Schimmelpilzspürhund
Von Dipl.-Ing. Klaus-Peter Böge
Feuchtigkeit, Nährstoffangebot und Temperatur lassen Schimmelpilz wachsen.
Gefährlich wird es, wenn die relative Luftfeuchtigkeit in der Raumluft auf Dauer 70 %
oder 80 % auf Wandoberflächen übersteigt. Dann entsteht Schimmel.
Ich prüfe im Auftrag der Krankenkasse die Wohnung der Patienten. Dazu nehme ich
Holzproben (wenn Holzschutzmittel wie PCB oder Lindan unter Verdacht stehen), lasse
im Labor den Inhalt von Staubsaugerbeuteln oder Raumluftproben analysieren. Dabei
entsteht aber ein Problem: Sollte das Labor feststellen, dass sich Ausgasungen von
Schimmelpilzen in der Raumluft befinden, weiss man immer noch nicht, wo sich die
Schimmelpilze selbst befinden.
Für Assar, den achtjährigen Schimmelspürhund, ist eine exakte Lokalisierung kein
Problem. Der English Springer Spaniel wurde in Schweden ausgebildet. Für ihn war eine
Karriere als Sprengstoffsuchhund geplant, aber da der Rüde nicht schussfest ist, musste
er für eine zivile Verwendung umgeschult werden.
Die Auswahl und das Training von Schimmelspürhunden unterscheidet sich kaum von
der Ausbildung anderer Suchhunde, wie z. B. Drogen- oder Minensuchhunden,
siehe www.hundezeitung.de/ausbildung/minensuchhunde.
Nach mehrmonatiger Grundausbildung folgt das Spezialtraining zum Schimmelspürhund.
Dazu werden u. a. Suchmaterialien (z. B. ein Wattebausch) mit 15 bis 20 der in
Wohngebäuden am häufigsten gefundenen Pilze und Bakterien, die in Reinkultur aus
einem Speziallabor geliefert werden, kontaminiert und an den
unterschiedlichsten Stellen im Übungsobjekt versteckt.
Die Ausbilder bzw. die späteren Hundeführer können auch die Eigenarten jedes
einzelnen Hundes erkennen, wie er sich bei Kontaminationen unterschiedlicher
Intensität und Ausdehnung verhält. Diese Ausbildung kostet rund 30 000 Euro.
Wobei ich darauf hinweise, dass es nicht so einfach ist, einem Hund das
Schimmelsuchen zu lehren. Problematisch ist dabei nicht die Ausbildung des Hundes,
sondern das beim Ausbilder fehlende Wissen um Schimmelspuren.
Im Ausbildungspreis enthalten ist auch regelmässiges Auffrischungstraining, zu dem
Assar und ich mindestens zweimal im Jahr nach Schweden reisen. Die Kosten für die
Ausbildung eines solchen Spezialisten sind deshalb so hoch, weil nicht jeder Hund die
Ausbildung auch erfolgreich abschliesst.
Wenn Assar in einem Raum die Ausgasungen von Schimmel, der vielleicht unter dem
Estrich sitzt, aufspüren soll, lasse ich zuerst möglichst viele Einrichtungsgegenstände
von den Wänden abrücken, damit der Hund ein freies Suchfeld hat. Dann setze ich den
Hund auf die Türschwelle, nehme ihm das Halsband ab und gehe einmal den Weg im
Raum, den der Hund nehmen soll. Mit dem schwedischen Hörzeichen leta (such) wird
Assar daraufhin eingesetzt.
Wenn der Rüde dann gelangweilt spazieren geht, ist auch kein Anzeichen für Schimmel
zu finden. Zeigt sich Assar dagegen temperamentvoll und kratzt mit den Pfoten, so hat
er erfolgreich eine Stelle von Schimmelpilz-Ausgasungen geortet.
Ich musste lernen, alle Zwischenstufen des Verweisens zu interpretieren. Das
funktioniert inzwischen recht gut. Ich kann heute am Verhalten des Hundes ablesen,
wie stark die Ausgasungen sind. Um die Verteilung im Raum beurteilen zu können, muss
ich den Rüden beobachten: Wo ist seine Nase? Vergleicht er mehrere Stellen? Zeigt er
eventuell an, dass die Quelle der Ausgasungen oben an der Decke ist? Ich meine an
Assars Verhalten auch erkennen zu können, ob nur der Teppich verschimmelt ist oder
ob die Ausgasungen aus dem Estrich kommen.
Wenn ich als Ingenieur Genaueres wissen möchte, ob etwa Boden oder Wand mit
Schimmel kontaminiert sind, dann muss ich meinen Hund etwas mehr motivieren. Dabei
laufe ich aber Gefahr, dass der Hund „schummelt“ und nicht vorhandene Ausgasungen
anzeigt, nur um seinem Führer zu gefallen und Bestätigung, Lob, Futter oder Ball zu
bekommen.
Nach der Kontrolle von etwa acht Räumen muss Assar eine Pause machen. Pro Tag
können nicht mehr als fünf bis sechs Häuser überprüft werden. Ein wenig problematisch
sehe ich die Tatsache, dass ich Assar fast nur dann einsetze, wenn er aufgrund seiner
Erfahrung einen deutlichen Anfangsverdacht hat. Der arbeitseifrige Hund findet also
fast immer etwas. Deshalb ist es für mich ideal, wenn Assar in einem Haus drei
unterschiedlich mit Schimmel befallene Räume absuchen kann. So kann ich dann
Verhalten des Hundes und tatsächliche Kontamination (die dann zusätzlich durch eine
Raumluftmessung nachgewiesen wird) abgleichen.
Ablenkungen wie Katzen, andere Hunde oder Nahrungsmittel lasse ich vor Assars Einsatz
natürlich möglichst entfernen. Schliesslich weiss die Katze ja nicht, dass der Spaniel im
Dienste der Gesundheit unterwegs ist.
Als ich vor zwölf Jahren mit seiner Tätigkeit begann, teilten sich seine Fälle auf
90 % Umweltgifte (z. B. Formaldehyd) und nur 10 % Belastungen durch Schimmel auf.
Heute ist es umgekehrt.
Gründe für die Belastung durch Schimmel können Kondensation
durch falsches Lüftungsverhalten oder Mängel am Gebäude sein.
Fehlende Sperrschichten, defekte Wasserrohre, Dächer, Dachrinnen oder Risse im
Mauerwerk führen zu direktem Eintritt von Feuchtigkeit in die Bausubstanz.
Bodenbeläge wie etwa Kork oder Linoleum sind Nährböden für den Schimmelpilz.
In Räumen, die mit solchen Materialien ausgestattet sind, setze ich Assar meist gar nicht
ein. Da findet er ja ohnehin fast immer Anzeichen von Schimmel.
© beim Autor, Dipl.-Ing. Klaus-Peter Böge
http://www.boege-ambulanz.de/schimmel/hund.htm
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