenthalts im Tunnel wird er mit mechanischen Geräuschen (Sirene, Hupe) auf Nervenfestigkeit geprüft.

2. Sicherheitstest:

2.1 Fluchtvereitelung und Transportsicherung:
Ein erfahrener Helfer verkleidet sich (aber normal praxisgerecht, also keine Kostümierung mit Figuranten-Anzug; aber mit schützenden Ledermanschetten unter dem normalen Anzug etc. oder farbneutrale Motorrad-Bekleidung) und versteckt sich als "Täter".
Die Beschaffenheit eines Verstecks für flüchtige "Täter" soll aus einem festen Element bestehen, damit eine Witterung erschwert ist.
Der HF begibt sich mit dem Hund in Richtung des Verstecks.
Der "Täter" taucht aus dem Versteck auf als deutlich überraschendes Moment und gibt sich unsicher, zur Vorwärtsverteidigung bereit.
Der Hund wird/soll drohend anschlagen oder Drohknurren als Zeichen der Warnung. Der "Täter" will daraufhin zur Seite oder nach hinten flüchten.
Der Hund soll dies spontan unterbinden.
Freifolge, Abgang des Hundes auf Zeichen.

Die Haltung des Hundes vor dem "Täter" muss fixierend, wirkungsvoll bedrohlich und entschieden wirken, bereit zu einem eventuellen präventiven Angriff.
Dies ist das entscheidende Kriterium dieses Tests.

Die Leiter haben inzwischen ein Zeichen zum HF gegeben, dass der Test entweder bestanden oder abzubrechen ist; im letzten Fall erfolgt der Rückruf des Hundes durch den HF.

Ist dieses Verhalten erkannt, auch ein Fehlerverhalten des Hundes, dann geht der HF ruhig, aber zügig zum Hund.
Der Hund umkreist/sichert/stellt den "Täter" nach wie vor.
Danach geht der HF zum Helfer, nimmt ihn ohne Kommentar und Gesten in "Empfang", ruft den Hund zu sich und geht mit ihm und dem Helfer zum Leiter. Dort wird der "Täter" quasi einer anderen Person übergeben. Die Aufgabe muss somit auch für den Hund als aufgelöst betrachtet werden können.

Der HF löst seinen Hund nun ausgiebig von der Spannung auf und spielt mit ihm.
Auch ein Schnappen des Hundes führt zum Abbruch des Tests.

2.2 Verschärfte Verteidungsbereitschaft:

Der Hund wird nun an einer dafür vorgesehenen Stelle festgemacht. Der HF begibt sich ausser Sicht seines Hundes. Aus einer Entfernung von mindestens 20 Schritt "bedroht" ein Leiter den Hund nur durch eindeutig ernsthaften Blickkontakt und überdeutliche Körpersprache. Als "Verstärkung" kann der Leiter einen Stock in die Hand nehmen.

Er geht nun langsam auf den Hund zu und fixiert ihn aus einer Distanz von rund 10 Metern. Der Hund sollte sich dabei standhaft abwehrend verhalten, aber nicht angreifen.

Verhält sich der Hund eindeutig abwehrend, zieht sich der bedrohende Leiter fluchtartig zurück, um dem Hund Sicherheit und Erfolg zu vermitteln. Das Drohpotenzial des Hundes muss aber deutlich aufrecht erhalten bleiben.

Zeigt der Hund Meideverhalten (Abdrehen, Abtauchen, Hilfeersuchen beim verschwundenen HF) oder gar Fluchttendenz (Zurückweichen), wird der Test abgebrochen.

Aber auch in diesem Fall zieht sich der bedrohende Leiter fluchtartig zurück, um dem Hund Sicherheit zu vermitteln.

Der HF leitet seinen Hund nun zum erfolgreichen Beuteverhalten an mit aggressions-entladenden Mitbringseln wie Beisswurst, Ball oder ähnlichen Dingen.

Der Figurant geht ohne "Verabschiedung vom Hund" vom Platz. Denn der Hund soll das "Feindbild" behalten.

