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Diabetes- und Hormon-Spürhunde

Von Jutta Steffens-Carter, England


Hunde spüren, wenn ihre Menschen (die Diabetes haben) in den gefährlichen Zustand der Unterzuckerung geraten. Beobachtungen aus einer englischen Medizin-Zeitschrift.

Viele Diabetiker kommen gut aus mit der medizinischen Glukose-Messung, manchmal reicht diese täglich mehrfache Prüfung allerdings nicht aus. Es gibt auch Diabetes-Kranke, die zu spät bemerken, dass der Glukose-Level zu weit gesunken ist, bei manchen passiert es im Schlaf und sie wachen dadurch nicht auf.

Beispiele von Hunden, die diese Veränderungen spüren: Natt, der Golden Retriever, nimmt irgendwie (noch weiss keiner, wie) wahr, dass sich sein Mensch diesem Zustand nähert. Selbst nachts durch die geschlossene Schlafzimmertür. Er regt sich sehr auf und bellt, bis sein Mensch aufwacht. Er beruhigt sich erst wieder, wenn die Symptome abklingen.

Ist sein Mensch wach, und Natt nimmt die ersten Anzeichen wahr, läuft er unruhig durch das Zimmer und legt seinen Kopf auf den Schoss seines Menschen als Signal. Sein Mensch hat im Durchschnitt zweimal wöchentlich Unterzuckerungsepisoden und nimmt seit kurzer Zeit die Anfänge selbst nicht mehr richtig wahr.

Candy's Mensch hingegen hat immer häufiger abendliche Attacken und während des Schlafs. Candy springt jedes Mal vorher auf, rennt aus dem Zimmer und versteckt sich unter einem Stuhl. Sie kommt erst wieder hervor, wenn ihr Mensch etwas gegessen hat und sich der Zustand stabilisiert.

Susie wiederum lässt, beim Wahrnehmen der ersten Anzeichen, ihren Menschen nicht das Haus verlassen und verweigert Fressen als auch die besten Leckerchen. Passiert es nachts, so stösst Susie ihren Menschen an, bis er aufwacht.

Es sieht so aus, als ob weitere Menschen mit Diabetes ähnliche Verhaltensweisen bei ihren Hunden beobachten können, bevor sie in den Zustand der Unterzuckerung geraten.

Allein das ist ja schon interessant genug. Betroffene Menschen mit einem warnenden Hund (und keiner dieser Hunde ist in irgendeiner Art dafür ausgebildet worden) können ernsthafte Unterzuckerung und dadurch hervorgerufene ernste Folgeschäden vermeiden.

Was aber zusätzlich bemerkenswert ist, sind die Theorien zu den Ursachen dieses hündischen Verhaltens. Die Hunde bemerken ja die Senkung des Glukose-Levels, bevor die Menschen dies selbst wahrnehmen.

Die Theorien dazu sind folgende: Vielleicht ändert sich der Geruch der Menschen leicht durch erhöhtes Schwitzen, wenn der Zuckerspiegel sinkt. Oder aber die Hunde bemerken das ganz leichte Muskelzittern, das manchmal auch mit beginnender Unterzuckerung einhergeht.

Das Verhalten des Hundes könnte auch durch leichteste Verhaltensänderungen des Menschen gleich zu Anfang der beginnenden Unterzuckerung hervorgerufen werden. Unterzuckerung kann zu krassen Verhaltensänderungen führen.

Ich denke, dass es vor allem der Geruch ist.

Jedenfalls kann ich am Verhalten meines Hundes inzwischen sehen, wann ich mal wieder von meiner (glücklicherweise) leichten Form vom prä-menstruellen Syndrom heimgesucht werde. Mein Hund klinkt sich dann regelrecht aus und will nicht mehr mit mir trainieren - und das, bevor mir selbst auffällt, dass es "mal wieder soweit ist" und meine Gefühlswelt etwas aus den Fugen gerät. Etwa drei bis vier Tage lang jeden Monat kann ich das Üben mit ihm völlig vergessen. Selbst, wenn ich mich zusammenreisse - er macht nicht mit.

Es kann natürlich sein, dass ich mir das einbilde, aber er arbeitet in der gleichen Zeit ganz normal mit meinem Mann weiter. Deshalb vermute ich, dass er vielleicht irgendwie die hormonellen Veränderungen riechen kann (oder einfach meine Laune viel besser beurteilen kann als ich selbst) - und dann im Laufe der Jahre gelernt hat, dass ich zu der Zeit viel zu unausgeglichen, zu ungeduldig und zu leicht "beleidigt" bin, um vernünftig mit ihm zu arbeiten.

© bei der Autorin /2002