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So sollte Agility sein

Auch diese beliebte Behändigkeits-Sportart ist in Verruf geraten. Die Idee war gut, die Ausführung gerät immer wieder unter die Räder von falschem Ehrgeiz, der sich nur dem menschlichen Ego widmet, aber nicht dem Ehrgeiz, es möglichst hundegerecht gut zu machen. Hier mal ein positives Beispiel.

Von Dagmar Bensberg

Da ich eine kleine Menschen-Gruppe mit ihren Hunden im Agility trainiere, ist natürlich für mich Weiterbildung ein wichtiges Thema. Auch wenn niemand aus dieser Gruppe Turniere laufen will, so ist es doch besser, etwas von Anfang an vernünftig und sicher zu lernen als sich später über eingeschlichen Fehler zu ärgern, oder, was viel schlimmer ist, dem Hund durch eigene Unwissenheit die Gesundheit zu ruinieren.

Als ich dann von dem Seminar mit einem recht bekannten Ausbilder in für mich erreichbarer Nähe hörte, meldete ich mich an und fand ich mich als begeisterte Agility-Betreibende ohne die geringsten Turnierambitionen auf einem sehr leistungsorientierten Agility-Seminar wieder. Geleitet wurde es von einem Trainer, der auch als Richter im Agility fungiert, selber Border Collies führt und keinen Hehl aus seinem Ehrgeiz machte.

Es war das Beste was ich seit langem erlebt habe!
Das Hauptthema war an diesem Wochenende Führtechnik, verschiedene Seitenwechsel und Kontaktzonen. Allerdings steckte sehr viel mehr dahinter.
Alle Teilnehmer wurden immer wieder auf die Körpersprache und Mimik der Hunde aufmerksam gemacht. Und was da zu Tage kam, zeigte so einige Kommunikationsprobleme.

Nachdem wir endlich genau hinschauten, sahen wir doch häufiger Hunde die verunsichert waren, vor dem ein oder anderen Gerät beschwichtigend züngelten, mehr oder minder deutliche Anzeichen von Stress zeigten. Zu leicht ist man doch in Versuchung, im Eifer des Gefechtes dies zu übersehen.

Im Verlauf des Tages wurde uns mehr und mehr klar: es war nicht Unsicherheit wegen der Geräte (die kannten alle Hunde schon und hatten bis auf wenige Ausnahmen auch keine echten Probleme damit) - nein, wegen unserer unklaren Art, uns dem Hund mitzuteilen.

Zum einen war es die Diskrepanz zwischen dem, was der Hund an verbaler und körpersprachlicher Information bekam, zum anderen auch die Enttäuschung des Menschen, wenn es mal nicht so lief wie geplant. Hier kam dann etwas, was viele erstaunte, alle zum Nachdenken anregte und für mich den Glauben an gute Trainer wieder herstellte: Der Hund wurde gelobt, auch wenn "er etwas falsch machte"!

Die Sorge, der Hund könne deswegen den "Fehler" wiederholen, erwies sich als völlig unbegründet, denn er hatte ja gar keinen Fehler gemacht. Es war (und wenn man zehn anderen Teams zuschaut, sieht man es sehr deutlich!) immer ein Menschen-Fehler, der Hund tat das, was er in diesem Moment für das Richtige hielt bzw. das, was der Mensch ihm in diesem Moment zeigte.

Statt Hunden, die verunsichert und zaghaft die Übung wiederholten, hatten so alle Teilnehmer Hunde, die zu fragen schienen "aha, und wie machen wir es jetzt?"
Das war zuweilen ein derart krasser Unterschied zu den ersten Versuchen der Teams, dass sich die Teilnahme nur dafür schon gelohnt hätte.
Alles Neue wurde in Ruhe besprochen, erklärt, in Einzelübungen erprobt und dann in einen dem Thema angepassten Parcours-Verlauf integriert.

So lernten wir nur mittels unserer Körperhaltung - also ohne rufen, fuchteln oder sonstige Sperenzchen einen Hund in den "richtigen" Eingang eines zum "U" gelegten Tunnels zu dirigieren, das selbe dann auch im Parcoursverlauf zu schaffen, dann danach einen Wechsel vorzunehmen usw.

Aber auch so eigentlich selbstverständliche und dennoch häufig vernachlässigte oder falsch durchgeführte Dinge wie das Aufwärmen und Vorbereiten des Hundes wurden besprochen. Ein Ausspruch der mir lebhaft und mahnend in Erinnerung bleiben wird: "Macht zum Aufwärmen nichts, was noch belastender für den Hund ist als Agility!"

Es war ein sehr gut durchdachter und plausibler Trainingsaufbau, jeder Schritt basierte logisch auf dem vorhergegangenen und konnte so auch super umgesetzt werden. Da es sich nicht nur um "typische Agility-Hunde" handelte, konnten wir auch beim Zuschauen schon unglaublich viele Ideen mitnehmen, wie was bei welchem Hundetypen zu erreichen ist.

Was mir sehr gut gefiel: Trotz dem Hintergedanken, dass Agility nun mal schnell und flüssig ist (sein sollte) wurde immer wieder ermahnt, dass das Wohl des Hundes im Vordergrund steht - so wurde zum Beispiel bei einem sehr großen, langbeinigen Jagdhund-Mix, der sich im Slalom sehr biegen muss, darauf hingewiesen dass es wegen einiger Zehntel sec weniger nicht zu verantworten sei ihn schneller laufen zu lassen, dass es für diesen Hund eben eine weitaus höhere körperliche Beanspruchung sei als für einen mittelgroßen kompakt gebauten Hund.

Es ist eigentlich natürlich völlig logisch, doch leider selten geworden, dass bei einem Hundesport der Hund tatsächlich im Vordergrund steht. Jeder teilnehmende Mensch hat sicher genau das für sich mitnehmen können.

Es machte einfach Spass, die Atmosphäre war freundlich, entspannt, kein Druck, kein Ehrgeiz sich zu messen, sondern Freude an flüssigen harmonischen Läufen auch der anderen Teilnehmer!

Ausgeglichen, müde aber nicht erschöpfte Hunde und zufriedene, nachdenkliche Menschen die weit mehr gelernt haben als nur zu wissen, wann sie eher einen "blinden Wechsel" und wann einen "belgischen Wechsel" machen können ...

 

 

© bei der Autorin /2003