2.3 Suchaufgaben

Der HF legt zusammen mit dem Test-Leiter eine Suchstrecke von 500 Metern aus. Sie darf vom Hund nicht eingesehen werden können. Keine Erleichterung durch Futtermotivierung.

Auf diese Fährte sollen 4 Gegenstände liegen, die zum einen praxisgerecht sind und zum andren nicht schon am Anfang der Fährte erkennbar: Geldbörse, Schlüsselbund, Handschuh, Taschentuch etc.

Die Fährte soll mindestens drei Winkel (davon einer bei 45 Grad, die beiden anderen 80 bis 100 Grad) und zwei Bögen (Radius etwa 1o Meter, volle 180 Grad) haben und etwa 2 Stunden liegen.

Die Geraden zwischen den Winkeln und Bögen sollen nicht alle linear verlaufen, sondern von den 6 Geraden mindestens eine wellenförmig.

Für Fortgeschrittene sind die Belohnungen zu entfernen. Mit dieser Steigerung fällt auch die Bewertung aus.



Der Test ist beendet. Der Hund bekommt nun seine verdiente Ruhe.


STOP II

(Personen- und Objekt-Sicherheits-Hund, zweite Leistungsstufe)
Für diese Stufe muss STOP I bestanden worden sein.

Zusätzliche Prüfungen (sonst wie STOP I):

1. "Gefährliche Personen" aufstöbern und mehrmals stellen:

Aufbau des Parcours:
4 Stellwände von 2 Metern Höhe und einer Seitenlänge von je 1,5 Meter sind auf dem Parcours in Ecken zu postieren; aber nicht gleichmässig, sondern immer etwas willkürlich versetzt, so dass keine lokale Gleichmässigkeit vom Hund konditioniert werden kann. Dazu 3 natürliche Verstecke wie Sträucher und zwei technische Gegenstände (Röhre und Reifenstapel).

Helfer:
Die erfahrenen Figuranten sind nur mit Arm-Manschetten oder etwa Motorrad-Kleidung geschützt. Es werden keine Hetzärmel oder Figuranten-Anzüge getragen. Daher müssen die Hunde sehr sicher sein.

Der HF und sein Hund dürfen die Positionierung von Verstecken und Figuranten nicht einsehen können. Ist dies doch der Fall, scheiden sie aus der Prüfung aus.

Hinter zwei weit entfernten Verstecken befinden sich die zwei Figuranten als "gefährliche Personen" verkleidet; eine Vermummung, aber bei beiden Probanden unterschiedliche Verkleidung ist angeraten, damit der Hund sich nicht auf ein "gefährliches" Erscheinungsbild fixiert.

Prüfung ansonsten analog STOP I.

2. Suchaufgaben

Wie STOP Ia, aber zusätzlich:
Die Zahl der Winkel ist um einen spitzen Winkel zu erhöhen.
Der Verlauf der Geraden soll dem Geländeverlauf angepasst sein, also nicht linear verlaufen.
Zwei Bögen sind beizubehalten, eine schräge Wegüberquerung (Asphalt, kein Feldweg!) ist hinzuzufügen.
Ausserdem zwei Geländewechsel.

3. Einengungsstress und Geräusche

Der Hund wird von seinem HF in einen engen Lift geführt, der mehrfach auf- und abfährt und anhält. Der Hund soll sich dabei angstfrei verhalten.

Der Test ist beendet. Auflockerung des Hundes.



STOP III

(Personen- und Objekt-Sicherheits-Hund, höchste Leistungsstufe)
Für diese Stufe muss STOP II bestanden worden sein.


Prüfungen analog zu STOP II.

Zusätzliche Prüfungen:

1. Mehrfachsichern mit Fluchtversuch einer "gefährlichen Person"

Nun konzentriert sich das Sichern auf einen Figuranten. Die andere Person tritt ab.

