Teil 5: Die vier Arten der Verstärkung und Bestrafung der operanten Konditionierung
Unter einem Verstärker versteht man jeden dem Verhalten folgenden Stimulus, der die Verhaltenshäufigkeit steigert. Bei der Bestrafung verhält es sich umgekehrt: Unter einer Bestrafung versteht man jeden dem Verhalten folgenden Stimulus, der die Verhaltenshäufigkeit mindert. Auch Verhaltensweisen können als Verstärker bzw. Bestrafung fungieren.
Primäre Verstärker/Bestrafung hängen mit biologischen Bedürfnissen zusammen (z. B. Futter, E-Schock). Sekundäre Verstärker entstehen durch Koppelung (z.B. durch klassische Konditionierung!) mit primären Verstärkern (z. B. zu Essen geben + Lächeln). Sekundäre bzw. soziale Verstärker (z. B. Geld, soziale Anerkennung) spielen eine größere Rolle als primäre Verstärker. In vielen Fällen führen sie zu primärer Verstärkung oder können gegen eine solche eingetauscht werden. Sekundäre Verstärker sind leichter und unmittelbarer einsetzbar.
Wesentlich für die Verstärkung ist die Kontingenz, d.h. es muß eine Korrelation zwischen Verhalten und Verstärker bestehen. Es darf keine Verstärkung erfolgen, wenn das Verhalten nicht auftritt!
Es gibt vier Arten von Verstärkung und Bestrafung:
Positive Verstärkung: Durch einen Verstärker kommt es zu einer Erhöhung der Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens. Folgt dem Verhalten ein positives Ereignis (Verstärker), kommt es zu einer positiven Konsequenz. Als Beispiel dafür wäre ein Kind, das jedes Mal, wenn es sein Zimmer aufräumt, gelobt wird. Als Konsequenz wird dieses Kind jetzt öfter sein Zimmer aufräumen. Weitere Beispiele: Lernverhalten - Lob; Uni-Tassen im Automaten abgeben - Erhalt eines Bons.
Negative Verstärkung: Hier folgt auf das Verhalten ein Ausbleiben eines unangenehmen Ereignisses (Verstärker). Ein Beispiel hierfür wäre die Drohung der Eltern ein Kinder-Fest abzusagen, sollten die Hausaufgaben nicht gemacht werden. Diese Drohung wird nicht verwirklicht, weil das Kind seine Hausaufgaben erledigt. Weitere Beispiele: Lernverhalten - kein Tadel des Lehrers oder keine ständigen Ermahnungen der Eltern mehr; Auftreten von Übelkeit vor einer Prüfung - Prüfung kann nicht absolviert werden, somit kommt es zu einer entlastenden Verstärkung (Auftreten von Übelkeit wird verstärkt durch Ausbleiben eines unangenehmen Ereignisses).
Vor allem Vermeidungsverhalten wird durch negative Verstärkung aufrechterhalten: In Gefahrensituation (z. B. hohes Gebäude) tritt Vermeidungsverhalten auf (Vermeiden hoher Gebäude) und wird durch Ausbleiben von Angstzuständen verstärkt. Dadurch wird verhindert, daß die Angstreaktion gelöscht werden kann.
Bestrafung durch aversive Reize: In dieser Form des Lernens folgt dem Verhalten ein unangenehmes Ereignis (Bestrafung). Ein Kind bekommt aufgrund seines schlechten Benehmens zu seinem Bruder das Verbot zu Fernsehen. Es kommt zum Entzug eines positiven Reizes. Bei zu aversiver Bestrafung kann es zu klassischer Konditionierung kommen, so daß z.B. der Lehrer oder ein Elternteil zu einem CS wird, der negative Emotionen auslöst. Solche Nebenwirkungen sollten bei Bestrafung vermieden werden. Entscheidend für die Wirkung von Bestrafung ist u. a., daß ein Alternativverhalten zur Verfügung steht, das belohnt wird.
Bestrafung durch Entziehung positiver Reize (Löschung): Auf ein Verhalten folgt weder ein unangenehmes noch ein angenehmes Ereignis. Ein Schüler benutzt im Unterricht oft das Wort "Scheiße". Der Lehrer ignoriert diesen Begriff und es kommt somit zur Löschung. Der Schüler kann damit keine Aufmerksamkeit erregen. Weitere Beispiele: Fehlverhalten - "Liebesentzug", Entzug bereits versprochener Belohnungen, etc.
Auch beim klassischen Konditionieren kann man von Verstärkung sprechen. Der Verstärker beim operanten entspricht dem UCS beim klassischen.
Operante Konditionierung und Clicker:
Wie alles anfing
Von Gitta Vaughn
Karen Pryors Verdienst war es, Clickertraining populär zu machen, vor
allem für den privaten Hundehalter. Aber erfunden hat sie es nicht.
Skinner hat die ersten Arbeiten mit Tauben gemacht, die Bomben ins Ziel leiten sollten, Ende der 30er Jahre mittels Operant Conditioning. Kam nicht zum Einsatz, die Idee.
Zwei seiner Assistenten, Keller Breland und Marian Bailey (die dann
geheiratet haben) waren die ersten die das ganze kommerziell angewandt
haben. Werbespots im Fernsehen, Werbung auf landwirtschaftlichen
Ausstellungen, Shows wie Disney mit Papageien etc.
Die waren über Jahrzehnte erfolgreich damit, nur konnten sie Hundeausbilder damals nicht überzeugen. Die blieben bei ihren gewohnten Methoden. Später kam Bob Bailey dazu, der nach Kellers Tod Marian heiratete. In die Zeit fielen auch
viele heute noch geheime Projekte für die Regierung.
Vom Delphin zum Krähe wurden viele Tierarten fuer Spionagezwecke etc. ausgebildet. Karen Pryor kam erst viel später, nannte das ganze Clickertraining und hat auch nur einen Bruchteil der Erfahrung die die Baileys haben. Lange Zeit waren Clicker und Operant Cond. ein und das dasselbe, hat sich dann aber
abgespalten, weil Clickertraining, wie es heute ausgelegt wird, nur mit
positiver Bestärkung (Leckerli) oder negative Strafe (kein Leckerli)
arbeiten und alles andere ablehnen.
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Nächste Folge: Diskriminative Stimuli
© bei den Autoren 2002 -2003
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