Der Figurant "nützt" diese Ablenkung aus und will flüchten.
Nun muss der Hund ohne jedes Zeichen seines HF die Person wieder stellen und drohbellend umkreisen.
Die Person kann sich "uneinsichtig" zeigen, der Hund muss sein volles Drohpotential ausschöpfen, ohne zu beissen.*

Nach eindeutiger Sicherung der Person gibt diese auf und nimmt die Hände hoch.
Nun tritt der HF seinem Hund zur Seite und nimmt die Person in Gewahrsam.
Die Person geht willig mit.
Der Hund muss jede verdächtige Fluchtbewegung kontrollieren.

Nach 10 Metern unternimmt die Person einen Fluchtversuch.

Der Hund stellt die Person selbstständig wieder und muss, ohne zu beissen, den Täter drohbellend umkreisen und fixieren.

Der HF hat seinen Gefangenen wieder eingeholt und gibt dem Hund ein Zeichen zum Sitz.
Die Person lässt sich willig bis an den Rand des Parcours abführen.
Die Person wird vom HF "aufgelöst", indem ein anderer, dem Hund bekannter Helfer den Gefangenen übernimmt.

Dann wird der Hund vom HF gelobt, ausgiebig durch Lockerungsspiele entspannt und seiner verdienten Ruhe zugeführt.

Es empfiehlt sich hier, eine Mittagspause einzulegen. Die wechselhafte wie andauernde und extrem harte Belastung des Hundes ist praxisgerecht, aber sehr erschöpfend. Der Hund braucht Wasser und wird vom Tierarzt während des Stressabbaus beobachtet.

2. Gegenstand bewachen:

Auf dem Testplatz sitzt oder liegt der Hund neben seinem HF.
Der Hund ist mit einer 10-Meter-Leine an einem stabilen Pfosten festgemacht.

Der HF zeigt seinem Hund einen selbstgewählten Gegenstand. Dann hinterlässt er den Gegenstand beim Hund und entfernt sich vom Testplatz. 15 Minuten muss er allein bewachen.

Ein Helfer versucht nun zweimal, sich des Gegenstandes zu bemächtigen. Der Hund soll sich nicht vom Gegenstand entfernen und soll ihn verteidigen.

Der Hund muss danach vom HF aufgelockert werden.

3. Suchaufgaben

Die Fährte muss auf unübersichtlichem Gelände angelegt sein.

Der Hund muss eine mindestens 2,5 Kilometer lange, etwa 5 Stunden alte Fremdfährte mit einer nur ca. 15 Minuten frischen kreuzenden Ablenkungsfährte mit dreimaliger Verleitung nach 8 Gegenständen absuchen, die er dem HF anzeigen muss (durch Warten vor den Gegenständen, stehend, sitzend oder liegend, oder durch kurzes Anschlagen).

Drei Geländewechsel.


Dazu: Mantrailing über 2 Stunden.

Mantrailing-Prüfung:

Der Personenspuren-Suchhund kann nur von dem Hundeführer (HF) im Einsatz geführt werden, mit dem er gemeinsam diese Prüfungskriterien erfolgreich erfüllt hat. Voraussetzung zur Prüfung ist eine vorangegangene Ausbildung, die sich an der Qualifikation dieser Prüfungsordnung orientiert. Gesundheitliche Eignung des Hundeteams wird vorausgesetzt.

Für jeden Hund muss eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen sein. Dieser Versicherungsschutz muss vom HF bei der Prüfung nachgewiesen werden. Eine Wiederholungsprüfung kann frühestens nach zwei Monaten erfolgen. Wird die Prüfung auch dann nicht bestanden, wird der HF zu keiner weiteren Prüfung mehr zugelassen. Aber der Hund.

Prüfungsgelände
Als Prüfungsgelände darf nur fremdes Gelände genutzt werden. Das Areal muss einem wirklichkeitsgetreuen Einsatz entsprechen.

Anforderungen an den Mantraining-Hundeführer:

    Jeder HF muss zu den Prüfungen die Ausbildung nachweisen:
  • Teilnahme an einem Erste Hilfe-Lehrgang oder qualitativ höherstehend
  • Kenntnisse über die einfache Rettung (Befreiung und Sichern) von verletzten Personen
  • Einweisung im Sprechfunk
  • Kenntnisse in der Anwendung von Karte, Kompass und GPS

Anforderungen an den Hund:
Herkunft und Typus sind nicht entscheidend, aber sozialsicheres, souveränes Verhalten und physische und psychische Gesundheit. Dazu selbstverständlich das Befolgen der Grundausbildungs-Hör- oder/und Sichtzeichen einschliesslich dem überlebenssichernden Zeichen "lay down" (Abliegen und Bleiben auf Distanz).

Alle Leistungen müssen in Freifolge ablaufen.

Vorbereitung
Die Geruchspur wird von zwei Prüfungsleitern festgelegt und geheim gehalten. Der HF informiert sich bei den Prüfungsleitern über Daten der vermissten Person, Zeitpunkte, Orte, Zeugen, Mobilität, Gewohnheiten, psychischen und physischen Zustand, spezielle Gefahren. Ferner über Duftstoffe der vermissten Person oder Referenz-Duftstoffe, ob Phobien (auch vor Hunden) vorhanden sind und über mögliche Anlaufstellen der vermissten Person.

Suche
Der Hund wird am Referenzduftstoff angesetzt. Geht der Hund aufgrund von verleitenden Luftströmungen in die falsche Richtung, kann auf Anweisung der Prüfungsleiter einmal erneut angesetzt werden. Zeigt der Hund mehrmals kein eindeutiges Suchverhalten in die Laufrichtung der Testvermisstenperson (TVP), wird die Prüfung abgebrochen.

Suche und Orientierung
Der Hund soll das Gelände in jener Richtung absuchen, in die die TVP gegangen ist. Dem Hund kann der Referenzduftstoff erneut angeboten werden.

Ablenkung
Der HF darf bei Ablenkungen etwa durch andere Tiere durch Wild, Fahrzeugverkehr seinen Hund kurz aus der Sucharbeit lösen. Nach der Störung soll der Hund wieder auf die Spurensuche angesetzt werden. Verweigert der Hund mehr als zweimal die Suche in die Laufrichtung der TVP, wird die Prüfung abgebrochen.

Finden und Verweisen
Der Hund muss beim Auffinden der TVP körper- und lautsprachlich eindeutig anzeigen. Unterbleibt dies, ist die Prüfung nicht bestanden.

Der Hund darf die TVP beim Auffinden nicht anspringen (wegen Beissgefahr oder Gefahr für eine unsicher stehende Person), er darf - nur auf Zeichen des HF - bedrohen/fixieren. Er darf nicht verletzen.

4. Multi-Test (mit Mantrailing wie oben)

Stress, ausgehend von einer Aggressivität simulierenden Menschenansammlung und in geräuschvoller Umwelt, dazu Suchaufgabe anzeigen

4.1 Das Team wird mit einer bedrohenden Menschenansammlung konfrontiert und muss sich selbstsicher und verteidigungsbereit stellen, ohne hyperventilierend oder gar ängstlich zu sein. Das Team muss durch eine bedrohliche Menschenansammlung (Scheinattacken) sicher durchgehen, ohne dass der Hund weicht oder ausrastet, und auf unsicherem Boden mit störenden Gerüchen "revieren" und eine Suchaufgabe anzeigen.

4.2 In die Gruppe fliegt ein Scheintäter, der sich, nachdem das Team auftaucht, aus der Gruppe löst, weiterflieht, und durch zwei verschiedene Gebäude in einem Busch, einer Waldhütte etc. versteckt. Der Hund muss sich durch die Gruppe suchen und dem Scheintäter folgen. Aber erst, nachdem dieser verschwunden ist. Bewertet wird das Verhalten des Hundes in der Gruppe sowie der Suchwille und der Erfolg (Stellen des Scheintäters).

4.3 Mantrailing (wie oben beschrieben).


Der Test ist beendet. Der Hund bekommt nun seine verdiente Ruhe.